Wirtschaftslage ist noch gut, aber uneinheitlich

Erwartungen sind pessimistischer – Fachkräftemangel zieht sich immer stärker durch alle Branchen

Rhein-Neckar. Die Wirtschaft in der Region der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar blickt mit gemischten Gefühlen auf das letzte Quartal dieses Jahres. „Noch sind Auftragslage und Stimmung in fast allen Branchen gut, man weiß aber nicht wohin der Weg führt“, fasste IHK-Präsident Dr. Gerhard Vogel die Aussprache zur Wirtschaftslage im Rahmen der IHK-Vollversammlung zusammen. Der Handel zeigt sich noch zufrieden mit den Umsätzen und profitiert weiter von der guten Lage am Arbeitsmarkt, erwartet aber sinkende Umsätze.

Unternehmensnahe Dienstleiter, vor allem die IT-Branche,  sehen noch kein Ende der guten konjunkturellen Lage. Hier profitiert besonders das Beratungsgeschäft, im IT-Handel lässt die Dynamik aber auch nach. Industrie und Investitionsgüterhersteller hängen meist davon ab, wie ihre jeweiligen Exportmärkte laufen. „Hier zeigt sich wieder, wie robust die regionale Wirtschaft aufgestellt ist“, erläuterte Vogel. Wie schon in der Krise 2008/2009 sorgt deren breite Produktpalette genauso wie das große Engagement auf fast allen Weltmärkten für eine stabile Wirtschaftslage.

„Das belegt auch der Zuwachs an außenwirtschaftlichen Bescheinigungen zur Ausfuhr von Waren in alle Welt. Hier haben wir ein Plus von vier Prozent im ersten Halbjahr 2012 gegenüber 2011 zu verzeichnen“, sagte Vogel. Große bereits angeschobene Projekte laufen in der Industrie sehr gut, der Energiesektor stellt sich auch international zunehmend als Treiber der Entwicklung heraus. „Zukunftsinvestitionen werden jedoch verhalten angegangen, weil sich die Firmen weiter nicht darüber im Klaren sind, wie sich Euro- und Finanzkrise sowie die wirtschaftlichen Probleme in einigen europäischen Staaten auf ihr Geschäft auswirken werden. Das Fahren auf Sicht wird wohl zum Dauerzustand“ befürchtet Vogel, „ein klarer Trend in die ein oder andere Richtung ist deshalb nicht zu erkennen.“




Die IHK rechnet deshalb mit einem stabilen Niveau für das letzte Quartal, jedoch mit Ausgleichsbewegungen innerhalb der Branchen. So kämpft beispielsweise die Logistikbranche mit weiter steigenden Kosten durch Mautgebühren und Benzinpreise. Uneinheitlich zeigt sich auch das Bild in der Immobilienwirtschaft. Der Verkauf läuft sehr gut, da viele Anleger aufgrund der niedrigen Zinsen weiter ihr Geld in Immobilien anlegen. Der Markt für Mieten gibt vor allem aufgrund des Abzuges der Amerikaner in Mannheim und der Region jedoch langsam nach. Hier werden sinkende Mieten vor allem in größeren Objekten erwartet.

„Einheitlich ist  das Bild quer durch alle Branchen leider nur beim Thema Fachkräftemangel“, sagte Vogel. Dieser wird zunehmend zu einem Wachstumshindernis. Allerdings auch in unterschiedlicher Intensität.  Kraftfahrer seien beispielsweise heute kaum mehr zu finden. Fast alle Firmen steigern ihre Bemühungen, um Fachkräfte, Spezialisten und Auszubildende für sich zu gewinnen. Dem trägt die IHK Rhein-Neckar mit einem neuen Modellprojekt das die Vollversammlung beschlossen hat, Rechnung. Hier sollen junge Erwachsene, zunächst aus Spanien, für eine Ausbildung in Heidelberger Unternehmen gewonnen werden.  

Die Auslandshandelskammer (AHK) Spanien übernimmt als Partner vor Ort das Recruiting geeigneter Bewerber sowie den Deutschkurs. Im Frühjahr 2013 sollen die Bewerber dann ein dreimonatiges Praktikum bei den Unternehmen absolvieren. Danach könnte die beiderseitige Entscheidung für einen Ausbildungsplatz folgen. Mehrere Unternehmen arbeiten mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Heidelberg, der Agentur für Arbeit, der Heidelberger Dienste gGmbh sowie der Kreishandwerkerschaft zusammen. „Wir sind gespannt auf den Erfolg dieses Modellprojektes und können uns dann auch weitere vorstellen,“ sagte Vogel .

 

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