Zärtlichkeiten mit Freunden

von Michael Hammer

Osterburken. Man hat es schon schwer als Kabarett-Duo auf Gastspielreise. So waren sich die „Zärtlichkeiten mit Freunden“ in Osterburken sicher, dass an dieser Gegend hier, dem Bauland, irgendetwas faul sei, denn selbst in ihrer sächsischen Heimat würde auf riesigen Stellwänden Bauland zum Verkauf angeboten. Mit solchen und ähnlichen Seitenhieben auf regionale Eigenheiten und die Rahmenbedingungen ihres Auftritts in der Alten Schule („Da stellen se en paar Stühle in´n Dachboden – zack – ham se en Theater.“) treiben die beiden aus Riesa ihre Späße, fordern die Zuschauer heraus und bezichtigen sich doch auch gegenseitig immer wieder des instrumentalen Unvermögens.


„Wenn ich Gitarre spielen gelernt hätte, könnte ich es wenigstens“, so Christoph Walther zu seinem Gitarristen Stefan Schramm. Doch auch der Mann am Schlagzeug zeigt sich nicht als außerordentlich filigran an seinem Instrument. Im Gegenteil scheint er mit seinem technischen Equipment doch das ein oder andere Mal reichlich überfordert, was zu einigen absurd-komischen Situationen auf der Bühne führt. In der Tat kann man sich fragen, wieso die beiden ihre Stücke (manchmal auch nur Liedfragmente) aus dem Schlager- und Rockrepertoire mit Schülerbandniveau dem Publikum überhaupt antun. Doch auch das hat System bei den „Zärtlichkeiten mit Freunden“. Immer haarscharf am Rande der Banalität trifft das Duo dennoch zielsicher den Humornerv der Zuschauer.

Nicht die Musik sondern deren Präsentation, die Zwiegespräche und Geschichten, die sich zwischen den Songs entspinnen, sind die Highlights in ihrem Programm. Mit „Mitten ins Herts“ sind sie seit 1999 unterwegs, haben es aber ständig weiterentwickelt und verfeinert und so im Laufe der Jahre einen Kleinkunstpreis nach dem anderen abgeräumt. Wer nur Bilder von ihnen sieht, mag sich fragen, warum. Wer sie live erlebt, stellt sich die Frage nicht mehr.

Ihre Kostümierung und die albernen Perücken sowie ihre Pseudonyme Ines Fleiwa und Cordula Zwischenfisch sind zusätzliche Mittel, um die Gegensätze, die ihr „Musikkasperett“ dem Publikum aufzeigt, nur noch deutlicher zu machen: nach außen hin auf den ersten Blick völliger Klamauk, bei näherem Hinsehen aber doch unerwartet feinsinnig und daher umso treffsicherer. Was Stefan Schramm und Christoph Walther davor bewahrt, in die Tiefen völliger Trashcomedy abzurutschen, ist zum einen der geballte und pointierte Wortwitz, zum anderen die Ruhe und Gelassenheit, die jeglichen Anschein unkoordinierten, laienhaften Klamauks von vorn herein im Keim ersticken sowie einige Nummern, die wirklich absolut herausragend sind: beispielsweise wenn Christoph Walter sich eine Leninmaske über den Hinterkopf stülpt und sein Schlagzeug hinter dem Rücken spielt oder wenn er zum Ende völlig beleidigt, ohne dass Partner Stefan Schramm es mitbekommt, noch während er spielt schon sein Schlagzeug abbaut.


Stets ist man als Zuhörer gespannt darauf, mit welchen absurden Geschichten man als nächstes überrascht wird – nur um seine Erwartungen zumeist noch übertroffen zu sehen. Beispielgebend dafür der unnachahmliche Auftritt von Christoph Walther als zunächst sehr schüchterner, mit der Zeit aber um so redselig werdender Rico Rohs aus Oppitzsch zu Beginn der zweiten Hälfte. Die ausschweifende Story von Frau Meissners Kniescheiben-Vorfall und seinen dabei notwendigen Ersthelferqualitäten ließen beim Publikum kein Auge trocken.

„Ham wir uns bissel verquasselt“, so die Erkenntnis von Rico, welche als Motto für das ganze Programm gelten könnte. „Macht gar nichts“, möchte man als Zuschauer antworten. So lange man sich einen Abend lang derart köstlich amüsiert.

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(Foto: Michael Pohl)

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