Großes Interesse an UBW-Vortrag

„Stromerzeugung & Passivhaus“ – Interessante Alternativen aufgezeigt

Reinhold Weis (Mitte) mit den Referenten. (Foto: privat)

Waldbrunn. (dl) Zu Beginn des Vortragsabends im Landgasthof Haus Odenwald begrüßte Reinhold Weis, Sprecher der Unabhängigen Bürger Waldbrunn (UBW), die zahlreichen Teilnehmer und stellte die Referenten vor. Für das zweigeteilte, jedoch eng miteinander verknüpfte Thema des Abends waren zwei Referenten eingeladen. Reinhold Weis übergab das Wort für den ersten Teil des Vortrags an Götz Heuchemer von der Firma Genzwürker Elektrotechnik, die in Walbrunn bereits 23 Photovoltaik-Anlagen installiert hat.

In seinem Vortrag unterstrich Götz Heuchemer zunächst den nachhaltigen Klimaschutz durch den Einsatz von Photovoltaik-Anlagen und betonte, dass mit diesen Anlagen keine Energie erzeugt, sondern lediglich umgewandelt wird. Als Spezialist für Photovoltaik-Anlagen stellte er den Teilnehmern den Unterschied zwischen Dünnschicht- und Dickschichtzellen vor und zeigte die Einflussfaktoren auf, um einen durchschnittlichen Ertrag von etwa 650 bis 1150 kWh pro kWPeak zu erhalten. Maßgeblich für die Leistungsausbeute sind die Sonnenstunden, der Einstrahlungswinkel sowie die Hinterlüftung der Zellen. Vom Schaltungsaufbau, über die aktuellen Entwicklungen in der Einspeise-Vergütung bis hin zu Speichersystemen, die einfach bis zu 6,6 kWh und in Kaskadenschaltung bis zu 15,0 kWh Speicherkapazität aufweisen. Dem sensiblen Punkt des Lasttrennschalters im Brandfall näherte sich Götz Heuchemer auf folgende Weise: Sicherheit hat oberste Priorität und beim Angebot entscheidet der Preis. Solange der Lasttrennschalter nicht zur Vorschrift wird, ist der Einbau Sache des Bauherren. Doch nur selten sind die Bauherren bereit den Mehrpreis zu zahlen und entscheiden sich für das günstigere Angebot.


Nach einem kurzen Fazit ging Götz Heuchemer noch auf die Fragen der Teilnehmer ein, die sein Vortrag nicht beantwortet hatte. So kam er auf die steigenden Preise für Photovoltaik-Module und das Preisdiktat aus China zu sprechen. Derzeit werden die Photovoltaik-Module nach Information von Herrn Heuchemer zu Tagespreisen ab Hafen eingekauft. Nachdem auch die Frage nach der sehr positiven Energiebilanz aus eingebrachter Energie zur Herstellung und der zu erwartenden, erzeugten Energie beantwortet war, kündigte Reinhold Weis eine kleine Pause an.

Nach der Pause übernahm Andreas Odwarka, geschäftsführender Gesellschafter der Firma IMC Passivhaus GmbH, das Wort und leitete seinen Vortrag mit der Frage an das Publikum ein, wer von den Teilnehmern wüsste, was genau ein Passivhaus sei. Da die Frage von den Zuhörern erwartungsgemäß nicht vollständig beantwortet werden konnte, führte Andreas Odwarka anhand von 22 Mythen durch seinen Vortrag und widerlegte bzw. bestätigte diese Mythen. Der schlichten Architektur (01) von Passivhäusern hielt er anschauliche Beispiele entgegen ließ das Gegenargument folgen, dass Passivhäuser genauso individuell seien, wie die Menschen, die darin wohnen. Über die bereitgestellten Fördermittel (02) und das Vorurteil, Passivhäuser seinen teurer (03) gelangte Andreas Odwarka zu Mythos Nr. 4 Passivhäuser sind aktiver Klimaschutz (04), den er anhand seiner Beispiele bestätigte. Ob ein Passivhaus zertifiziert (05) sein muss oder nicht, lässt sich nicht beantworten, jedoch empfiehlt es sich. Dazu gibt es die Berechnung nach PHPP (Passivhaus Projektierungs Paket), die Luftdichtigkeitsprüfung und geeignete Materialien mit Zertifizierung oder bauaufsichtlicher Zulassung.

Im nächsten Mythos widerlegte Andreas Odwarka die These, Passivhäuser sind Holzhäuser (06) und bestätigte den siebten Mythos das Passivhaus habe einen hohen Wiederverkaufswert (07). Aber wer möchte denn ein Passivhaus verkaufen, in dem es sich behaglich und wohlig wohnen lässt? Im Ökohaus (08) sind Dachfenster (09) nicht tabu, aber die Uw-Werte müssen unter 0,8 W/m2K liegen. Auch für die restlichen, vermeintlich dicken und lichtundurchlässigen Kastenfenster (10) gilt, dass Uw-Wert bei einem Ug-Wert von 0,7 kleiner / gleich 0,8 W/m2K sein muss. Über die ungesunde Luftdichtigkeit (11), den Mythos, dass man Fenster im Passivhaus nicht öffnen (12) darf und das Vorurteil, dass man sich im Passivhaus warm anziehen (13) solle, widerlegt Andreas Odwarka die These, dass die Lüftungsanlage im Passivhaus für erhöhtes Staubaufkommen sorgt (14), denn die Frischluft wird zweifach gefiltert, bevor sie in den Wohnraum gelangt. Die Heizung eines Passivhauses würde zwar in den Besenschrank passen (15), wäre dort aber aufgrund der Geräuschentwicklung nicht besonders intelligent aufgestellt. Besonders gut ist ein Passivhaus für Allergiker geeignet (16), da das Lüftungsgerät mit einem mit einem Pollenfilter ausgestattet ist, der bis zu 95 % aller Feinteile bis zu einem tausendstel Millimeter filtert. Pollen liegen zwischen 20 und 50 tausendstel Millimeter. Vom angenehmen Wohnklima (17) über die vermeintlich hohe Temperatur im Schlafzimmer (18) räumt Andreas Odwarka mit dem Mythos auf, dass man ein Passivhaus mit einer Kerze heizen (19) kann.

Für eine Wohnfläche von 130 m2 benötigt man 1959 kWh Heizenergie jährlich. Eine Kerze erzeugt ca. 75 W, das bedeutet 657 kWh pro Jahr. Mit 3 Kerzen, die das Jahr brennen, könnte man theoretisch das ganze Haus heizen. Andreas Odwarka erklärte der Zuhörerschaft auch, dass ein Ofen im Passivhaus (20) sehr wohl möglich ist. Im Passivhaus herrscht eine 0,4-fache Luftwechselrate des Raumvolumens, daher ist ein Luftzug (21) nur am Ventil wahrnehmbar. Der Mythos von der trockenen Luft im Passivhaus (22) stimmt teilweise, denn konzeptbedingt darf keine zu feuchte Luft im Passivhaus sein und im Winter kann der außen angesaugten Luft nur wenig Feuchtigkeit zugeführt werden. Daher empfiehlt sich besonders im Winter der Einsatz von Luftbefeuchtern bzw. vielen Raumpflanzen.

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Nachdem Andreas Odwarka mit den Mythen aufgeräumt hatte, erklärte er anhand eines Schaubildes das Funktionsprinzip eines Passivhauses und zeigte einige Beispiele, die seine Firma IMC Passivhaus errichtet hat. Auf das Thema Altbausanierung angesprochen, gab Andreas Odwarka zurück, dass Dinge, die in einem Passivhaus notwendig sind, auch in einem Standardhaus Sinn machen. Aber es sollte eine Fachberatung stattfinden, da sich energetische Vorteile nur mit einem gut durchdachten Gesamtkonzept einstellen.

Nachdem Herr Odwarka seinen Vortrag beendet hatte, ergriff Reinhold Weis wieder das Wort und bedankte sich bei den aufmerksamen Zuhören und selbstverständlich bei den beiden Referenten. Zum Dank erhielten die beiden Referenten, Götz Heuchemer und Andreas Odwarka, noch ein kleines Präsent aus dem Odenwald. Reinhold Weis wünschte den Teilnehmern und den Referenten noch einen schönen gemeinsamen Abend und einen guten Heimweg.

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