Azubi-Projekt am Limes

Buchen / Osterburken. (lra) Der Obergermanisch-Rätische Limes ist die vor rund 1800 Jahren angelegte befestigte Grenzlinie zwischen dem Römischen Reich und den Germanen mit einer Länge von 550 km von Koblenz am Rhein bis Regensburg an der Donau. Er ist das größte Bodendenkmal Europas und wurde aufgrund seiner Bedeutung Im Jahre 2004 zum UNESCO Weltkulturerbe erhoben. Und er ist in einem Abschnitt im Bereich des Hergenstadter Waldes bei Adelsheim spannender „Arbeitsplatz“ von Schülern des Ganztagesgymnasiums Osterburken und von Auszubildenden vom Fachdienst Vermessung des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis.

Der Reihe nach: Aufgrund der Bebauung und der Bodenbewirtschaftung sind heute weite Bereiche der ehemaligen Grenzlinie schlicht verschwunden. Nicht so im Hergenstadter Wald bei Adelsheim. Dort ist der einstige Wall auf einer Länge von rund 800 m noch deutlich erkennbar. Seinen Zustand zu erhalten, zu dokumentieren und später  auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen ist ein wichtiges Anliegen, dem sich verschiedene Kreise angenommen haben.


So messen im Rahmen der Kooperation Schule und Museum Schülerinnen und Schüler des Ganztagsgymnasiums unter der Anleitung von Dr. Jörg Scheuerbrandt, dem Leiter des Römermuseums Osterburken und Museumsbeauftragten des Landkreises, Höhenprofile an diesem Limesabschnitt auf. Um diese vergleichen zu können sowie  Veränderungen gegenüber der Dokumentation der Reichslimeskommission feststellen und das Ganze in einem graphischen Informationssystem (GIS) darstellen zu können, ist ein sogenannter „Raumbezug“ nach Lage und Höhe erforderlich. Weil dieser mitten im Wald nicht gegeben ist und auch nicht auf einfache Weise hergestellt werden kann, kamen hier die Auszubildenden Tina Gehrmann, Pierre Herre und Frederic Noe vom Fachdienst Vermessung des Neckar-Odenwald-Kreises ins Spiel. 

Nicht mit der „Groma“, dem Rechtwinkelinstrument der Römer, sondern mit dem Einsatz modernster Messtechnik (GPS-Messungen in Kombination mit elektrooptischem Tachymeter und Nivellier) gingen die drei Auszubildenden ans Werk und schufen unter der Betreuung von Herbert Frisch entlang des vereinbarten Abschnitts auf einer Länge von über 300 m insgesamt 13 Festpunkte. Die verfügen nun über exakte Koordinaten- und Höhenangaben in den amtlichen Systemen, so dass die künftigen Messungen der Schüler auf einfache Weise angeschlossen und mit einem absoluten Raumbezug visualisiert werden können.  


Um einen Einblick in das jeweils andere Betätigungsfeld zu erhalten, gab Limes-Cicerona Monika Frisch vom Römermuseum Osterburken den Auszubildenden beim Fachdienst Vermessung mittels einer Powerpoint-Präsentation einen Einblick in die Entstehung und den Ausbau des Limes vor rund 1800 Jahren. Umgekehrt stellte Tina Gehrmann die Vorgehensweise, Schwierigkeiten und Ergebnisse des Vermessungsprojekts den Schülern der 10. Klasse am GTO ebenfalls in einer Präsentation anschaulich vor und erläuterte den Zweck der Grundlagenermittlung. Jörg Hammerl vom gleichen Fachdienst schließlich erläuterte die Ausbildungsmöglichkeiten im Vermessungswesen. Damit schloss sich ein Kreis zwischen den drei Institutionen Ganztagsgymnasium – Römermuseum – Fachdienst Vermessung, versehen mit einer gehörigen Portion Mehrwert und Erfahrung für die einzelnen Beteiligten.

 Azubis am Limes

Auszubildende des Fachdienstes Vermessung beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis haben an dem einzigartig erhaltenen Limesabschnitt im Hergenstadter Wald ein Festpunktnetz angelegt, mit dessen Hilfe der geodätische Raumbezug für topographische Aufmessungen durch Schüler des Ganztagsgymnasiums realisiert werden kann. Unser Bild (von links): Herbert Frisch, die Auszubildenden Tina Gehrmann, Pierre Herre und Frederic Noe (alle Fachdienst Vermessung), Dr. Jörg Scheuerbrandt (Römermuseum Osterburken) und Thomas Wittlinger (Fachdienst Vermessung). (Foto: LRA)

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