Gemeinderat war im Wald unterwegs

500 Waldbegehung

Forstdirektor (2.v.re.) Dietmar Hellmann und Revierleiter Ralf Becker (li.) erläutern die Vereinbarkeit von Waldbewirtschaftung und Naturschutz. Hierfür schlagen sie die Ausweisung von Habitatbaumgruppen mit bis zu 15 Bäumen, Altholzinseln und Waldrefugien vor. Bürgermeister Klaus Schölch (re.) will dieses Thema im Gemeinderat diskutieren. (Foto: Hofherr)

Waldbrunn. (hof) Zur traditionellen Waldbegehung des Gemeinderats Waldbrunn konnte Bürgermeister Klaus Schölch gestern nicht nur die Kommunalpolitiker der drei Fraktionen sondern auch Forstdirektor Dietmar Hellmann, Revierleiter Ralf Becker und Vertreter der Jagdpächter vorm Rathaus in Strümpfelbrunn begrüßen.

Nach wenigen einführenden Worten ging es per Gemeindebus zum ersten Ziel auf Gemarkung des Ortsteils Mülben. Dort erläuterten Forstdirektor Dietmar Hellmann und Revierleiter Ralf Becker die Zertifizierung des Walds nach PEFC. Dabei handelt es sich um ein transparentes System, mit dem nachhaltige Waldbewirtschaftung sichergestellt werden soll. Immer mehr Holzaufkäufer bestehen auf einer solchen Zertifizierung des Holzes. Anhand von Stichproben werde kontrolliert, dass die Richtlinien von den Waldbesitzern auch eingehalten werden, erläutert Hellmann. Auf dem Waldstück zwischen Mülben und Weisbach habe eine Begehung einen Verstoß gegen das Verbot des Einsatzes von Herbiziden offenbart. Ein Elektrozaun, den ein Jagdpächter zum Schutz vor Wildschäden errichtet hatte, war mittels des Einsatzes von chemischen Mitteln von Pflanzen freigehalten worden. Dank der Vermittlung zwischen Waldbesitzer und Jagdpächter habe man erreicht, dass der Herbizid-Einsatz künftig unterbleibt, sodass die PEFC-Zertifizierung nicht gefährdet wird.


Weiter ging es nach Oberdielbach, wo ein Fichtenwald von Rotwildverbiss massiv geschädigt wurde. Hier sei es von großer Bedeutung, dass Waldbesitzer und Jagdpächter miteinander reden. So könne man konstruktive Lösungen finden, die allen Interessen gerecht werden, stellten Hellmann und Becker dar. Im Rahmen eines Ortstermins hatte Revierleiter Becker sogenannte „Zukunftsbäume“ markiert, also solche Fichten, von denen große Wertzuwächse zu erwarten sind, die anschließend auf Kosten den Jagdpächters mittels Kunstfasernetze vor Verbiss geschützt wurden.

Ein paar Schritte weiter hatte Ralf Becker in einer Buche eine Großhöhle entdeckt, die von Spechten bewohnt wird. Solche Bäume dürfen im Rahmen der Waldbewirtschaftung nicht gefällt werden, hob Forstdirektor Hellmann hervor. Auch auf andere schützenswerte Arten müsse man bei der Holzernte Rücksicht nehmen. Um in diesem Spannungsfeld von wirtschaftlichem Ertrag und Naturschutz auf der sicheren Seite zu sein, habe man vonseiten der Landesforstverwaltung ein Konzept zum Artenschutz erstellt. Demnach weise man durch Flächenstilllegung sogenannte Habitatbaumgruppen und Altholzinseln aus, in denen besonders geschützte Tier- und Insektenarten ungestört leben können. Im Waldbrunner Gemeindewald habe man in den vergangenen Monaten insgesamt 12 dieser Altholzinseln ermittelt, die insgesamt knapp 10 Hektar Fläche umfassen. Durch die Verbindung beider Möglichkeiten könne man sogar Waldrefugien schaffen, die der Gemeinde Punkte aufs Ökokonto bringen, stellte Hellmann den Nutzen solcher Maßnahmen heraus. Bürgermeister Klaus Schölch sagte zu, dass man sich in einer der nächsten Sitzungen im Gemeinderat mit diesem Thema befassen werde.


Den Abschluss machte die Besichtigung mehrere Waldgrundstücke, die der Gemeinde von privater Seite zum Kauf angeboten wurden. Derzeit wird der wert dieser Flurstücke ermittelt, sodass man erst später über einen möglichen Kauf entscheiden könne, so das Gemeindeoberhaupt. Die Forstleute Hellmann und Becker sprachen sich allerdings vorbehaltlos dafür aus, die angebotenen Grundstücke nicht nur im Hinblick auf einen Wertzuwachs für die Gemeinde zu erwerben.

Nachdem alle Fragen beantwortet waren, ging es in den Höllgrund, wo im Landgasthaus Mühle weitere Diskussionen geführt, aber auch ein stärkendes Vesper eingenommen wurde.

Infos im Internet:

http://www.waldwissen.net/wald/naturschutz/arten/fva_alt_totholzkonzept_forstbw/index_DE

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