Jusos diskutieren Trennung von Staat und Kirche

Walldürn. Viele Mitglieder, aber auch zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten am vergangenen Samstag der Einladung der Jusos Neckar-Odenwald ins alte Rathaus in Walldürn zu einer Podiumsdiskussion. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage nach einer strikteren Trennung von Staat und Kirche.

Nils Opitz-Leifheit war als Vertreter der Laizisten in der SPD geladen, die sich klar für eine Trennung aussprechen, während Kreisrätin Dr. Dorothee Schlegel die Christen in der SPD vertrat. Die von den beiden Jusos Kai Gräf und Laura Rottermann moderierte Diskussion erwies sich allerdings als weniger kontrovers wie erwartet: Die Religionspädagogin Schlegel wies zwar darauf hin, dass Religion und die Bibel gerade als Stütze und Wertmaßstab für viele Menschen unverzichtbar sei, stimmte allerdings mit Opitz-Leifheit darin überein, dass religiöse (und vor allem christliche) Institutionen nicht unbedingt vom Staat finanziert werden müssten.




Opitz-Leifheit hütete sich davor, der Religion ihren Wert abzusprechen, belegte aber dennoch anhand von Zahlen und Beispielen, dass die in Deutschland eigentlich selbstverständliche Trennung von Kirche und Staat keineswegs so strikt ist, wie sie sein sollte. Er merkte nicht nur an, dass die Kirchensteuer der christlichen Kirchen vom Staat eingezogen würde, sondern wies auch darauf hin, dass beispielsweise Militärseelsorger ihr Gehalt aus der Staatskasse finanziert bekommen, genauso, wie christliche Kindergärten größtenteils vom Staat finanziert werden.

Vor allem sei in vielen Gegenden nicht einmal gewährleistet, dass Eltern ihre Kinder in einen nicht-religiösen Kindergarten bringen können. Damit, so Opitz-Leifheit, ignoriere man nicht nur die wachsende Anzahl der Konfessionslosen in Deutschland, sondern auch die Angehörigen anderer Religionen wie beispielsweise des Islams oder des Judentums. Schlegel fügte hinzu, dass auf jeden Fall flächendeckend Alternativen zum gut funktionierenden christlichen Religionsunterricht in deutschen Schulen eingeführt werden müssten.

Abschließend kamen beide zu dem Ergebnis, dass Religion als etwas, dass „innerlich“ stattfindet, nicht vom Staat propagiert und finanziert werden muss – vor allem dann nicht, wenn diese staatliche Bevorzugung nur einer bestimmten Religion zuteil wird. 

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