Chor des Schlossfestspiele sucht Mitsänger

Eberbach/Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) „Der Chor der Schlossfestspiele sucht für seine künftigen Aufgaben chorerfahrene Damen und Herren für alle Stimmlagen“. So steht es auf einem Flyer, mit dem um Nachwuchs für den Chor geworben wird. Über neue Sängerinnen und Sänger würden sich alle freuen, insbesondere aber Brigitta und Helmut Peschel aus Eberbach. Die beiden stammen aus dem Harz, leben aber schon viele Jahre am Neckar, singen aus Leidenschaft und sind über die Katholische Kantorei Eberbach bzw. deren damaligen Leiter Guido Johannes Rumstadt zum damals neu zu gründenden Chor der Schlossfestspiele gekommen. Beide schwärmen, wenn sie an die Anfangszeit zurückdenken: „Der Mut und der Elan, mit dem Rumstadt die Schlossfestspiele damals initiiert hat, hat uns alle mitgerissen.“

Etliche Intendanten und Chorleiter sind mittlerweile gekommen und gegangen – die 1983 begonnene „Beziehung“ des Ehepaares zum Chor hat allerdings Bestand; auch in der dreißigsten Saison halten die beiden den Schlossfestspielen die Treue. Und das nicht „einfach so“: Beide sind nach wie vor mit Begeisterung dabei und singen bei allen Aufführungen, machen also auch jede einzelne Probephase mit. Was nicht die Regel ist; viele behalten sich aus Zeit- oder sonstigen Gründen eine gewisse Auswahl vor und singen nur bei ausgewählten Stücken. Was natürlich auch die Probenzeit erheblich reduziert.

„Seit wir im Ruhestand sind, haben wir´s halt auch ein bisschen leichter, uns die Zeiten einzuteilen“, erzählen Brigitta und Helmut Peschel vor einer der ersten Proben, die regelmäßig samstags von 15.30 bis 18 Uhr in der Grund- und Werkrealschule in Eberbach-Nord unter Leitung von Prof. Klaus Eisenmann stattfinden. Die szenischen Proben beginnen dann ab Mitte Juli auf dem Schloss. Alles läuft durchaus professionell ab; auch gymnastische Lockerungsübungen stehen beim gemeinsamen Einsingen an. Tatsächlich besteht der Chor zwar aus Laien. Die aber sollten unbedingt Noten lesen können und über eine gute, möglichst geübte Stimme verfügen. „Absolute Anfänger tun sich schwer bei uns. Vorsingen muss zwar niemand, aber Chorerfahrung ist immer von Vorteil. Abhängig von den Werken sind manche Partien nämlich durchaus anspruchsvoll“, weiß Helmut Peschel, der den Bass verstärkt und sich insbesondere über männliche Sangeskollegen freuen würde. Die sind nämlich – wie in beinahe allen gemischten Chören – unterrepräsentiert.

Was aber fasziniert die Peschels, die beide profunde Kenner klassischer Musik sind, Jahr für Jahr aufs Neue gerade an diesem Chor? Da ist zum einen das Zusammengehörigkeitsgefühl, trotz eines gewissen Wechsels innerhalb der Gruppe und auch von Aufführung zu Aufführung. Für Helmut Peschel steht ein weiterer Aspekt im Vordergrund:  „Bei anderen Chören steht man mit seinem Liedblatt an seinem Platz und konzentriert sich ausschließlich auf den Gesang. In Zwingenberg aber darf und muss man gleichzeitig mitspielen, je nach Werk im Frack, als Bauer oder auch mal in Lumpen. Das ist hochinteressant und macht für mich den besonderen Anreiz aus“, erklärt der Sänger, der sich auch immer wieder von den Ideen der Regisseure und dem Können der Solisten in den Bann ziehen lässt und regelrecht schwärmt: „Wie da ein Stück innerhalb kürzester Probenzeiten auf die Bühne gebracht wird, mit welchem Ernst die Sängerinnen und Sänger auch schwierige Solopartituren einstudieren und wie daraus ein stimmiges Ganzes entsteht, das fasziniert mich immer wieder. Dabei lernt man sehr viel.“

Für die von ihnen besonders geschätzte „Zwingenberg-Atmosphäre“ sei unter anderem die Gastfreundschaft auf dem Schloss ursächlich: „Wir sorgen ab Mitte Juli mit dem ganzen Tross ja durchaus über Wochen für Lärm und Stress. Trotzdem fühlen wir uns immer herzlich willkommen.“

Darüber hinaus sei die Professionalität, das künstlerische und auch technische Niveau in den letzten Jahren ungemein gestiegen, ergänzt Birgitta Peschel, die Sopranistin ist, schmunzelnd: „Früher ging zum Beispiel regelmäßig das Licht aus, wenn´s geregnet hat.“ Beiden ist im Übrigen der letztjährige Besucherrückgang ein echtes Rätsel: „Was hier immer wieder mit kleinem Budget auf die Beine gestellt und den Zuschauern geboten wird, das ist doch wirklich etwas ganz Besonderes und sollte in jedem Fall sein Publikum finden.“

Der Chor hat aktuell 70 Sängerinnen und Sänger, die auch eine Anfahrt aus Sinsheim oder aus Walldürn nicht scheuen. Nicht alle sind derzeit aktiv. Heiderose Wieder, die Chorsprecherin, führt die Liste und weiß, wer gerade pausiert. Kontakt hält sie grundsätzlich mit beinahe allen: „Vielleicht ist der eine oder die andere dann ja im nächsten Jahr wieder dabei.“

Für sie, die auch von der ersten Stunde an dabei ist, gilt wie für die Peschels: Man muss Herzblut mitbringen und ein echter Fan der Zwingenberger Schlossfestspiele sein – oder werden. Und, wie Helmut Peschel vielsagend und mit glänzenden Augen ergänzt: „Manchmal muss man einfach auch ein weites Herz haben.“

Info: Nach wie vor können Sängerinnen und Sänger für den Chor in der Beethoven-Oper „Fidelio“ und/oder in der Operette „Die lustige Witwe“ einsteigen. Weitere unverbindliche Auskünfte erteilt Heiderose Wieder unter Telefon 06271/4835 oder unter E-Mail  heiderose.wieder@schlossfestspiele-zwingenberg.de. Infos zum Programm gibt es unter www.schlossfestspiele-zwingenberg.de. Ein Kartenvorverkauf ist via Internet ebenso möglich wie möglich wie schriftlich (Anschrift Geschäftsstelle Schlossfestspiele Zwingenberg, Scheffelstraße 1, 74821 Mosbach).

Chor Schlossfestspiele

Helmut und Birgitta Peschel (rechts am Rand, mit grünen Hosenträgern bzw. schwarzer offener Weste) aus Eberbach sind von Anfang an und damit schon 29 Jahre aktiv im Chor der Schlossfestspiele Zwingenberg. Was sie besonders reizt, ist die Möglichkeit, neben dem Gesang auch schauspielerisch tätig sein zu können – wie 2011 in „Die Lustigen Weiber von Windsor“. (Foto: LRA)


 

 

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