„Willy war eine Ikone der Jugend“

SPD-Ausstellung zur Erinnerung an die Besuche Brandts in der Region – Zeitzeugen gaben Einblicke in ihre Gefühlswelt

Tessmer Schlegel

Mit Sachkenntnis und Routine moderierte Kreisrätin Dr. Dorothee Schlegel die Diskussion mit den Zeitzeugen. Das Foto zeigt Dorothee Schlegel mit dem früheren SPD-Landtagsabgeordneten Gerd Teßmer, der damals schon im SPD-Kreisvorstand war. (Foto: R. Weidlich)

Mosbach. (rnz) Zum 20. Mal jährte sich am Montag der Todestag von Willy Brandt. Die Kreis-SPD ehrt den ehemaligen Bundeskanzler mit einer Ausstellung in ihrem Parteibüro. Zusammen mit Rainer Schäfer und Gerd Teßmer hatte Kenneth Weidlich die Ausstellung zusammengestellt. Weidlich führte auch in die verschiedenen Ausstellungsschwerpunkte ein.

Es ist ein Abend des Gedenkens an einen besonderen Mann. Ein Abend, an dem die Emotionen mitunter so groß sind, dass der eine oder andere schlucken muss. Anlass ist die Eröffnung einer Ausstellung zur Erinnerung an die Besuche des langjährigen SPD-Bundesvorsitzenden und ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt im Neckar-Odenwald-Kreis im SPD-Parteibüro, und das platzte am Montagabend aus allen Nähten.




So groß war die Resonanz. „Diese Ausstellung soll an diese Tageerinnern“, unterstrich Kreisvorstandsmitglied und Initiator Kenneth Weidlich in seiner bewegenden Begrüßungsrede, inder an die Verdienste der Bundesregierung unter Willy Brandt erinnerte. So werde man mit ihm immer die Ostpolitik, „die auf Abrüstung zielte“, den Kniefall in Warschau und „den deutsch-deutschen Dialog mit den eindringlichen Bildern vom Fenster in Erfurt“ verbinden. Seine Entspannungspolitik sei eine Voraussetzung für die deutsche Wiedervereinigung gewesen, sagte Kenneth Weidlich, der in über 100 Stunden detaillierter Arbeit und Recherche die Ausstellung u.a. mit 105 Zitaten des Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt gestaltete.

Der ehemalige Bundeskanzler verstarb am 8. Oktober 1992 im Alter von 78 Jahren in seinem Haus bei Bonn in Unkel am Rhein. Auf den Tag genau 20 Jahre später ehrte die Kreis-SPD Willy Brandt mit der Eröffnung dieser Ausstellung. „Sein Nimbus ist ungebrochen“, urteilte Kenneth Weidlich und bezeichnete „Willy“ als „die Ikone der Jugend, des Aufbruchs und der Sozialdemokratie“.

Die Ausstellung erinnert an die beiden Besuche Brandts in der Region. Im März 1976 hielt der Friedensnobelpreisträger eine Rede in der „überfüllten“ Obrigheimer Neckarhalle. Darüber hinaus beehrte der ehemalige Bundeskanzler an „einem warmen Augusttag“ des Jahres 1976 Dallau, wie sich der frühere Landtagsabgeordnete und langjährige SPD-Kreisvorsitzende Gerd Teßmer noch genau erinnerte. „Über 4000 Menschen kamen, um Willy Brandt persönlich zu erleben“, sagte Teßmer bewegt im Rahmen eines Zeitzeugengespräches. In einer eindringlichen und spannenden Diskussion, die fachkundig von Kreisrätin Dr. Dorothee Schlegel moderiert wurde, gewährten die beiden Zeitzeugen, Stadtrat Hartmut Landhäußer und Gerd Teßmer, Einblicke in ihre damalige Gefühlswelt. Er sei nicht der Einzige gewesen, der bei Brandts Besuch in Dallau „leichte Tränen vor Glück“ in den Augen gehabt hätte, beschrieb Teßmer seine damaligen Emotionen. „Schon Tage vor dem Besuch“ sei eine „große Aufregung in der Familie“ spürbar gewesen, sagte Hartmut Landhäußer.
„Willy Brandt hat uns mitgerissen“, fasste Teßmer die innerliche Begeisterung für den ehemaligen Bundeskanzler zusammen.


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Besonders das häufig wiederholte Zitat von Brandt: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ prägte das Leben der beiden Zeitzeugen. Für den in Ostpreußen geborenen Teßmer war die Ost- und Entspannungspolitik ein wesentlicher Grund – abgesehen von sozialen Motiven– für den SPD-Beitritt. Hartmut Landhäußer gestaltete nach diesem Zitat sein berufliches, politisches und privates Leben. Das „Zuhören“ und erst dann eine Entscheidung zu treffen, wären für Landhäußer „die höchste Maxime“.

Bei dieser feierlichen Gelegenheit war es Hartmut Landhäußer auch ein Herzensanliegen, Gerd Teßmer seine große Anerkennung zu zollen: „Uns hast Du genauso motiviert wie es Willy Brandt tat“. Sichtlich bewegt davon, betonte Teßmer: „Wir wollen als SPD nur Gutes für die Menschen tun“.

Von der bis 07. Dezember geöffneten Ausstellung zeigte sich auch MdL Georg Nelius begeistert und hob die großen Verdienste Brandts von der Sozialgesetzgebung bis hin zur Ostpolitik hervor. 

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