100 lautlose Kilometer für einen Euro

Grüne auf Probefahrt mit E-Rollern der Firma Hübner

Seckach. (pm) Am Ende des Besuchs bei der Firma Elektro-Hübner in Seckach wird es ernst: Andreas Schwarz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der grünen Landtagsfraktion und Fraktionschefin im Kreistag Simone Heitz stülpen sich Helme über. Noch ein wenig angespannt nehmen sie Platz auf den Elektro-Motorrollern, die Firmenchef Rolf Hübner und sein Sohn Christoph in den Hof gestellt haben. Dann geht es los: fast lautlos brausen die beiden auf den glänzend grün und rot lackierten Modellen davon, steigern das Tempo – ohne allerdings innerorts die 50 km/h zu überschreiten, was die Roller durchaus hergeben könnten.

MdL Andreas Schwarz, Vorsitzender der kommunalpolitischen Vereinigung der Grünen in den Räten und des Arbeitskreises Verkehr und Infrastruktur im Landtag, interessierte sich bei seinem Besuch in Neckar-Odenwald-Kreis besonders für das Thema Elektro-Mobilität.  Die Kreisrätinnen Christine Denz, Simone Heitz und Dorothee Roos hatten die E-Roller der Firma Hübner bereits auf der Klimamesse in Aglasterhausen kennen gelernt.


Beim Gespräch in Seckach ging es nun um die Chancen, welche die E-Roller für die Mobilität im ländlichen Raum bieten.  „Eigentlich wollte ich die E-Roller nur verkaufen – doch bald habe ich gemerkt, dass wir sie auch selber bauen und weiterentwickeln müssen, um sie an die hiesigen Bedürfnisse anzupassen“, erläuterte Rolf Hübner. Die Fahrgestelle werden dabei in Fernost hergestellt, doch die gesamte Antriebs- und Batterietechnik wird erst in Seckach hinzugefügt.

Die Roller erreichen eine durchschnittliche Reichweite von ca. 80 – 100 Kilometern, danach müssen sie für drei Stunden an die Steckdose, wenn sie mit einer Lithium-Ionen-Akku  ausgerüstet sind; im Falle von Blei-Akkus dauert der Ladevorgang 8 Stunden. Die hochwertigen Akkus verkraften bis zu 1000 Aufladungen.

Einige Hürden bezüglich Zulassung, elektromagnetischer Störstrahlung mussten überwunden werden, wie Marianne Hübner erläuterte. Doch jetzt stehen verschiedene Modelle in unterschiedlichen Komfort- und Größenklassen für die Käufer bereit.

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Man will damit Menschen jeden Alters ansprechen; Jüngere brauchen einen Motorradführerschein, ältere können mit einem normalen KFZ-Führerschein, der vor 1984 ausgestellt wurde, sofort losfahren. Wenn der Strom aus erneuerbaren Energien kommt, ist der E-Roller ein perfektes Öko-Mobil, und ein preiswertes dazu. Trotz derzeit hoher Strompreise kann man 100 km für einen Euro zurücklegen.

MdL Andreas Schwarz sah die Zukunft der E-Roller, neben dem individuellen Gebrauch, auch in Verbünden von Verkehrsträgern. „An S-Bahn-Stationen oder großen Stadt-Rand-Parkplätzen müssten E-Mobile in Form von Rollern oder Pedelecs  bereit stehen. Man kann dann damit die Gegenden abseits der Verkehrsachsen oder die Innenstädte befahren – leise, umweltfreundlich, ohne Parkprobleme.“ Die Gesprächspartner waren sich einig, dass die E-Mobilität viele Chancen bietet.

Die grüne Kreistagsfraktion nahm den Besuch bei der Firma Hübner zum Anlass und stellte den Antrag die Wirtschaftsförderung des Landkreises mit einer Untersuchung des Themenkomplexes „Verkehrsanbindung, Wirtschaftsförderung und 100 Prozent regenerative Energie“, die in das Cluster Elektromobilität einfließen, zu beauftragen und damit das Entwicklungspotential im Bereich Elektromobilität festzustellen und Fördermaßnahmen zu entwickeln.


Derzeit gibt es kein eigenes Berufsbild Elektromobilität, „Mechatronikern fehlt Elektronisches und elektrotechnisches Wissen, Elektrikern fehlt Wissen im Fahrzeugbau und in der Mechanik“, wie Firmenchef Hübner beklagte. Flankierend regen daher die grünen Kreisrätinnen an einen Ausbildungszweig Elektromobilität zusammen mit der Kreishandwerkerschaft zu schaffen und diesen soweit es möglich ist in den kreiseigenen Berufsschulen und über die Duale Hochschule zu implementieren.

Ziel des Antrags ist eine Vorreiterrolle des Wirtschaftsstandorts Neckar-Odenwald-Kreis für Elektromobilität, „denn schließlich haben wir die regenerative Energie vor der Haustür“, so Fraktionsvorsitzende Simone Heitz, und sei ist nur konsequent die Spitzenposition des Neckar-Odenwald-Kreises im Bereich der regenerativen Energien weiter auszubauen und zu nutzen.

100 lautlose Kilometer fuer einen Euro

Die weibliche Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Grüne mit ihrer Vorsitzenden Simone Heitz (li.) an der Spitze, besuchte in Begleitung von MdL Andreas Schwarz die Firma Elektro-Hübner, wo Firmenchef Rolf Hübner und Sohn Christoph die Besucher informierten. (Foto: pm)

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