Untersuchung wie im Science-Fiction-Film

Untersuchung wie in Science Fiction Film
Christel Pagels aus Buchen, umrahmt von Chefarzt Dr. Mahler und dem Pflegeteam, war die erste Patientin, an der die Kapselendoskopie vorgenommen wurde. Sie kann die großen Vorteile dieser modernen Untersuchungsmethode, die an den Neckar-Odenwald-Kliniken in Buchen angewandt wird, nur bestätigen. (Foto: LRA)
Buchen. (lra) Dem Laien mutet die Szene an, als wäre sie einem mittelmäßigen Science-Fiction-Film entliehen: Ein Mensch schluckt eine Kapsel, nicht größer als eine Vitamintablette. In dieser Kapsel sind aber keine medizinischen Wirkstoffe enthalten, sondern eine Kamera, lichtstarke LEDs (Leuchtdioden), ein Sender und eine Batterie. Auf ihrem rund neunstündigen „ganz natürlichen“ Weg durch den menschlichen Körper schießt die Kamera etwa alle zwei Sekunden ein hochwertiges Farbbild – insgesamt rund 50.000 – und überträgt es mittels Sender an einen Rekorder. Diese Bilder können zu einem Video zusammengesetzt werden. Und ergeben so einen Einblick in den Magen-Darm-Trakt auch an Stellen, die ansonsten nur schwer oder mit großem Aufwand – einer Operation beispielsweise – einzusehen wären.

Für Dr. Rüdiger Mahler, Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen und Chefarzt auf der „Inneren“ an den Neckar-Odenwald-Kliniken in Buchen, hat das Diagnoseverfahren „Kapselendoskopie“ allerdings gar nichts Unheimliches. Im Gegenteil: er nutzt dieses Verfahren seit wenigen Wochen, weil er von den großen Vorteilen überzeugt ist. Und seine Patienten sind es mittlerweile auch.


„Um Beschwerden und Symptome richtig deuten zu können, brauchen wir den Blick ins Innere. Trotz vieler Verfahren wie Röntgen, Computer – oder Magnetresonanztomographie (CT oder MRT) oder Magen- und Darmspiegelungen gibt es da immer noch Stellen im Verborgenen“, erklärt er: „Mit der Magenspiegelung sehen wir in den Magen und den Zwölffingerdarm, mit der üblichen Dickdarmspiegelung bekommen wir Einblick in den Dickdarm. Aber der gesamte Dünndarm blieb bei diesen Untersuchungen verborgen. Mit der Kapsel ändert sich das grundlegend.“

Tatsächlich hat die Kapselendoskopie gerade die Dünndarmdiagnostik geradezu revolutioniert. Hier können chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn ihren Anfang nehmen, ebenso Darmtumoren, die ansonsten über lange Zeit unbemerkt wachsen und Metastasen streuen können. Entdeckt wurde diese spezielle Form des Darmkrebses auf konventionelle Weise oft erst, wenn es schon viel zu spät war.

„Seit Einführung der Videokapsel werden Dünndarmtumoren dort, wo das Verfahren angewandt wird, häufiger und früher entdeckt. Das kann Leben retten“, betont Dr. Mahler. Auch Blutungsquellen, die zu chronischem Blutverlust aus dem Dünndarmbereich führen, können so leichter und schneller lokalisiert werden.


Die großen Vorteile: Die Patienten werden keiner Strahlenbelastung ausgesetzt, müssen keine Beruhigungs- oder Kontrastmittel schlucken und können während der „Untersuchung“ sogar ihren ganz normalen Tätigkeiten nachgehen.

Und was passiert mit der Kapsel, wenn sie „ausgedient“ hat? „Die wird auf ganz normalem Weg ausgeschieden und verschwindet“, so der Chefarzt, der augenzwinkernd anfügt: „Dass sie ein echtes Wegwerfprodukt ist und nur zur einmaligen Benutzung taugt, ist vielleicht der einzige Nachteil, den zumindest ich feststellen kann.“

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