Frauentag in Großeicholzheim

von Liane Merkle

Großeicholzheim. „Dienstagvormittags bin ich künftig nicht mehr zu sprechen!“ Diese folgenschwere Bekanntmachung ihrer Entscheidung für das „Streben nach dem Doktortitel“ in der Frauenakademie der VHS Buchen hatte Annemarie Kaiser teils mitleidige, teils unverständige Reaktionen ihrer jeweiligen Gegenüber eingebracht. Doch im Rahmen ihres Rückblicks beim Internationalen Frauentag in der Großeicholzheimer „Tenne“ am Wasserschloss machte sie auf humorvolle Weise deutlich, wie wertvoll diese Zeit und die Erfahrungen für sie und ihre Mitstreiterinnen waren, auch wenn hin und wieder ein „auf was hab ich mich da bloß eingelassen“ hochgekommen sei.

Diesem zwerchfellbelastenden Rückblick war die 24. von Adelheid Knoll als Beauftragte für Chancengleichheit perfekt organisierte Kreisveranstaltung zum Internationalen Frauentag vorausgegangen.
Über 200 Frauen und einzelne Männer füllten die Tenne bis auf den letzten Platz, die Männerquote war demnach „untererfüllt“. Selbst die hervorragende musikalische Umrahmung lag mit Nikola Irmai-Koppanyi und Katharina Strein in den Händen von echten Powerfrauen.

Wie Adelheid Knoll ausführte, machte auch der weltweit 101. Frauentag am 8. März aufmerksam auf die Rechte der Frauen, und stand für den Frieden und eine humane Gesellschaft. Nach Ansicht von Landrat Dr. Achim Brötel „Leider von der Grundidee noch immer zu Recht.“ Denn sogar in Deutschland verdienen Frauen in Ganztagsjobs durchschnittlich 22% weniger als ihre männlichen Kollegen. Und das obwohl sie in der Mehrheit sind.
Dabei – „ohne Frauen geht es einfach nicht“ und von der Broschüre der mittlerweile 3. Frauenakademie „Kleinode unserer Region“, die der Kreisveranstaltung auch ihren Titel gab, zeigte sich der Landrat ebenso begeistert wie Hausherr und Bürgermeister Thomas Ludwig. Dieser brachte es mit dem alten Sprichwort „wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ auf den Punkt. Schließlich zähle ja auch das Großeicholzheimer Wasserschloss mit der Tenne zu den vorgestellten Kleinoden.

Nach Aussage von Thomas Ludwig war dieser Gebäudekomplex in den Jahren 2006 – 2008 in einer grandiosen Gemeinschaftsleistung der Dorfgemeinschaft und mit Unterstützung der Europäischen Union, des Landes Baden-Württemberg und der Gemeinde Seckach wahrhaftig in ein Schmuckstück verwandelt worden.
Interessante Geschichtchen konnten Ulrike Berberich, Paula Koller, Elisabeth Altmann, Gusti Kistner, Edeltrud Hauck, Anni Benig, Christel Schmitt, Sonja Bohn, Gabriele Firsching und Annemarie Kaiser bei der Fotoreichen Powerpointpräsentation „ihrer“ Kleinode unter Moderation von Mechthild Bäumer erzählen.


In dieser Auswahl mit dem Beginenklösterle in Buchen, dem Jüdischen Friedhof Bödigheim und seinem Taharahaus, den Schlösser der Familie Rüdt von Collenberg in Bödigheim, Eberstadt und Hainstadt, dem Schächerstein und der Kappel bei Dornberg, dem idyllischen Hollersee und der 1,2 Hektar großen Schmittshöhe, St. Mauritius Kirche in Hemsbach, Wasserschloss Großeicholzheim, Weiler Breitenbach sowie der Margarethenschlucht machten die Damen dem interessierten Publikum den Mund wässrig auf die „Kleinode unserer Region“.

Und jeder gab dem Landrat Recht: „Wenn es die Frauenakademie nicht gäbe, dann müsste man sie wirklich dringend erfinden.“ Denn wie Renate Andres als Leiterin der VHS Buchen strahlend erwähnte, stoße die Broschüre auf erfreulich hohes Interesse. Gerade im Hinblick und pünktlich zum 10. Geburtstag der Akademie, die im März 2002 von 27 Frauen als Erfolgsstory gestartet und sogar vom Europäschen Sozialfond unterstützt worden sei. Die Frauen bräuchten keine Vorbildung, aber Interesse, Mut, Ausdauer und die Offenheit für Neues mit aktivem eigenem Engagement. Wer die 6 – 8 Semester durchzieht, erhalte ein Zertifikat für die kontinuierliche Weiterbildung über mehrere Jahre auf hohem Niveau, was auch den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern könne.

Dr. Friederike Werling als Teamleiterin lobte ihre bildungshungrige Frauengruppe und deren Einsatz für die ebenso kurzweilige wie interessante Broschüre, die in jede Handtasche passt und einen ganz bunten Strauß an Unterrichtsfächern in den Bereichen Literatur, Philosophie, Kunstgeschichte, Geschichte, Musikgeschichte, Politik, Biologie, Geologie, sowie Lern- und Arbeitsmethoden bereichert habe. Die beteiligten Frauen hätten das Projekt im 3. Semester begonnen und seien damit gewachsen und zusammengewachsen, vor allem in den Durststrecken. Wenn sie nicht mehr weiter wussten oder sich überfordert fühlten.

Dieses Phänomen bestätigte auch Annemarie Kaier: „Wir waren 12 ganz unterschiedliche Frauen mit mindestens doppelt so vielen Meinungen, aber wir haben immer und bei allen Fragen einen gemeinsamen Nenner gefunden“. Das wurde deutlich in dem Überblick von Sonja Bohn von der Entstehung der Idee bis zu Fertigstellung der Broschüre. Wobei schon die Auswahl der Kleinode bei neun Odenwälderinnen und drei Bauländerinnen von vielen Diskussionen und Gebiets übergreifenden Exkursionen begleitet war. Doch alle seien sie begeistert gewesen von den sehenswürdigen Schmuckstückend „direkt vor der Haustüre“. Jede habe ihre Aufgabe gem. ihren Gaben gefunden und zusammen seien sie ein Superteam. Doch sei man dankbar für die motivierende Begleitung durch Dr. Werling und H. Holz und stolz auf die gelungene Broschüre und das eingeschweißte Team.
Die humorvolle Version von Annemarie Kaiser lautete „Ich hoffe, sie wissen zu schätzen, dass sich zwölf angehende Doktorantinnen mit dieser Präsentation für sie abgemüht haben und sie haben Geschmack daran gefunden, selbst das eine oder andere Kleinod in ihrer Umgebung zu entdecken.

Mit einem Dank an alle, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatten, auch de dem Förderverein Wasserschloss Großeicholzheim für die umsichtige Bewirtung lud Adelheid Knoll die Frauen ein, nach einer Wasserschloss-Führung noch kräftig mit zu feiern.
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(Fotos: Liane Merkle)

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