Minister Schmid besucht Stuppacher Madonna

 Stuppacher Madonna

Diözesankonservator Wolfgang Urban (l.) und Andreas Menrad, Leiter des Referates Restaurierung am Landesdenkmalamt, (r.) erläutern Minister Dr. Nils Schmid MdL, Oberbürgermeister Udo Glatthaar und SPD-Landtagsabgeordneten Georg Nelius die kunsthistorische und ikonografische Bedeutung im Hauptwerk des rätselhaften Renaissance-Meisters Grünewald. (Foto: pm)

Bad Mergentheim. (pm) Grünewalds Stuppacher Madonna hat eine besondere Anziehungskraft – auf Gläubige, Kunstinteressierte und Experten. Dieser Aura konnten oder wollten sich auch Wirtschafts- und Finanzminister Dr. Nils Schmid und SPD-Landtagsabgeordneter Georg Nelius  nicht entziehen.  

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten, bei der rund 480.000 Euro in Bild und Kapelle investiert wurden, besuchten die SPD-Spitzenpolitiker die Stuppacher Pfarrkirche Mariä Krönung, wo die Madonna nach ihrer Restaurierung im Landesdenkmalamt in Esslingen in neuem Glanz erstrahlt.

Obwohl – in neuem Glanz trifft es nicht ganz. Denn die stark glänzenden Firniss, den ein Restaurator 1986 vor Ort in der Kapelle auf Grünewalds Werk aufgebracht hatte, haben die Esslinger Restauratorinnen  Ursula Fuhrer und Annette Kollmann entfernt, wie Andreas Menrad, Leiter des Referates Restaurierung am Landesdenkmalamt, erklärte.




Die Restauratoren in Esslingen haben die Madonna geröntgt, mit Infrarotstrahlen durchleuchtet und mit einem Laser gescannt. Die Diagnose: Etliche Hohlstellen, an denen sich die Farbe vom Untergrund abgelöst hat.

Unter dem sogenannten Firnis waren Verschmutzungen konserviert worden, im Zusammenspiel mit dem Lack erschien das Bild dunkler. Wichtiger als der ästhetische Gesichtspunkt war jedoch, dass die Restauratoren die rissigen Malschichten unter der Firnisschicht nicht hätten festigen können. Insgesamt sei es Ziel der Restaurierung gewesen, mit dem gewachsenen Bestand umzugehen, erklärt Menrad. Gemäß des Wunsches von Bischof Gebhard Fürst wurde die Madonna so restauriert, „dass es die Aussage Grünewalds optimal wiedergibt“.

„Das ist Ihnen auch wunderbar gelungen, denn die Madonna hat farblich gewonnen“, lobte Minister Schmid. „Nun wird deutlicher, wie Grünewald die Darstellung der liebevollen Mütterlichkeit in einmaliger Weise gelungen ist.“

Auf einen neuen Schutzüberzug haben die Restauratoren verzichtet, stattdessen wurde eine hochentspiegelte Glasscheibe über das Bild gelegt. „Für die nächsten 20 bis 30 Jahre können wir ruhig schlafen“, drückte Menrad seine Zufriedenheit über die Arbeit aus. Auch dem örtlichen Pfarrer Basilius Meiser gefällt das Ergebnis.

Um das Ergebnis der Restaurierung zu erhalten und neuen Beschädigungen vorzubeugen, wurde die Kapelle an der Stuppacher Kirche klimatechnisch auf den neusten Stand gebracht. Die Bedingungen sind nun nahezu wie in einem Museum. Es ist klar, dass die 500 Katholiken in Stuppach die hohen Kosten einer Renovierung nicht allein tragen können. Finanziert wurde die Restaurierung deshalb in einer konzertierten Aktion der Stiftung Denkmalschutz,  des Landesdenkmalamtes sowie dem Ausgleichsstock der Diözese.

Diözesankonservator Wolfgang Urban beschrieb ausführlich die kunsthistorische und ikonografische Bedeutung des Bildes. Er schwärmte von den „exakten Naturbeobachtungen“ und der tief greifenden Symbolik, die auf die umfangreiche Bildung Grünewalds rückschließen lasse. Die Stuppacher Madonna – 1516 als Mittelteil des sogenannten Schneewunder-Altars entstanden – spiegle das gesamte Weltbild um 1360 wieder. Das Bild sei eine „Supernova der dürerzeitlichen Kunst“ und vollende eine tausendjährige Entwicklung der Theologie des Marienbildes. Er stimme all jenen zu, die  die Madonna als „Werk von Weltrang“ bezeichnen.


Bad Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar unterstrich die Chancen, die sich böten, wenn Staat und Kirche zusammenarbeiten, um sowohl kulturhistorisch als auch religiös bedeutsame Kunstwerke den Menschen näher zu bringen. Er zeigte sich zufrieden darüber, wie das Land sich für die Steigerung der Attraktivität seiner Region engagiere.

Für die Stuppacher spielt die kunsthistorische Bedeutung „ihrer“ Madonna eine untergeordnete Rolle, weiß Pfarrer Meiser. „Im alltäglichen Leben ist sie einfach unsere Gottesmutter, zu der man betet, der man vertraut.“

„Die Stuppacher Madonna ist schon etwas Besonderes. Es ist ein eindrucksvolles Spitzenwerk der Renaissance. Und dass ein solches Meisterwerk an ihrem Stammplatz in unserer Region auch weiterhin erstrahlt, freut mich besonders. Hier sind wieder einmal Landesmittel verwendet worden, die unseren Ländlichen Raum nachhaltig stärken“, kommentiert MdL Georg Nelius.

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