Großeicholzheim auf der Suche nach Heimat

von Liane Merkle

1 500 Heimattage Grosseicholzheim

Ein Teil der „Ehemaligen“ vor dem Museum. (Foto: Liane Merkle)

Großeicholzheim. Vermutlich gibt es mindestens so viele Definitionen von „Heimat“ wie es Menschen gibt. Nach Harald Hurst „ist Heimat dort, wo aim d‘Leut so gut verstehe, dass mer manchmol scho beim Schwätze merkt, ‚s wär‘ besser gwä, mer hätt’s Maul ghalte“.

Doch eigentlich ist die Definition eine sehr persönliche Sache. Denn jeder Mensch hat sein eigenes Heimatgefühl. Die einen für einen bestimmten Ort, die nächsten dort, wo ihr Herz ist und den dritten ist die geistige Heimat vorrangig, wobei auch diese mit mehreren Orten verbunden sein kann. Deutlich machte dies Pfarrer Ingolf Stromberger im Rahmen des ersten Großeicholzheimer Heimattages, zu dem die fast vollständig angereisten Schuljahrgänge 1924 bis 1936 auf Einladung von Walter Winkler vom Verein Großeicholzheim und seine Geschichte mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Laurentiuskirche begrüßt wurden. Die Predigt sprach die genauso an, die – aus welchem Grund auch immer – ihre Heimat verlassen und eine neue finden mussten wie jene, die ihnen Gastfreundschaft gewähren sollen.

Ingolf Stromberger kam zu dem Fazit, dass Heimat ein Netz von Orten, Erfahrungen und Erlebnissen ist. Das gelte auch für die geistige Heimat, in der Jesus einen auffängt, Gemeinde unabhängig von der Konfession so wichtig ist und wo man seine Zukunft findet an einem Ort, den Gott uns bereitet habe. Und dann wurden an die Gottesdienstbesucher Münzen verteilt – nicht eingesammelt – und so die Kurzfassung von „Hans im Glück“ durch Diakon Manfred Glittenberger vorgelesen und von Ingolf Stromberger kommentiert und verdeutlicht, dass Glück ebenso wie Heimat nichts mit Reichtümern zu tun hat, sondern damit, der Sehnsucht nach Zuhause nachzugeben, wo man sich am leichtesten selbst finden kann. So wie der Hans im Glück im Spiegelbild des Brunnens praktisch vor der Haustür seiner Mutter.




Nach dem Gottesdienst folgte in der einladend herbstlich geschmückten Tenne die „weltliche“ Begrüßung der Gäste und Ehrengäste durch Günter Schmitt-Haber als 1. Vorsitzenden des GusG, der nicht nur einen kurzen Abriss über die Historie des Vereins seit seiner Gründung im Jahr 2003 gab, sondern gleich noch die umfangreiche und mit unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden durchgeführte Sanierung des Wasserschlosses erläuterte.

Sein besonderer Willkommensgruß und Dank galt neben dem Bürgermeister Thomas Ludwig, Ortsvorsteher Reinhold Rapp, Tenne-Managerin Anke Rapp, Rektorin Gabriele Wurm-Bussemer und Gründungsvorsitzenden Erich Frankenbach vor allem Erika Klein als älteste Ehemalige und Willi Sigrist, der als weitest angereister Ehemaliger aus Kanada gekommen war. Weiter machte er auf die beiden Sonderausstellungen im Bürgersaal des Wasserschlosses und in der Grund- und Hauptschule nebenan aufmerksam, wo zum einen alte „Klassenbilder“ und zum anderen wandelnde Ortsansichten mit Berufssparten, Landschaftsbildern und Ansichtskarten  vom 20. bis zum 21. Jahrhundert zu bewundern waren.

In Gruppen aufgeteilt konnten diese Ausstellungen und gut bestückte Museum im Wasserschloss unter der Führung von Günter Schmitt Haber, Helmut Kegelmann und Walter Winkler besichtigt werden, was die Gäste mit großer Begeisterung annahmen. Bürgermeister Ludwig lobte die Initiative der GusG für deren unzählige Veranstaltungsideen, zu denen auch dieser besondere Heimattag am bundesweiten „Tag der Heimat und des offenen Denkmals“ gehöre.

Des Weiteren fand seine Achtung  der besondere Gemeinschaftssinn in Großeicholzheim, dem durch mustergültiges Engagement die Sanierung dieses Wasserschlosses und damit ein attraktiver  Versammlungsort, ein tolles Heimatmuseum und die ansprechende Bewahrung der örtlichen Geschichte zu verdanken sei.

500 Heimattage Grosseicholzheim

Bürgermeister Thomas Ludwig und Günter Schmitt-Haber. (Foto: Liane Merkle)

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