Neckar-Odenwald-Kreis will Gentechnikfreiheit

Rieseninteresse beim „Runden Tisch Gentechnikfreier Neckar-Odenwald-Kreis“

von Liane Merkel

Unser Bild zeigt von links: Gebhard Aierstock, Eberhard Zucker, Amelie Pfeiffer, Andreas Sigmund und Rolf Brauch.

Neckar-Odenwald-Kreis. Mit einem solchen Zuspruch hatten die Organisatoren um Amelie Pfeiffer nicht gerechnet. Doch das Interesse der Anwesenden an der Gründung „Runde Tisch Gentechnikfreier Neckar-Odenwald-Kreis“ zog sich zum einen durch alle Generations- und Berufssparten und war so groß, dass sich niemand an den mehr als beengten Verhältnissen im Waldhausener Sportheim störte.

Es wusste auch jeder, dass es nicht um Vor- oder Nachteile der Gentechnik ging – das war nicht das Thema. Dafür war die Bereitschaft zur Themenfindung und Mitarbeit bei dem zu gründenden „Runden Tisch“ enorm und man war sich auch absolut einig, dass als beste Garantie für die geplante gentechnikfreie Zone die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, Information und Bewusstseinsbildung helfen würde, so konnte Rolf Brauch von der Evangelischen Landeskirche als versierter Moderator des Abends beim letzten Programmpunkt vermerken.


Berthold Weigand vom BUND Buchen hatte zuvor die bisher vertretenen Themenkreise des Runden Tischs anhand der bereits initiierten Homepage www.gentechnikfreier-NOK.de vorgestellt.

Das sind neben dem BUND, Herbert Kempf für den Kreisbauernverband, Andreas Sigmund für die Imker, Elmar Berberich als Vertreter der Bioland-Regionalgruppe Hohenlohe-Main-Tauber, Gerhard Kohler für das Landwirtschaftsamt, Hans Zollmann vom Kurgestüt Hoher Odenwald, für die Demeter Landwirte, Rolf Brauch für die Kirchen und Amelie Pfeiffer für die Höfe.

In Ergänzung zu den bereits in der Ankündigung zu diesem Abend vorgestellten Ziele des Runden Tisches waren die Verantwortlichen gespannt auf weitere Vorschläge aus dem „Publikum“ und die ließen nicht lange auf sich warten.

Obwohl MdL Georg Nelius sich bei der derzeitigen EU-Einstellung wenig Hilfe von dieser Seite versprach, wurde der Wunsch nach politischer Regelung einer möglichen Garantie auf 100% gentechnikfreies Saatgut ohne entsprechende Verunreinigung laut.


Kreisrätin Christine Denz schlug bezüglich gentechnikfreier Kost in Kantinen vor, eventuell höhere Kosten mit einer detaillierteren Mengenplanung auszugleichen, H. Wagner vom gleichnamigen Imkereibedarf fragte nach dem derzeitigen Stand der Saatgutqualität für Gartenbau, vor allem bei Blühendem und Dekan Rüdiger Kraut, der mit seinem katholischen Kollegen Johannes Balbach ebenfalls Interesse an dem Thema bekundete, setzte auf Bewusstseinsbildung auf breiter Front, beginnend in Schulen.

Ein Landwirt warnte davor, saubere Lebensmittel sofort als teurer einzustufen, weil das nicht sein müsse und Buchens Bürgermeister Roland Burger sah es als große Chance für Erzeuger und Verbraucher, dem Bürger glaubhaft zu versichern, dass in seinem Heimatlandkreis nur gentechnikfrei angebaut wird.

Bei der richtigen Bewusstseinsbildung habe dann eine Kartoffel wie die „Fortuna“ überhaupt keine Chance.

Alexander Spangenberg warnte, dass einige Gentechnikprodukte in Brüssel „in der Pipeline stehen“, unter anderem Weizen und Zuckerrüben. „Es geht um unser täglich Brot“ und die Prüfbetriebe seien einfach zu oberflächlich.

Auch das größere Problem der gentechnikfreier Tiermast wurde angesprochen, und ein Erfahrungsbericht zeigte, dass es auch anders geht ohne wirklich teurer zu werden. Im Gegenteil hatte der Betrieb sogar noch enorme Vorteile in der Vermarktung. Ob man im Runden Tisch auch die Problematik der Hormonbehandlung aufnehmen soll, wird noch entschieden.

Gerhard Kohler, Fachdienstleiter Landwirtschaft, hatte alle Hände voll zu tun, um alle willigen Gründungsmitglieder ohne Verzögerung in seine Liste aufzunehmen.

Doch diesem wirklich letzten TOP war ein informativer Part mit Erfahrungsberichten durch die Referenten Eberhard Zucker (Kreisbauernverbandsvorsitzender Heilbronn-Ludwigsburg), Gebhard Aierstock (Kreisbauernverbandsvorsitzender Reutlingen) sowie Alexander Spangenberg (BUND Ladenburg) vorgelagert gewesen.

Nach der Begrüßung durch Amelie Pfeiffer bestätigte der Ersten Landesbeamte Martin Wuttke in seinem Grußwort, dass das Landratsamt ganz und gar hinter diesem Runden Tisch stehe und gute Chancen in der Erfüllung der Zielsetzung sehe, weil man wisse, dass die Landwirtschaft und Konsumenten im Kreis schon jetzt dahinter stehe. Gefahrenpunkte sehe er allein in der Preispolitik der Supermärkte, denen die Informationspolitik des Runden Tischs entgegen wirken müsse.

Dem Referat von Eberhard Zucker war zu entnehmen, dass er seine Gentechnikfreie Region Vaihingen/Enz absolut ohne Druck durch Gespräche mit en rd. 70 Landwirtskollegen und deren Freiwilligkeitserklärung zum Verzicht auf gentechnisch verändertes Saatgut aufgebaut hatte. Doch er verschwieg auch nicht, dass er größere Probleme in der Eiweißversorgung in den Futtermitteln für Mastbetriebe sehe, wo knallhart der Preis regiert, und in der Verbreitung von verunreinigtem Saatgut, auf das der Bauer keinen Einfluss hat.

Die Gentechnikfreie Anbauregion Reutlingen setzt mit Gebhard Aierstock an der Spitze auf regionale Qualitätsproduktion. Doch sie würden sich auch stärkeren Rückhalt von der Politischen Schiene Rot/Grün zum Erhalt der landwirtschaftlichen Unabhängigkeit gegen die Macht der Saatgutkonzerne wünschen. Die Bauern auf der Schwäbischen Alb hätten diesen Weg gewählt zur Vermeidung von Konflikten unter den Bauern, u. a auch bei der Honigproduktion, bei Bäckern und Bierbrauern oder in den Dörfern, aber auch, um die Vielfalt der Pflanzen in der Region zu erhalten.

Alexander Spangenberg war Hauptinitiator vom BürGenLand Ladenburg, wo die Initiative von interessierten Bürgern ausging, die im Gespräch mit den Bauern der Kurpfalz den Kampf gegen gentechnischen Anbau aufgenommen hatten. Er setzt auf aktive Bewusstseinsbildung und hält zusammen mit einem Professor des Deutschen Krebsforschungszentrums informative Vorträge in Schulen oder auf Anfragen.

Flirten, Chatten & Freunde treffen

Darüber hinaus habe man mit regionalen Kinos Verträge für besondere Filmvorträge, die den Bürgern die Welt der Gentechnik anschaulich näher bringen und man betreibe seit einiger Zeit sehr erfolgreich den Kurpfälzer Regionalmarkt, was auch der Internetseite www.buergenland.de zu entnehmen ist.

Wie Andreas Sigmund in seinem Schlusswort und dem Dank an die Referenten anmerken konnte, hatten diese Erfahrungsberichte und die lückenlose Beantwortung aller anstehenden Fragen, die Kreativität der Anwesenden noch gesteigert. Er gab einen kurzen Überblick über die geplanten Aktionen „Runder Tisch Genfreier Neckar-Odenwald-Kreis“, die im Januar/Februar im Kino Neckarelz den Filmvortrag „Gekaufte Wahrheit“ und im Frühjahr einen Vortrag über das sogenannte „Honig-Urteil“ vorsehen.

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Der überfüllte Saal zeigte das große Interesse an gentecknikfreien Lebensmitteln. (Foto: Liane Merkle)

Infos im Internet:

www.gentechnikfreier-NOK.de
www.buergenland.de

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