Musikalische Europa-Reise mit Liszt

von Liane Merkle

Kalman Irmai trotzte der Grippe und begeisterte sein Publikum.

Seckach. Draußen war es dunkel und der Regen peitschte kalt und aggressiv an die Scheiben der Seckachtalschule, in denen sich die Kerzen vom Innern der Aula genauso spiegelten wie das wundervolle Adventsgesteck von Ute Ammermann und der eindrucksvolle Schimmel-Flügel.

Und dann begrüßte ein Grippe geplagter Kalman Irmai seine große Fan-Gemeinde. Es ging ihm nicht gut, aber er ließ sich nicht davon abbringen, sein Publikum auf eine musikalische Europa-Reise mit Franz Liszt einzuladen. Und auch, wenn er nach eigenen Worten miserabel gespielt hatte, dann hatte er das vor den Zuhörern sehr gut verstecken können. Denn schon bei der „Durchfahrt der Schweiz“ hörte man ganz deutlich die Wellen „au lac de Wallenstadt“, ebenso wie das zarte Plätschern einer Quelle und die voll klingenden Glocken von Genf, wo Liszt mit seiner großen Liebe einige Jahre lebte.


Doch zuvor – und auch danach – lebte er erstmals ab seinem 12. Lebensjahr in Frankreich, natürlich in Paris, der Kulturhauptstadt überhaupt. Und hier saugte er alles auf, was ihm an Gedankengut und Virtuosität wichtig war. Kalman Irmai beschrieb Liszt als absolut hilfsbereiten und religiösen Menschen, wissensdurstig, voll Tatendrang, absolut genial in seinem Fach. Geboren in Österreich, wo seine Mutter herstammte und sein westungarischer Vater arbeitete, wuchs er deutschsprachig auf, lernte dann natürlich Französisch, was seine Lieblingssprache wurde, auch beim Komponieren. Seine Frankreichaufenthalte spiegelten sich im Adventskonzert von Kalman Irmai in der „Etude de Paganini“ und den „Harmonies du soir“ wider.

Dass er eigentlich mit Leib und Seele Ungar ist, wurde ihm erst bewusst, als es dort zu einer schrecklichen Überschwemmungskatastrophe mit 60.000 Obdachlosen kam. Um zu helfen, gab dieser „Superstar seiner Zeit“ zehn Benefizkonzerte, und die Ungarn dankten es ihm, indem sie ihn „zuhause“ mit großer Zuneigung empfingen.

Musikprofessor Irmai holte diese Epoche mit „Mal du pays“ und „Funerailles“ in die Seckacher Schulaula bevor er seine Gäste abschließend nach Italien mitnahm. Zunächst mit der „Consolation Des-Dur“.

Nach einer Lektüre von Dante sprühte der begnadete Komponist, Dirigent, Theaterleiter, Musiklehrer und Schriftsteller nur so in seinen fantasievollen Variationstechniken, um die von Dante prognostizierten Bedrohungen und Gefahren musikalisch auszudrücken. Der Ungar Kalman Irmai beendete den Aufenthalt in seiner Heimat mit einer fröhlich schnellen Tarantella, bei sei sein Finger nur so über die Tasten rasten.

Grippe hin oder her, das Publikum war begeistert und applaudierte lang und lautstark. Verbal brachte Bürgermeister Thomas Ludwig den Dank aller zum Ausdruck und er beglückwünschte den Künstler zu seinem Durchhaltevermögen, mit dem er die Bedeutung von Franz Liszt als verbindende Rolle für Europa deutlich gemacht habe. Außerdem schickte er den Prof. zum Auskurieren ins Bett mit dem Wunsch auf eine Fortsetzung der Adventskonzertreihe im nächsten Jahr und dankte dem Förderverein der Musikschule Bauland für die bewährt hervorragende Bewirtung.

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