Ausbau der Windkraft im Odenwald nötig

Odenwaldkreis. (pm) Der Kreisverband Odenwald des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert den optimalen Ausbau der Windenergie auch im hessischen Odenwald. „Der Ausbau der Windkraft in unserem Kreis ist nötig und möglich“, stellt Harald Hoppe vom BUND Odenwaldkreis fest. Der BUND begrüßt es deshalb, wenn die Kommunen und der Landkreis mit der Bevölkerung einen intensiven Dialog über die Windkraft führen. Alle Erfahrungen bestätigen, dass frühzeitige und umfassende Bürgerinformation der Schlüssel zur sachgerechten Diskussion und verantwortungsvollen Entscheidung ist. „Nur wenn die Sorgen der Menschen ernst genommen und die Chancen der Windkraft verständlich erläutert werden, werden wir auch im Odenwald unseren Beitrag zur Abwendung der drohenden Klimakatastrophe leisten“, erklärt Harald Hoppe.

Der BUND unterscheidet zwischen dem maximalen und dem optimalen Ausbau der Windkraft. Einen maximalen Ausbau, bei dem alle windhöfigen Standorte genutzt werden, lehnt der Verband ab. Gefordert wird vom BUND aber der optimale Ausbau, der 2 Prozent der Landesfläche betreffe und bei dem nur solche Standorte für die Windkraft vorgesehen werden, die für die Bevölkerung keine Probleme durch Lärm oder der den so genannten Disco-Effekt, also dem schnellen Wechsel zwischen hell und Dunkel durch die Schattenwurf der drehenden Rotorblätter erzeugt werden. Auch auf besonders sensible und schutzbedürftige Bestandteile von Natur und Umwelt müsse beim Ausbau der Windkraft Rücksicht genommen werden. Die Schutzkriterien, die hierzu landesweit einheitlich berücksichtigt werden sollten, hat der BUND Hessen zusammengestellt.


„Der BUND begrüßt einen Ausbau der Energieerzeugung durch Windkraft überall dort, wo dies mit den gesetzlichen Vorschriften zum Schutz von Natur, Umwelt und Bevölkerung zu vereinbaren ist“, sagt BUND-Sprecher Harald Hoppe. Zwar kann man über die Ästhetik von Windrädern streiten, aber ohne einen Ausbau der Windkraft werden wir nicht aus der Atomkraft und Kohleverstromung aussteigen können, deren Belastungen für Umwelt, Klima und Gesundheit nicht länger verantwortbar sind. „Im Vergleich zu der Zerstörung von Natur, Landschaft und sogar ganzen Ortschaften durch einen Braunkohlentagebau erscheint selbst das hässlichste Windrad hinnehmbar“, weshalb nach Harald Hoppe vom BUND Odenwaldkreis jedenfalls die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes kein nachhaltiges Argument gegen die Errichtung von Windrädern ist. Die Belastungen von Natur, Umwelt und den Menschen durch Windräder müssen aber natürlich im Genehmigungsverfahren genau geprüft werden und können einem Windkraft-Standort im Einzelfall auch zwingend entgegenstehen.

Ausdrücklich begrüßt der BUND die Festlegung des hessischen Energiegipfels 2 Prozent der Landesfläche in den Regionalplänen als Vorranggebiete für die Windenergie festzuschreiben. Für den Odenwaldkreis begrüßt der BUND daher die endlich in Gang kommende Aufstellung des gemeinsamen Flächennutzungsplans aller Kreisgemeinden. „Fast 10 Jahre wird über dieses Projekt nur geredet – es wird Zeit, dass eine konsensfähige Planung auf den Tisch kommt. Dabei ist die im Gespräch befindliche Fläche von etwa 3 Prozent des Kreisgebietes eine geeignete Ausgangsbasis für die notwendige Detaildiskussion.“ erklärt Harald Hoppe

Der BUND-Sprecher macht auf einen Zielkonflikt beim Schutz des Landschaftsbildes aufmerksam: „Wenn die besonders windhöfigen Standorte wegen der optischen Fernwirkung frei von Windrädern bleiben, dann benötigen wir zur Deckung unseres Strombedarfs im Ergebnis mehr Windräder. Ein Windrad, das nur 50m tiefer liegt als auf einem Bergrücken, hat eine um 20 Prozent niedrigere Energieausbeute, rechnen Windkraftingenieure vor.“ Damit eine sachgerechte Auswahl möglich bleibt, spricht sich der BUND im Rahmen der Planung deshalb für die Berücksichtigung möglichst vieler exponierter windhöfiger Kuppenlagen aus. Waldstandorte sind für den BUND in Hessen aus Gründen des Artenschutzes keine Tabustandorte. „Wir beobachten, dass Windenergieanlagen hoch über den Baumkronen häufig weniger Konflikte zum Schutz bestimmter Vogelarten hervorrufen als in der Agrarlandschaft“, erläutert Harald Hoppe vom BUND. So jagt der Rotmilan, eine Greifvogelart, die leider häufiger bei der Nahrungssuche in Windenergieanlagen zu Tode kommt, seine Hauptbeute, die Feldmaus im Freiland über Äckern und Wiesen. „Pauschale Aussagen führen schnell zu unzulässigen Vereinfachungen“, warnt deshalb der BUND-Sprecher.

Der BUND begrüßt ausdrücklich das an vielen Stellen feststellbare kommunale Engagement zum Ausbau der Windenergie. Damit diese Bemühungen erfolgreich sind und ungeeignete Gebiete zügig erkannt werden, fordert er die Kommunen auf, ihre Planungen

–       immer eng mit dem für den Teilplan Windenergie zuständigen Regierungspräsidium abzustimmen,

–       die Umwelt- und Naturschutzverbände aktiv mit einzubeziehen und deren Sachverstand zum Zwecke einer konfliktarmen Standortwahl zu nutzen,

–       auf die Teilhabe der örtlichen Bevölkerung an den wirtschaftlichen Erträgen der Windenergie durch die Schaffung von „Bürgerwindparks“ auszurichten und

–       in möglichst enger Abstimmung bzw. gemeinsam mit den Nachbarkommunen zu handeln.

Die Planung im Odenwaldkreis erfüllt zwei der vier BUND-Forderungen, die frühzeitige Bürgerinformation und ein Investitionsvorbehalt für hiesige Genossenschaftsmodelle sollten umgehend vorangebracht werden.

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