Stolpersteine sollen zu Bausteinen werden

Berufsvorbereitende Einrichtung BVE

Stolpersteine werden zu Bausteinen

(Foto: LRA)

Mosbach. Das Recht auf Teilhabe von Menschen mit ‚Behinderungen ist ein zentrales Menschenrecht.  Dies ist unter anderem in einer UN-Konvention niedergeschrieben. Da heißt es zum Beispiel im Artikel 27: Menschen mit einer Behinderung haben das Recht auf die Möglichkeit, ihren eigenen Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen.

Die Realität sieht leider viel zu oft anders aus. „Hier braucht es zielgerichtete Unterstützung“, betonte Landrat Dr. Achim Brötel, einer der Unterzeichner einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Johannesbergschule der Johannes-Diakonie Mosbach und der Augusta-Bender-Schule Mosbach, die genau diese Unterstützung gewährleisten will.

Tatsächlich bestehen für viele Sonder- und Förderschüler beim Übergang von der Schule in das Arbeitsleben oftmals besonders hohe, für viel sogar leider zu hohe Hürden. Der Weg in die Werkstätten für Behinderte scheint oft vorgezeichnet. Hier will die Kooperation ansetzen.


Ihr Inhalt ist die Installation einer Berufsvorbereitenden Einrichtung (BVE) an der Augusta-Bender-Schule in Mosbach, einer Schule in Trägerschaft des Landkreises. Im Vorfeld hatte der Kreistag im Mai einstimmig der Einrichtung zugestimmt. Federführende Schule bleibt die Johannesberg-Schule der Johannes-Diakonie, eine private Sonderschule für Geistig- und Körperbehinderte. Die BVE ist also ein Gemeinschaftsangebot von Sonderschulen und Beruflichen Schulen und hat zum Ziel, jungen Menschen mit wesentlichen Behinderungen entsprechend ihren Neigungen und Kompetenzen durch frühzeitige und umfassende Förderung inklusive Beschäftigungsverhältnisse (Praktika) am allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Außer der Johannesbergschule sind noch weitere Förder- und Sonderschulen beteiligt: die Hardbergschule Mosbach, die Gebrüder-Grimm-Schule Aglasterhausen-Daudenzell, die Sonderberufsfachschule des Berufsbildungswerks Mosbach und die Meister-Eckehart-Schule Buchen. Sie alle können Schülerinnen und Schüler ins BVE an die Augusta-Bender-Schule schicken, wo in zwei, unter Umständen auch drei Jahren mit bis zu 34 Wochenstunden und  in drei Phasen schrittweise die Hinführung an die gesellschaftliche Realität bzw. die Realität auf dem Arbeitsmarkt gelingen soll. Zunächst gilt es, Talente zu entdecken und Betriebe sowie deren Arbeitsfelder zu erkunden. Danach steht die Erprobung auch durch längere Praktika an und der Erwerb von Schlüsselqualifikationen. Bei der Eingliederung schließlich soll ein Arbeitsplatz gefunden werden und die Abnabelung vom System Schule gelingen.

Ehrgeizige Ziele, die nach übereinstimmender Ansicht aller Unterzeichner gelingen können, wenn alle Beteiligten eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Tatsächlich sind mit der Agentur für Arbeit, dem Integrationsfachdienst, dem Neckar-Odenwald-Kreis, der Johannes-Diakonie und dem Kommunalverband für Jugend und Soziales noch weitere kompetente Partner mit an Bord.

Sie alle hatten Vertreter geschickt, die die Kooperationsvereinbarung unterzeichneten. Vorab betonten Birgit Bader, die Schulleiterin der Augusta-Bender-Schule und Jörg Huber, Vorstand der Johannes-Diakonie, die Notwendigkeit und den Stellenwert der BVE, aber auch die Komplexität, die – so Schulleiterin Bader – schon im Vorfeld für einige „Stolpersteine“ gesorgt hätten.


Jörg Huber erklärte, dass man hier an einer Vision arbeite: „Menschen mit Einschränkungen sollen zunehmend in ein gesellschaftliches Leben mit all seinen Facetten integriert werden; das soll keine Besonderheit mehr darstellen, sondern zur Normalität werden.“ Er nannte allerdings auch die Voraussetzungen, die junge Menschen mitbringen müssten, wenn die BVE erfolgreich durchlaufen werden soll: Motivation, Leistungsbereitschaft, realistische Selbsteinschätzung und Mobilität beispielsweise.

Dr. Ulrike Kagerhuber vom Referat Berufliche Schulen am Regierungspräsidium Karlsruhe betonte, wie viel auch die Lehrkräfte profitieren könnten und stellte fest, dass, wenn in Kürze voraussichtlich auch an der Buchener Alois-Wissmann-Schule ein BVE eingerichtet sei, schon ein Jahr vor dem politisch gesetzten Ziel ein diesbezüglich flächendeckendes Angebot vorgehalten würde. Landrat Dr. Brötel schließlich münzte die von Schulleiterin Bader erwähnten Stolpersteine um in Bausteine: Bausteine auf dem Weg zur Inklusion.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: