Kommunale Gesundheitskonferenz will AED

AED

Friederike Schäfer aus Waldmühlbach arbeitet in ihrem Garten. Dass sie ihr Leben nach einem Kreislaufstillstand im Jahr 2000 praktisch ohne Einschränkungen führen kann, verdankt sie der Ersten Hilfe durch ihren Ehemann und ihren Bruder – und einem Automatisierten Externen Defibrillator (AED). (Foto: LRA)

Mosbach. (lra) Noch läuft die Aktion. Aber bis zum 31. Oktober will man bei der im Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises angesiedelten Kommunalen Gesundheitskonferenz ein ehrgeiziges Ziel erreicht haben: Die möglichst flächendeckende Versorgung mit Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) nämlich. Diese sich selbst erklärenden Geräte können auch von Laien bedient werden und retten Leben, wenn es urplötzlich zu einem Kreislaufstillstand kommt – was gar nicht so selten passiert.

Wie bei Friederike Schäfer aus Billigheim-Waldmühlbach. Wer die heute 45-jährige Frau bei der Arbeit im Garten sieht, der kann nicht glauben, dass sie im Jahr 2000 – mit gerade mal 33 Jahren – nur mit ganz viel Glück und dank der Initiative ihres Mannes Michael und ihres Bruders Bernd überlebt hat. Auch wenn diese Geschichte, zum Erstaunen der Ärzte übrigens, gut gegangen ist: Mit einem Defibrillator hätte ihr damals sicherer und schneller geholfen werden können.

Zur Vorgeschichte: Eine übergangene Grippe hatte im Vorfeld eine Herzmuskelschwäche bei der eigentlich kerngesunden Friederike Schäfer verursacht. Als die endlich korrekt diagnostiziert und behandelt worden war und sich die Mutter zweier Söhne schon auf dem Weg der Besserung glaubt, passierte das Unglaubliche: Mitten im Gespräch mit ihrer Mutter sackte sie auf dem Sofa im eigenen Wohnzimmer zusammen. Der Puls war nicht mehr fühlbar, Schaum trat ihr vor den Mund. Ihr Mann und ihr Bruder, der zufällig anwesend war, taten instinktiv das Richtige: Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung im Verhältnis 30:2.




Die Hausärztin, die nach zehn Minuten eintraf, unterstützte sie. Der Notarzt schließlich schloss, weitere endlos lange Minuten später, einen Defibrillator ein. Der dadurch abgegebene Elektroschock regulierte endlich das Vorhofflimmern des Herzens, das den Kreislaufstillstand verursacht hatte. „Im Krankenhaus in Heidelberg hat man mir die Geschichte gar nicht glauben wollen“, erinnert sich Friederike Schäfer: „Denn so was geht nach den Aussagen der Ärzte dort selten gut aus. Wenn die Leute eine so lange Zeit ohne den Einsatz eines Defibrillators überleben, dann oft nur mit Gehirnschäden.“

Die Waldmühlbacherin hat keine Beeinträchtigungen zurück behalten. Ihr wurde noch in Heidelberg ein Defibrillator mit Herzschrittmacher eingesetzt, der regelmäßig überprüft bzw. ausgetauscht und dessen Chip ebenso regelmäßig „ausgelesen“ wird. „ Demnach ist der Defi nur einmal ausgelöst worden. Aber das war an Fastnacht, da war ich vielleicht ein bisschen zu wild“, erinnert sich Friederike Schäfer lächelnd.

Tatsächlich stirbt alle drei Minuten in Deutschland ein Mensch an einem plötzlichen Herzstillstand. Das sind mit jährlich 160.000 Toten 40-mal mehr Menschen, als bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen. Treffen kann es jeden, auch junge, durchtrainierte Menschen. „Deshalb wollen wir die AED´s möglichst flächendeckend so platzieren, dass an Orten, wo viele Leute zusammen kommen, auch Laien schnell Zugriff haben. Wir denken da an Sport- oder Mehrzweckhallen, Vereinsheime, Firmen oder Verwaltungen“, erklärt Landrat Dr. Achim Brötel: „Und deshalb bezuschussen wir aus Mitteln der Kommunalen Gesundheitskonferenz auch die Anschaffung von 35 Geräten mit je 300 Euro.“

Fachliche Unterstützung erhält man im Landratsamt von Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, Chefarzt der Neckar-Odenwald-Kliniken und Notfallmediziner. Er appelliert an jeden, die Geräte im Notfall auch zu benutzen. „Sie brauchen keine Angst haben, dass das Gerät nicht zuverlässig arbeitet. Folgen sie den Anweisungen, dann machen Sie automatisch alles richtig“, so der Mediziner, der sich und seine professionellen Kollegen bewusst in den Hintergrund stellte: „Wenn wir vor Ort sind und übernehmen, hängt die Überlebensrate der Patienten ganz entscheidend davon ab, was Ersthelfer vorab geleistet haben. Ein Kurs beim Deutschen Roten Kreuz in der Ersthilfe gibt hier Sicherheit und ist immer zu empfehlen. Es kann wirklich Leben retten.“

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Ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED, umgangsprachlich „Laiendefibrillator“) ist ein medizinisches Gerät zur Behandlung des Kammerflimmerns durch Abgabe von Stromstößen.

Kammerflimmern ist eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung und sehr oft die Ursache für einen plötzlichen Kreislaufstillstand. AED´s sind durch ihre Bau- und Funktionsweise besonders für Laienhelfer geeignet und erklären dem Helfer, wie er vorgehen muss.

Die Defibrillation ist die einzige erfolgversprechende Therapie des Kammerflimmerns. Je früher sie durchgeführt wird, umso höher sind die Erfolgschancen. Jede Minute ohne Defibrillation verringert die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Wiederbelebung um ca. 10 Prozent.

Die Zeit bis zur Verfügbarkeit eines Defibrillators muss durch Erste-Hilfe-Maßnahmen (Herz-Lungen-Wiederbelebung) überbrückt werden, um die Sauerstoffversorgung vor allem des Gehirns und des Herzmuskels aufrechtzuerhalten.

Noch ist der Neckar-Odenwald-Kreis weit von einer flächendeckenden Versorgung mit AED´s entfernt. Diese Geräte sollten insbesondere da zur Verfügung stehen, wo viele Menschen arbeiten oder zusammen kommen: in Betrieben, Verwaltungen, Fest- und Sporthallen, Vereinsheimen, Einkaufszentren u.ä.

Über die Kommunale Gesundheitskonferenz kann die Anschaffung eines Gerätes mit 300 Euro gefördert werden. Eine Förderung für 35 Geräte steht zur Verfügung. Geplant ist eine Sammelbestellung für die rund 1400,- Euro teuren Geräte (einschließlich Wandhalterung). Unverbindliche Informationen erteilt Christiane Bachert vom Landratsamt (Telefon 06261/84-1002, E-Mail christiane.bachert@neckar-odenwald-kreis.de ). Die Aktion läuft bis 31. Oktober 2012.

 

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