Handwerk – zwischen Hightech und Museum

Eberbach. (pm) „Baden-Württemberg ist das Land der Tüftler und Erfinder. Und ich möchte hier aufzeigen, wie wichtig es ist, erfolgreich den technischen Wandel zu nutzen, um zum Weltmarktführer in seiner Branche aufsteigen zu können.“ Mit diesen Worten begrüßte MdL Georg Nelius die Teilnehmer, die er zu einer Exkursion nach Eberbach eingeladen hatte.

Helmut Empacher, Enkel des Firmengründers, erlaubte Einblicke in seinen Betrieb, der 1923 in Königsberg/Ostpreußen als Werft für Segelyachten gegründet wurde, und der heute die erste Adresse im Regattaruderbootbau ist. Unzählige Sportler konnten mit den zumeist leuchtend gelben Empacher-Booten Triumphe feiern.

Helmut Empacher, der zusammen mit seinem Bruder Hans die Geschäfte führt, wirkte als Wirtschaftsingenieur beim Technologiekonzern MBB an High-Tech-Projekten mit, bevor er in den elterlichen Betrieb wechselte. In seiner interessanten Einführung kam zur Sprache, dass modernste Fertigungsverfahren aus der Kunststofftechnik bei ihnen schon Anwendung finden, bevor sie in der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt werden. Helmut Empacher ging auch darauf ein, wie es zunehmend schwerer werde, die Vormachtstellung zu behaupten, da vor allem aus China neue Mitbewerber auf den Markt drängten – bisher allerdings noch ohne besondere Marktanteile zu halten. Herr Empacher zeigte weiter auf, dass es immer problematischer werde, Nachwuchs für das Team aus derzeit etwa 70 hochmotivierten Mitarbeitern zu finden, denn der Beruf des Bootsbauers erfordere immer seltener zu findende Kernkompetenzen.

Beim Rundgang durch die Fertigung staunten die Besucher über den vielfältigen Maschinenpark, mit dem hoch spezialisierte Fachkräfte aus neuzeitlichen Werkstoffen eine weitgefächerte Palette an High-Tech-Produkten herstellen. Für viele war es das erste Mal, dass sie beispielsweise die Produktion von glasfaserverstärkten oder in Verbundbauweise hergestellten Bauteilen erleben konnten.

„Ich freue mich, dass es dieses Unternehmen geschafft hat, sich von einem traditionellen Handwerksbetrieb hin zu einer zukunftsfähigen Technologieschmiede zu wandeln. Es macht mich auch ein bisschen stolz, wenn ich bei Sportübertragungen aus aller Welt in den gelben Bootsrümpfen einen guten Repräsentanten aus meiner Heimatregion wiedererkenne,“ so MdL Nelius beim Abschied.

Der nächste Besuchspunkt führte zu einer Firma, die den Sprung ins 21. Jahrhundert leider nicht geschafft hat – die 1911 gegründete Küferei Helm in der Eberbacher Altstadt. Der Enkel des Firmengründers, Werner Helm, führte durch die noch komplett eingerichtete Werkstatt und Obstkelterei seines Vaters, des letzten Küfermeister von Eberbach, Friedrich Helm. Bis 1987 war er dort tätig. Sehr anschaulich und unterhaltsam wurden die anspruchsvollen Arbeitsgänge bis zum fertigen Fass dargestellt. Ungeteilte Bewunderung fand das Highlight des ehemals rein handwerklichen Betriebs. Es ist der „Eberbacher Weinbrunnen“, ein handwerkliches Meisterstück das vom Können des Küfers zeugt. Bestaunt wurden die über hundertjährige noch betriebsfähige Bandsäge, die einzige Maschine zur Holzbearbeitung sowie die angegliederte Obstkelterei, die das Zusammenspiel von Fass und Inhalt demonstrierte. Heute ist die Küferei ein Museum, dass Herr Helm liebevoll betreut.

„Es macht mich nachdenklich“, so MdL Nelius, „dass hier eine große Handwerkskunst nur noch ein Nischen-Dasein fristen kann. Es sollte uns aber auch Mahnung sein, stets wachsam aktuelle Strömungen, Entwicklungen und Trends aufzunehmen. Nicht nur für die Unternehmer am Markt, sondern auch für jeden Einzelnen ist „lebenslanges Lernen“ noch nie von größerer Bedeutung gewesen.“




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