LEV soll artenreiche Kulturlandschaft retten

Matthias Jurgovsky

Der Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverband Matthias Jurgovsky. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) „Noch ein Verband? Wir haben doch schon genug Bürokraten!“ So oder so ähnlich war das Urteil vieler zu Beginn eines Prozesses, in dessen Verlauf ein Landschaftserhaltungsverband (LEV) gegründet wurde. Der LEV ist ein Zusammenschluss des Neckar-Odenwald-Kreises, seiner Städte und Gemeinden sowie von Landwirtschafts- und Naturschutzverbänden. Ein halbes Jahr später steht mit Dipl.-Ing. (FH) Matthias Jurgovsky aus Buchen der künftige Geschäftsführer des neuen LEV in den Startlöchern, um ab Januar 2013 den neuen Verband mit Leben zu erfüllen. Die Chancen stehen gut, dass Jurgovsky, der vor seinem Studium der Landespflege an der FH Weihenstephan eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner absolviert hat, die früheren Skeptiker vollends überzeugt und mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft mit all ihren Facetten – von Landschaftspflege über den Naturschutz bis hin zur Artenvielfalt –  bringt.

Zum Hintergrund: Wie viele andere Regionen auch besitzt der Neckar-Odenwald-Kreis eine artenreiche Kulturlandschaft, die nicht naturgegeben, sondern von Menschenhand durch die Rodung der ursprünglichen Waldflächen und eine individuelle Nutzung über viele Jahrhunderte hindurch geschaffen wurde. Die gilt es zu pflegen und damit zu erhalten, was gleichermaßen eine Aufgabe des Landkreises wie auch der Städte und Gemeinden ist. Seit Jahren nehmen die gesetzlichen Aufgaben – auch auf der EU-Schiene –  kontinuierlich zu, immer neue Programme werden aufgelegt, Schutzgebiete mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten werden ausgewiesen. Kurz: Die Aufgaben werden immer vielfältiger, die Umsetzung immer aufwändiger. Zusätzlich findet eine früher ganz selbstverständlich von Landwirten übernommene Pflege der Flächen so nicht mehr statt. Gerade für die Landwirtschaft unattraktive, an Artenvielfalt aber ungeheuer reiche „Randertragslagen“ wie nasse Wiesen,  trockene Lagen oder Steilhänge würden, wenn man sie sich selbst überlässt, von Gehölzen überwuchert. Irgendwann stünde dort wieder Wald – wie im frühen Mittelalter.  Die Vielfalt der Landschaftsbilder sowie deren Artenreichtum würden ungemein reduziert.  

Hier soll der LEV ansetzen und sich insbesondere an der Organisation, der Koordination und der Umsetzung von erforderlichen Erhaltungs-, Entwicklungs-, Extensivierungs- und Pflegemaßnahmen sowie an Artenschutzmaßnahmen und Biotopvernetzungskonzepten beteiligen und Fördermittel akquirieren. Die Zeit ist günstig, denn auch die Einrichtung von LEV´s – derzeit gibt es sechs, unter anderem im Main-Tauber-Kreis – wird in Baden-Württemberg finanziell gefördert.

Matthias Jurgovsky kennt sich aus mit der Materie. Nach mehreren Stationen in freien Planungsbüros übernahm der verheiratete Vater von zwei Kindern im Juli 2005 die Stelle einer hauptamtlichen Naturschutzfachkraft beim Landratsamt Heilbronn. Auch dort gibt es einen LEV. Jurgovsky weiß um die früheren Rivalitäten zwischen Landwirtschaft/Forst, Kommunen und Naturschutz. Genau die arbeiten in einem LEV aber mit gleichen Rechten eng zusammen. „Früher gab es da massive Berührungsängste. Aber das hat sich nicht nur in Heilbronn gelegt“, weiß der künftige Geschäftsführer: „Alle haben erkannt, dass bei einem gemeinsamen Ziel eine Zusammenarbeit gut möglich ist. Tatsächlich kann auch jeder der Beteiligten dabei gewinnen.“ Die Kommunen sehen dank reizvoller, vielfältiger und typischer Landschaftsbilder Chancen für den Tourismus und die Naherholung. Für Landwirte mit ihrem ohnehin vorhandenen Maschinenpark eröffnen sich durch bezahlte Pflegemaßnahmen zusätzliche Einnahmequellen. Der Forst sieht seine Ziele schon lange nicht mehr in der reinen Wirtschaftlichkeit, sondern auch in der Artenvielfalt. „Und der Naturschutz ist natürlich für jede Hilfe bei der Umsetzung seiner Ziele froh“, so Jurgovsky.




Er freut sich auf die Begegnungen mit seinen künftigen Partnern im Bemühen um die Bewahrung der Kulturlandschaft. „Ohne tatkräftige und engagierte Partner aus den genannten Bereichen geht´s nicht, allein kann ich nichts ausrichten“, weiß er. Ein besonderes Augenmerk will er auf „Biotopverbünde“ legen, also Korridore zwischen einzelnen Biotopen, um eine Ausbreitung seltener Pflanzen und Tiere zu fördern. Denn die Isolierung und die Zerschneidung der Landschaft ist die Hauptursache des Artenrückgangs. Ebenso am Herzen liegt ihm die Bewahrung oder Wiederentdeckung historisch bedeutsamer Zeugnisse einer kleinbäuerlichen Nutzung wie Wässerwiesen, Steillagenweinberge – wie zum Beispiel im Waldstetter Tal – oder Pfeifengraswiesen wie die Heumatten in Schlossau, deren Schnittgut vom Vieh als Futter verweigert, aber für die Einstreu benutzt wurde. „Jeder schaut auf ein Schloss oder ein Kloster. Aber erst die Infrastruktur wie Weinberge, Wiesen, Wälder und Gewässer haben ein Leben dort  möglich gemacht. Diese Relikte sind natürlich unspektakulärer, gehören aber genauso zur Zeitgeschichte.  Trockenmauern zum Beispiel sind genial einfach, ihr Bau zeugt aber von ganz großem Können. Nur so konnten sie Jahrhunderte überdauern. Deshalb müssen auch diese Dinge erhalten werden.“

Sitz des LEV ist beim Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises in Mosbach. Matthias Jurgovsky ist seit dem 02. Januar unter der Telefonnummer 06261/84-1738, E-Mail matthias.jurgovsky@neckar-odenwald-kreis.de zu erreichen. 

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