Pflegestützpunkt im Kreis ein Trauerspiel

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Ausschuss für Gesundheit und Soziales

Neckar-Odenwald-Kreis/Mosbach. In der „guten Stube“ Mosbachs, im Bürgersaal im Rathaus, fand die Sitzung des Kreistagsausschusses für Gesundheit und Soziales statt. Michael Jann, Oberbürgermeister und damit Hausherr, begrüßte die Mitglieder und die Gäste zu diesem „finanziell bedeutsamsten Ausschuss“. Tatsächlich sind im Sozialetat die größten Ausgaben des Landkreises zusammengefasst.

Weniger um Geld und mehr um eine schlüssige Konzeption ging es beim ersten Tagesordnungspunkt, der „Kommunalen Gesundheitskonferenz Neckar-Odenwald-Kreis“. Was sich eher theoretisch anhört, soll ganz praktisch angegangen werden laut Landrat Dr. Achim Brötel, der die Sitzung leitete: „Wir wollen keine hinreichend bekannten Problemfelder analysieren, sondern konkrete Projekte vorbereiten und vor allem umsetzen.“ Zu diesem Zweck wurde eine direkt dem Landrat angegliederte und durch eine Anschubfinanzierung des Landes geförderte Geschäftsstelle eingerichtet, in der Christiane Bachert von der Landkreisverwaltung eine Konzeption entwickelt hat. Peter Fieger stellte einzelne Ideen vor, die alle ein Ziel haben: Die Themen Gesundheit und Prävention mit all ihren Facetten mehr in den Fokus und ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Dieser „Ideenpool“ ist ausdrücklich offen für weitere Anregungen; einstweilen nannte Fieger Projekte wie „Neckar-Odenwald aktiv mit geriatrischem Schwerpunkt“, ein Schulmilch- bzw. –fruchtprogramm, spezielle Angebote für Diabetiker in der Gastronomie und begleitete Wanderwege, Aktionen pro Organspende oder eine Werbekampagne, die sich speziell an Medizinstudenten aus dem Kreis wendet mit dem Ziel, diese nach Abschluss des Studiums als niedergelassene Ärzte gewinnen zu können. Aktuell laufen schon Projekte unter dem Motto „Generationenübergreifend fit bleiben“.  Vier Gemeinden erhoffen sich hier hohe Zuschüsse aus dem LEADER-Förderprogramm, um Fitnessgeräte für jung und alt anschaffen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen zu können.


Die eigentliche „Konferenz“, die sich aus Vertretern der unterschiedlichsten Gruppen und Institutionen zusammensetzen soll, wird nur einmal jährlich tagen und hat die Aufgabe, Prioritäten festzulegen und deren Einhaltung zu überwachen. „Das soll kein Debattierklub werden; im Vordergrund soll tatsächlich die Umsetzung der Projekte stehen“, stellte Dr. Brötel dazu klar, was die Ausschussmitglieder begrüßten.

Der „Altenhilfe im Neckar-Odenwald-Kreis“ war die zweite große Präsentation des Abends gewidmet. Fünf Jahre nach dem ersten Sachstandsbericht folgte nun eine aktuelle Bestandaufnahme über ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote sowie betreutes Wohnen. Melanie Bauer von der Landkreisverwaltung ging zunächst detailliert auf die demographische Entwicklung ein, die – verkürzt dargestellt – nichts Neues brachte: Der Anteil der Älteren und Pflegebedürftigen steigt, der Anteil der Jüngeren und der Erwerbstätigen sinkt. Im ländlichen Raum ist dieser Trend tendenziell stärker ausgeprägt als in den Ballungsgebieten. Unverändert stark ist auch das „Überangebot“ an Altenheimplätzen; im Neckar-Odenwald-Kreis herrscht mit 1805 Dauerpflegeplätzen eine rein rechnerische „Überdeckung“ von 198 Prozent, so hoch wie nirgendwo sonst in Baden-Württemberg.
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„Die Heime entwickeln sich aber weiter“, stellte Melanie Bauer fest im Hinblick auf immer stärkere Spezialisierungen wie Pflegplätze speziell für Demenzkranke oder für Senioren mit geistigen Behinderungen. Ohnehin konnte sie ein positives Fazit ziehen: „In fast allen Bereichen wird flächendeckend eine ausreichendes Angebot vorgehalten.“ Um aber dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ gerecht werden zu können, was bedeutet, ältere Menschen so lange wie möglich zuhause verbleiben zu lassen, sollten ganz besondere ambulante Angebote wie z.B. eine „Nachtpflege“ weiter ausgebaut werden.

Das Bildungs- und Teilhabepaket zur individuellen Förderung von bedürftigen Kindern und Jugendlichen ist zwischenzeitlich aus den Schlagzeilen verschwunden. In einem Zwischenbericht nahm die Verwaltung Stellung dazu, wie die Umsetzung und die Inanspruchnahme bis dato im Kreis gelaufen sind. Dieses Fazit war positiv, vor allem vor dem Hintergrund eines politisch bedingten  „holprigen Starts“ und eines hohen bürokratischen Aufwands. Und obwohl deutlich mehr Kinder und Jugendliche als anderswo schon Leistungen beispielsweise für Klassenfahrten, Lernförderung, gemeinsame Mittagessen oder Vereinszugehörigkeit bewilligt bekamen, sei immer noch „Luft nach oben“. Wo genau es noch Bedarf geben könnte, wird derzeit analysiert, um gezielte Maßnahmen einleiten zu können, versicherten Jochen Münch und Kirsten Haber, die die Anträge federführend bearbeitet.

„Ein Trauerspiel“ nannte der Landrat die Geschichte des bis dato immer noch nicht eingerichteten Pflegestützpunktes im Kreis. Nachdem die Konzeption abgelehnt und die Anschubfinanzierung von Seiten des Bundes ausgelaufen ist, sieht Dr. Brötel die Pflegekassen in der Pflicht. „Allerdings hat bisher noch niemand die Existenz eines Pflegestützpunktes vermisst, was für die Qualität aller anderen Beratungsstellen hier bei uns spricht, die dieses Feld wirklich hervorragend abdecken. Die Frage ist also, ob wir diese Einrichtung wirklich haben müssen“, betonte der Landrat. Hier meldete Georg Nelius seine Zweifel an; er plädierte sehr für die Wiederaufnahme der von Ministerin Katrin Altpeter bzw. deren Mitarbeitern angebotenen Gespräche mit dem Ziel, den Stützpunkt doch noch einrichten zu können. Der Beschluss wurde daraufhin entsprechend abgeändert. Gespräche auf ministerialer Ebene sollen demnach stattfinden, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine Art „Anschubfinanzierung“ – wie ursprünglich in Aussicht gestellt –  tatsächlich in Anspruch genommen werden kann.

Weniger Diskussionsstoff boten die finanzielle Förderung von Sportgruppen bei Benutzung kreiseigener Sporthallen sowie die Gewährung von Kreiszuschüssen zur Förderung des Sportstättenbaus. In beiden Fällen wurden die Vorschläge der Verwaltung einstimmig angenommen.

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