7. EUROKOMMUNALE in Gazzada Schianno

von Liane Merkle

Ein reichhaltiges fachliches und kulturelles Programm absolvierten die Teilnehmer der achten EUROKOMMUNALE in Gazzada Schianno, ehe sie sich vor der Kulisse des Rathauses der Gemeinde Gazzada Schianno (ehem. Villa de Strens) zum Abschlussfoto versammelten. (Foto: Liane Merkle)

Teilnehmer Eurokommunale

Gazzada Schianno/Seckach. Bereits zum zweiten Mal nach 2007 war die Seckacher Partnergemeinde Gazzada Schianno in Norditalien Austragungsort der EUROKOMMUNALE mit der Teilnahme kleiner Kommunen aus Polen, Tschechien, Italien und Deutschland. Die viertägige Begegnung am letzten Juniwochenende war angereichert mit einem dicht gedrängten Programm zu aktuellen Themen und wieder einmal verwöhnten sich die Teilnehmerkommunen gegenseitig mit kulinarischen Spezialitäten.

Schon bei der Begrüßung hob Gazzada Schiannos Bürgermeisterin Cristina Bertuletti hervor, dass das Zusammenkommen und Zusammenwachsen der Menschen in Europa gerade in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen alternativlos sei und hierfür leiste die EUROKOMMUNALE nun schon seit dem Jahre 2005 Vorbildliches. Das von der EU-Kommission für 2012 ausgerufene „Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ wies den gut 60 Teilnehmern den Weg zu ihrer fachlichen Arbeit.


Jede Kommune hatte im Vorfeld der Veranstaltung einen Bericht über ihre Erfahrungen mit der Bewältigung des demografischen Wandels verfasst und Dott. Matteo Moscatelli von der Katholischen Universität Mailand hielt ein Impulsreferat. Allen Konferenzteilnehmern wurde klar, dass der Weg immer mehr von der klassischen Betreuung zur Aktivierung älterer Menschen führen muss.

Seitens der Gemeinde Seckach konnten Bürgermeister Thomas Ludwig und einige Mitglieder des Arbeitskreises „Soziales Netzwerk“ mit Moderatorin Maxi-Monika Thürl an der Spitze hierzu anhand des „Fahrdienst“ sowie des Vereins „Zeitbank 55+“ zwei herausragende Beispiele vorstellen. Aus den anderen Kommunen war zu erfahren, dass Senioren z.B. Arbeitsgemeinschaften in Schulen anbieten (Buttenheim/ Oberfranken) oder sie selbst Computer- und Deutschkurse besuchen können (Karpacz/ Polen).

Wurde schon hier deutlich, dass alle Teilnehmerkommunen vor denselben Herausforderungen stehen, so bestätigte sich dies erst recht bei der Konferenz rund um die Themen Abfallvermeidung und Recycling. Hierzu hatte Dott. Giorgio Ghiringhelli von der zuständigen Provinz Varese ein interessantes Referat vorbereitet, in welchem er u.a. die von der Provinz im Jahre 2010 beschlossenen 43 Leitlinien zur Verringerung des Hausmülls und zur Erhöhung der Recyclingquote vorstellte.

Bürgermeister Ludwig präsentierte in diesem Zusammenhang das Modellprojekt „Restmüllfreie Abfallwirtschaft“ der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Neckar-Odenwald-Kreises (AWN), welches derzeit in Rosenberg läuft und die Vision einer kompletten Verwertung der in den Haushalten anfallenden Abfälle Realität werden lässt.


Es wurde aber auch aufgezeigt, dass eine flächendeckende Verhaltensänderung letzten Endes nur über ein intelligentes System der Müllgebühren bewirkt werden kann. So sollte nach Meinung von Bürgermeister Andreas Böer (Reichenbach) die Palette von hohen Gebühren für nicht oder schwer recycelbare Stoffe bis hin zur kostenlosen Sammlung von stark nachgefragten Wertstoffen  reichen.

Ein heiß diskutierter Aspekt war schließlich auch die Frage „Wer macht die Gewinne?“. In Okrouhla, Skalice und Svor (Tschechien) obliegt den Kommunen beispielsweise nur die Sammlung und Sortierung der Abfälle, während das Recht zur Verwertung einem privaten Unternehmen zusteht, betonte Seckachs Bürgermeister Ludwig. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Abfall(wert)wirtschaft als Teil der Daseinsvorsorge unbedingt in öffentlicher Hand bleiben müsse.

Aber nicht nur derart schwer zu verdauende Kost galt es während der vier Tage der 7. EUROKOMUNALE zu verarbeiten. Vielmehr hatte die gastgebende Gemeinde Gazzada Schianno die Teilnehmerkommunen unter dem Motto „Der Geschmack Europas“ wieder dazu eingeladen, sich im Park der Villa de Strens – in welcher sich seit einigen Jahren das Rathaus von Gazzada Schianno befindet – mit landestypischen Spezialitäten zu präsentieren.


„Die Gemeinden der EUROKOMMUNALE haben schon längst erkannt, dass die Zukunft Europas vor allem in der Jugend liegt. Deshalb lud die Gemeinde Gazzada Schianno die Schulen aller Gastkommunen dazu ein, sich an einer Ausstellung unter dem Motto „Gestern war ich eine Plastiktüte, heute bin ich ein Kunstwerk“ zu beteiligen“. Dies ließ sich auch die Werkrealschule Billigheim-Schefflenz-Seckach nicht zweimal sagen und so entstanden in den letzten Wochen zahlreiche beeindruckende Werkstücke.

Von Windspielen aus Teilen alter Fahrräder über Einkaufstaschen aus Schokoladen- oder Capri Sonne-Verpackungen bis hin zu modischen Accessoires aus den Resten alter Jeans reichte die von viel Einfallsreichtum geprägte Palette der Entwürfe. Rainer Kampfhenkel, Lehrer der Werkrealschule, erläuterte den neugierigen Besuchern die Entstehung der einzelnen Stücke.

Ein weiterer Höhepunkt neben diversen Besichtigungen war das abendliche Kammerkonzert im Innenhof der Villa Cagnola in Gazzada. Beschlossen wurde die 7. EUROKOMMUNALE wieder mit einem ökumenischen Gottesdienst, geleitet von Padre Don Alfonso aus Gazzada Schianno und Pfarrer Christoph Wiesener (Reichenbach). Bürgermeister Andreas Böer lud schließlich für das kommende Jahr zur 8. EUROKOMMUNALE nach Reichenbach ein, dann zum Thema „Brand- und Katastrophenschutz“, ehe es Seckachs Bürgermeister Thomas Ludwig vorbehalten blieb, der gastgebenden Gemeinde Gazzada Schianno namens aller Gäste zu danken.

Seckach Eurokommunale

Im Park der Villa Cagnola stellte sich die Seckacher Delegation zu einem Erinnerungsfoto auf. (Foto: Liane Merkle)

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