Gesichter mit Lebenserfahrung

Kunstausstellung an der DHBW Mosbach mit Werken von Andrea Jahn

Mosbach. (pm) Des Menschen Blick ist weltoffen oder nach innen gekehrt, zielstrebig oder naiv. Man hat immer eine Blickrichtung, und niemand kann sich den Blicken der anderen entziehen. Wie ist es, wenn jemand seinen Blick von innen nach außen kehrt und uns damit sozusagen die Augen öffnet? Die Künstlerin Andrea Jahn präsentiert an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach mehr als 30 Gesichter im Format 120 cm x 140 cm, die zwar alle Augen, Nase, Mund und Haare haben, die aber sonst unterschiedlicher nicht sein können. „…angsichts …!“ nennt sie diese Sammlung.

„Diese Werke passen hervorragend an die DHBW Mosbach“, sagte Prof. Dr.  Gabi Jeck-Schlottmann, Prorektorin und Dekanin der Fakultät Wirtschaft, zur Vernissage, die von der DHBW-Bigband dezent begleitet wurde. Begeistert von der Farbe und Lebendigkeit der Werke, verblüffen sie die vielen, feinen Unterschiede beim stets gleichen Motiv, dem Gesicht. Jedes stehe für ein Individuum, aber auch für den Menschen an sich. „An der DHBW Mosbach studieren 3.300 junge Menschen, wir haben 200 Mitarbeiter und insgesamt 900 Lehrkräfte – sie alle prägen das Bild der DHBW Mosbach.“


Bild Nr. 21 heißt auch „Identität“. Andrea Jahn hat dafür Fotos aus dem Netz gefischt. Wo sonst vielleicht Augenringe sind, hängen nun Bilder aus Afghanistan. Elend, Armut. Inspiriert habe sie dazu Facebook, weil man dort Vieles, was man sonst gar nicht finden würde, entdecken kann. Überhaupt gäben viele User dort manches preis, was sie sonst nicht jedermann erzählen würden.

Die Objektdesignerin arbeitet auch gern mit Zeitungsausschnitten. In Fetzen hängen sie als Haare, rot übermalt als Nase oder ähnlich kreativ im Gesicht. „In der Zeitung steht, was die Menschen bewegt“, sagt Andrea Jahn. Sie möchte sichtbar machen, wie und wie sehr sich die Menschen damit beschäftigen. Vielleicht wollen sie aber auch nur  „Love“ und „Peace“ wie auf Bild Nr.23, „Sue“.

Vielleicht wissen sie aber auch nicht weiter. Andrea Jahn (1965 in Aachen geboren, nach dem Diplom als Objektdesignerin an der FH-Aachen Studium der Malerei in der Klasse Prof. Reipka an der Akademie der Bildenden Künste in München) mochte während der Vernissage nicht öffentlich darüber reden. Eine gewisse Zerrissenheit glaubt Prof. Dr. Volkhard Wolf in ihren Werken zu entdecken. Es gehe darum, was Andrea Jahn „angesichts ihrer Lebenserfahrungen“ in ihren Arbeiten festhalte, „wie sich Wahrnehmungen auf den Gesichtern spiegeln und was die Umwelt mit den Gesichtern macht“.


Konsequent spiele die frühere Schülerin von Prof. Reipka mit zwei Hemisphären, nämlich der linken und rechten Hirnhälfte. Während die rechte Gehirnhälfte für das ganze, einheitliche Bild, für die räumliche Orientierung und Kreativität steht, ist die linke Hälfte für die Analyse, für Sprache und Sprechen, das Abstrakte, Detaillierte zuständig. Wer die Ausstellung vor diesem Hintergrund sehe – und natürlich seine beiden Gehirnhälften arbeiten lasse – werde ganz sicher die künstlerische Vielschichtigkeit entdecken.

Die Kunstausstellung „…angesichts…!“ ist noch bis zum 4. Mai 2012 an der DHBW Mosbach, Gebäude A, zwischen 9 und 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Gesichter mit Lebenserfahrung
(Foto: DHBW Mosbach)

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