85 Jahre St. Josef Donebach

85 Jahre St Josef Donebach

(Foto: Simone Schölch)

Donebach. (sis) Den kräftigen Regen, der die Gottesdienstbesucher am Sonntagmorgen schneller als sonst in die trockene Kirche eilen ließ, nannte Pfarrgemeinderat Erwin Brenneis, unermüdlicher Motor in der Filialgemeinde Donebach mit Mörschenhardt und Ünglert, „Freudentränen unserer Vorfahren“. Freudentränen darüber, wie gut die dem Heiligen Josef geweihte Kirche auch im 85. Jahr ihres Bestehens da steht. Denn das Gotteshaus war 1927/1928 unter großen Opfern und mit viel Eigenleistung der Bevölkerung erbaut worden.

Anlässlich des halbrunden Jubiläums hatte die Filialgemeinde zum Pfarrfest eingeladen. Das sei ein Wunsch von Pfarrer Werner Bier gewesen, verriet Brenneis später. Zuvor aber war in der vollbesetzten Kirche – erfreuliche viele Gäste aus der gesamten Seelsorgeeinheit waren nach Donebach gekommen – ein stimmungsvoller Festgottesdienst gefeiert worden. Pfarrer Bier stellte in seiner Predigt die Kirche als Haus Gottes in den Mittelpunkt, in dem Jesus Christus als „Eckstein“ das Fundament bilde: „Josef hat diesen Eckstein beachtet und Maria, als sie schwanger war, nicht verstossen.

Solche Ecksteine werden heute von vielen abgelehnt. Aber in der Gestalt von Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit und Frieden sind sie alles, was Leben ausmacht, sind sie Grundsteine menschlichen Lebens.“ Das Mosaik des heiligen Josef,  das von Karlheinz Gräber in rund 175 Arbeitsstunden geschaffen wurde und im Vorfeld des Jubiläums am Kircheneingang angebracht wurde, sei ein Sinnbild der Gemeinde: „Jedes noch so kleine Teil ist wichtig und hat seinen Platz.“


Erwin Brenneis listete im Anschluss die Renovierungsarbeiten an den Fenstern, der Treppe und den Außenanlagen auf, deren Kosten sich auf rund 60.000 Euro belaufen. Er dankte allen, die sich daran mitgearbeitet haben, den Spendern, dem langjährigen Mesnerehepaar Frank und ganz besonders Karlheinz Gräber für das eindrucksvolle Mosaik sowie Franz Brenneis für die Erstellung einer Chronik der Kirche. „Wir wollen gemeinsam so weiter machen und die Kirche im Blickfeld behalten“, waren Brenneis´ Schlussworte, bevor Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger für die politische Gemeinde sprach.

Den gebürtigen Donebacher verbinden sehr persönliche Erinnerungen mit dem Gotteshaus, in dem er selbst viele Jahre als Ministrant gedient hat: „Die Kirche ist nach wie vor Anlaufstelle für die Menschen bei wichtigen Ereignissen, aber auch im täglichen Leben. Deshalb müssen wir sie als Ort der Einkehr und der Besinnung hochhalten.“ Clemens Herkert schließlich gratulierte als Pfarrgemeinderatsvorsitzender zur gelungenen Renovierung und dankte insbesondere Erwin Brenneis für dessen unermüdliches Engagement.

Mittlerweile waren auch die „Freudentränen“ versiegt; sogar die Sonne kam hervor, als Pfarrer Werner Bier das Mosaik vor dem Eingangsportal weihte. Zu den Klängen der Schloßauer Musikanten, die schon den Gottesdienst mit einer bemerkenswerter Musikauswahl wunderschön umrahmt hatten, zogen die Gottesdienstbesucher dann ins Sportheim, wo neben dem Frühschoppen ein Mittagessen, Kaffee und Kuchen und ein kleines Unterhaltungsprogramm auf die Gäste wartete, unter anderem mit Kindern des Kindergartens Mudau und mit dem musikalischen Duo Dominik Allgaier und Vanessa Weber.


Chronik der Donebacher Kirche St. Josef

Ortsvorsteher Franz Brenneis ist ein intimer Kenner der Donebacher Heimatgeschichte. Er hat nun anlässlich des 85-jährigen Bestehens der Kirche St. Josef eine kleine Chronik zusammen gestellt, die beim Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Clemens Herkert und im Pfarrbüro Mudau für einen kleinen Kostenbeitrag zu haben ist.

Die Chronik erzählt, unter welch großen Opfern die Donebacher Bevölkerung ihr lang ersehntes Gotteshaus in den Jahren 1927/1928 erbaut hat. Schon im Jahr 1898 war ein Kapellenfond mit Grundvermögen eingerichtet worden. 40.000 Mark – damals ein großes Vermögen – gingen durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation fast gänzlich verloren. Weil die überwiegend arme Bevölkerung in einer schwierigen wirtschaftlichen Zeit nicht in der Lage war, durch neue Sammlungen die nötigen Gelder aufzubringen, beschlossen die politischen Gemeinden Dumbach und Mörschenhardt, die Kirche auf Gemeindekosten zu erstellen.

Mit der herbei gesehnten Umbenennung von Dumbach in Donebach  (1925/1926) nahmen dann auch die Bauarbeiten vielen Widrigkeiten und Genehmigungsproblemen zum trotz konkrete Gestalt an. Der Mudauer Pfarrer Alfons Nörber hat sich hier sehr engagiert. In einer heute schier unvorstellbaren Gemeinschaftsleistung der Donebacher, Mörschenhardter und Ünglerter Bevölkerung, von Frauen und Männern, entstand schließlich der Rohbau im sogenannten „Weinbrennerstil“ für rund 60.000 Mark. Die bunten bleiverglasten Kirchenfenster wurden allesamt von Familien oder Einzelpersonen finanziert. Am Weihetag am 18. Juni 1929 wurde auch die erste und einzige Firmung in Donebach gefeiert.

Die Schulden der politischen Gemeinde freilich waren immens: Noch 1940 beliefen sie sich auf 45.000 Reichsmark. Schon 1955/56 veranlasste Pfarrer Otto Ackermann erste Renovierungsarbeiten und in den 70er Jahren mussten unter Pfarrer Albert Eckert erneut 300.000 DM in die Hand genommen werden, um das Mauerwerk zu sanieren, neue Fenster  – vom bekannten Karlsruher Künstler Emil Wachter gestaltet – und eine Fußbodenheizung zu installieren.

Dabei wurde auch die barocke Kanzel entfernt und der Chorraum umgestaltet. 1989 konnte eine  neue Orgel eingeweiht werden. Die letzte große Renovierungsmaßnahme stand 1997, damals unter Pfarrer Andreas Rapp, an. Und immer leistete die Bevölkerung ihren Beitrag, damit ihre Kirche so erhalten bleibt, wie es sich ihre Erbauer gewünscht hätten.  


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