ZGB – Projekt gegen Gewalt

Buchen. Am eindrucksvollsten war die Zelle. 3,8 mal 2,34 Meter groß, mit blaukarierter Bettwäsche, winzigem Kleiderschrank, Toilette und Waschbecken inklusive. Den kleinen Fernseher gibt´s nur für den, der monatlich 18 Euro Leihgebühr zahlen kann. Harald Fritz von der Jugendvollzugsanstalt Adelsheim gab in der Aula der Zentralgewerbeschule Buchen, in der diese Originalzelle aufgebaut war, bereitwillig und sehr offen Auskunft über das in jeder Beziehung harte Leben der Insassen. Und die Schülerinnen und Schüler – „Ist der Fernseher mini! Da würd´ ich ja gar nichts sehen!“ – waren zumindest beeindruckt.


Damit es aber gar nicht erst soweit kommt, hat Carmen Weiß, Schulsozialarbeiterin an der ZGB, mit der Jugendhilfe des Landratsamtes des Neckar-Odenwald-Kreises, der Schulleitung der ZGB und weiteren Partnern ein einwöchiges Gemeinschaftsprojekt auf die Beine gestellt, das ein großes Ziel hatte: Die Jugendlichen für Gewalt und deren vielfältige Erscheinungsformen zu sensibilisieren. Dazu war in der Aula ein Parcours aufgebaut, an dessen Stationen die Jugendlichen verschiedene Formen von psychischer, körperlicher, sexueller, sozialer und ökonomischer Gewalt kennen lernen, Stellung beziehen und diskutieren konnten. Was ist schon Gewalt, was ist „nur“ Verteidigung der eigenen Interessen? Die Meinungen der Schülerinnen und Schüler der teilnehmenden Klassen aus der ZBG und der Hauswirtschaftsschule  – vor allem die Berufsfachschul- und Berufseinstiegsjahrklassen –  die innerhalb einer Woche den Parcours mit fachlicher Begleitung durchliefen, waren da durchaus unterschiedlich. „Das dürfen sie grundsätzlich auch sein“, erklärte Carmen Weiß, die das Projekt mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen in die oft durchaus raue Lebenswirklichkeit der Jugendlichen umgesetzt hat: „Wichtig ist uns, mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen und sie dazu zu bringen, über Gewalt im täglichen – und natürlich auch in ihrem – Leben nachzudenken und persönliche Schlüsse daraus zu ziehen. Damit sie sich eben nicht irgendwann mal in einer Zelle wiederfinden.“


Auch Landrat Dr. Achim Brötel hat sich vor Ort über das Projekt informieren lassen. „Vor vielen Jahren war ich als Jugendstaatsanwalt genau mit den jungen Leuten beschäftigt, die den Ausstieg aus einer Spirale der Gewalt nicht geschafft haben. Deshalb weiß ich, wie wichtig es ist, frühzeitig anzusetzen und auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die es eben nicht nur im Fernsehen gibt, sondern ganz real gerade auch an Schulen.“  In jedem Fall wolle auch das Landratsamt die Gewalt- und Kriminalprävention ausweiten. Den lobenden Worten Dr. Brötels für den Aufbau und die Durchführung des Projekts schlossen sich im Übrigen in Vertretung von Schulleiter Wolfgang Seifert der mit dem Projekt befasste Studiendirektor Heiko Ihrig sowie der stellvertretende Schulleiter, Dr. Wolfgang Schäfer, an. Für die Polizei bedankte sich Günter Ebert, des als Jugendbeauftragter ebenfalls ein Kenner der Materie ist.

Projekt gegen Gewalt

(Foto: LRA)

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