Kreis hat höchsten Krankenstand im Land

Psychische  Erkrankungen im Landkreis steigen an – Stress im Job erhöht Herzinfarkt-Risiko 

DAK Folie 4

Gesundheitsstand im Neckar-Odenwald-Kreis im Landes- und Bundesvergleich. (Grafik: DAK)

Mosbach. Der Krankenstand im Landkreis Neckar-Odenwald ist 2011 angestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen um 0,3 Prozentpunkte zu, während sie in Baden-Württemberg insgesamt um 0,2 Prozentpunkte stiegen. Mit 3,6 Prozent hatte die Region im Vergleich den höchsten Krankenstand im Bundesland. Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1.000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 36 krankgeschrieben. Der niedrigste Wert in Baden-Württemberg wurde mit 2,5 Prozent in Stuttgart verzeichnet.


Wie aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport für den Landkreis Neckar-Odenwald hervorgeht, nahmen im Vergleich zum Vorjahr bei fast allen Diagnosen die Ausfalltage zu. Den deutlichsten Anstieg gab es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Schlaganfall mit 88 Prozent. Grund war hier vor allem eine deutlich längere Erkrankungsdauer von durchschnittlich 30 Tagen je Fall. Auch die Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen wie Depressionen stiegen um 43 Prozent. Dagegen gingen die Verletzungen und Vergiftungen um 18 Prozent zurück.

„Die Höhe des Krankenstandes in der Region zeigt Handlungsbedarf auf“, kommentierte Ludger Geier von der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. „Gesund leben und arbeiten gehören eng zusammen. Im Alltag ist es wichtig, dass sich die Menschen richtig ernähren, entspannen und bewegen. Die Arbeitgeber können über ein Gesundheitsmanagement den Krankenstand im Unternehmen beeinflussen. Aktuelle Studien zeigen, wie gezielte Rücken- oder Anti-Stress-Kurse positiv wirken. In Sachen betrieblicher Prävention beraten und unterstützen wir gerne.“

Einen besonderen Akzent setzt die Krankenkasse 2012 mit einer neuen Aufklärungskampagne: Im Beruf lauern bislang unbekannte Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. Nach aktuellen Gesundheitsstatistiken ist der Infarkt die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. In Baden-Württemberg verstarben im Jahr 2010 insgesamt 6.845 Personen an einem Herzinfarkt. Bislang wurden zur Vorbeugung vor allem die klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Übergewicht beachtet. Der neue DAK-Gesundheitsreport zeigt dagegen auf, dass auch Stress und Frust im Beruf das Infarkt-Risiko deutlich erhöhen können. „Herzinfarkte sind schon lange keine Managerkrankheit mehr“, sagt Dr. med Peter Zubrod, Facharzt für Arbeitsmedizin.


Fehlende Belohnung im Beruf macht krank

Nach einer repräsentativen Untersuchung leiden in Baden-Württemberg 6,3 Prozent der Berufstätigen an einer sogenannten beruflichen Gratifikationskrise. „Die Menschen haben Stress im Job, weil sie sich für ihre Anstrengungen im Beruf nicht ausreichend belohnt fühlen“, erklärt Ludger Geier von der DAK-Gesundheit. „Dadurch verdoppelt sich bei den Betroffenen das Risiko für eine schwere Herzerkrankung.“ Während bundesweit vor allem Facharbeiter und Arbeiter an dieser Krise leiden, sind Selbstständige und Freiberufler nur selten betroffen.

Bei der Belohung spielen vor allem das Gehalt, die Anerkennung durch Vorgesetzte und ein sicherer Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Als Belastungen werden Zeitdruck, Störungen und vermehrtes Arbeitsvolumen genannt. Sind erlebte Belastungen und Belohnungen nicht mehr ausgeglichen, sprechen Experten von „Gratifikationskrise“. Jeder zweite Betroffene schätzt auch seinen Gesundheitszustand als schlechter ein. Tatsächlich leiden die Personen häufiger unter Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit.


Betriebliches Gesundheitsmanagement nutzen

„Obwohl diese sehr gestressten Arbeitnehmer ihr erhöhtes Gefährdungspotential kennen, kümmern sie sich nicht stärker um ihre Gesundheit“, betont Geier. „Hier sollten Unternehmen mit ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement ansetzen, um die Betroffenen zu unterstützen.“ Die DAK-Gesundheit empfiehlt Arbeitnehmern außerdem neue Internetangebote zur Entspannung und zur besseren Bewältigung des Alltags. Informationen gibt es in jedem Servicezentrum der Krankenkasse oder unter www.dak.de

Die DAK-Gesundheit hat rund 830.000 Versicherte im Land Baden-Württemberg, davon rund 10.000 im Landkreis Neckar-Odenwald.

Der Gesundheitsreport der DAK zum Download:

Gesundheitsreport 2012 DAK.pdf

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