Grüne Kreisvorsitzende erklärt Rücktritt

Christine Denz

Christine Denz ist wohl aufgrund von Querelen im Kreisverband der Grünen gestern zurückgetreten. Nachfolger ist laut Informationen des SWR Bundestagskandidat Hans-Detlef Ott. (Foto: Tim Krieger)

Neckar-Odenwald-Kreis. Es deutete sich schon länger an und gestern war es soweit, die bisherige Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Grüne im Neckar-Odenwald-Kreis, die Trägerin des Landesverdienstordens, Christine Denz, erklärte ihren Rücktritt vom Parteiamt. Differenzen mit Teilen des Vorstands über die künftige Positionierung und Arbeit der Grünen, insbesondere auch als Regierungspartei führten Denz zu diesem Schritt. Den Co-Vorsitz hatte Denz seit 1998 inne.

Nachfolger und Co-Vorsitzender ist Hans-Detlef Ott, der für die Partei auch in den Bundestagswahlkampf zieht.

Nachfolgend dokumentieren wir die Rücktrittserklärung von Christine Denz:

Erklärung zu meinem Rücktritt als Vorsitzende des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Neckar-Odenwald-Kreis

Als Ergebnis eines langen Prozesses habe ich mich entschlossen, zum 17. 1. 2013 als Vorsitzende des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Neckar-Odenwald-Kreis zurückzutreten. Das ist dem Kreisvorstand seit längerer Zeit bekannt. Die Gründe liegen in unterschiedlichen Auffassungen zwischen Teilen des Vorstandes und mir, was die Verständigung allgemein und im Besonderen die Aufgaben betrifft, die wir wahrnehmen sollten. Ich meine, dass diese sich nach unserem Wahlsieg 2011 noch einmal verändert haben.

Hinzu kommt, dass ich mich nach meiner Pensionierung neu orientiere und noch stärker als bisher mein Lebensthema und Lebenswerk „Energie“ inhaltlich und geographisch ausweiten möchte. Ich war seit 1998 gerne und mit Stolz die Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Neckar-Odenwald-Kreis, habe den Kreisverband zusammen mit meiner Ko- Kreisvorsitzenden Christine Böhm getragen und geführt. Das KWO-Umschaltfest 2005 war einer der krönenden Höhepunkte für uns als Kreisverband.


 


Die Verleihung des Landesverdienstordens an mich im vergangenen Jahr durch „unseren“ Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann erfüllt mich mit Freude und Stolz. Er ist die höchste Ehrung, die das Land zu vergeben hat – und das mir als Einziger im Neckar-Odenwald-Kreis und als vor 35 Jahren aus dem Norden Zugezogener! Die vielen Glückwünsche aus den Reihen der Grünen und vor allem auch aus der Bevölkerung freuen mich noch immer und würdigen mein Tun und das der Grünen.

Weiterhin sind unsere zahlreichen Veranstaltungen, Kreismitgliederversammlungen, Feste, Workshops und Wahlkampagnen zu nennen. Etwas Besonderes war die Anti-Mappus-Demo in Mosbach-Lohrbach vor der letzten Landtagswahl. Das war eine machtvolle Demonstration der grün-alternativen Szene. Im Land haben wir die 58 Jahre dauernde Übermacht der CDU gebrochen; im Landkreis sind wir (noch) nicht so weit.

Seit langem pflegen wir Grünen einen anderen Politikstil, nämlich den des Respektes und der Auseinandersetzung um des Fortkommens in der letztlich gemeinsamen Sache willen. Und wir setzen die Themen um, für die wir schon so lange stehen: die Energiewende mit all ihren Implikationen wie Klima- und Ressourcenschutz, Arbeitsplätze und Wertschöpfung direkt vor Ort. Eine gerechte Gesellschaft, in der die Stärkeren mehr schultern als es die Schwächeren tun können. Eine Bildungslandschaft, die möglichst alle mitnimmt. Der Naturschutz als gemeinsame Basis für unser Leben. Der Respekt vor allen Lebewesen und ein demokratisches Miteinander. Und nicht zuletzt ein Umbau unseres derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystems, das dem Menschen dient, das sich an den Gesetzen der Natur orientiert und nicht an der Anhäufung von Geld und Macht in den Händen relativ Weniger. Dieses alles nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt. Wir sind aufeinander angewiesen.

Unsere Überzeugung ist: „Wir haben die Welt für unsere Kinder nur geerbt!“ Diese Gedanken haben mich seit jeher geleitet. In diesem Sinn war ich schon „grün“, als es uns als Partei noch nicht gab. Grün ist Teil meiner Identität und meines Herzblutes, und wird es bleiben. Unsere gute Arbeit beruhte auf unserem Zusammenhalt und einer gemeinsamen Ausrichtung im Kreisvorstand. Der Erfolg des Grünen Kreisverbandes gründete sich auch auf der sorgfältigen langjährigen und zuverlässigen Arbeit von unserer Kreiskassiererin Siglinde Mack, die sich eher im Verborgenen abspielt. Und ebenso auf der konsequenten Zuverlässigkeit von Markus Schwab als unserem Schriftführer und neuen Webmaster. Sehr gut war der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit von uns beiden Kreisvorsitzenden, den Grundfesten des Kreisvorstandes. Wir konnten uns blind aufeinander verlassen, und können es weiterhin. Dafür danke ich Dir, liebe Christine, in besonderem Maße.

Jetzt gebe ich die Verantwortung für das Gedeihen des Kreisverbandes ab. Ich bitte die Mitglieder des grünen Kreisverbandes, das anzunehmen. Ich danke für das Vertrauen und Zutrauen, das mir von vielen Seiten entgegengebracht wurde und das mir als Mensch und Kreisrätin hoffentlich noch weiter entgegengebracht wird, und für die Zusammenarbeit. Ich wünsche Euch, ich wünsche Christine Böhm und dem Kreisvorstand, unserem Bundestagskandidaten Hans-Detlef Ott und insbesondere meiner NachfolgerIn eine gedeihliche Zusammenarbeit und alles Gute im Sinn von „Grün wirkt!“

Infos im Internet:

www.Christine-Denz.de

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1 Kommentar

  1. Ein Meilenstein politischer Kultur- ein Appell an PolitikerInnen

    Christine Denz gibt ihr Amt als Vorstand von Bündnis90/Die Grünen im Neckar-Odenwald-Kreis zurück, dies ist ein politisch sehr bedauerlicher Vorgang und ein großer Verlust.
    Dennoch spiegelt der Artikel ein hohes Maß an politischer Kultur wieder, da Denz zum einen offen Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen den führenden Köpfen als Begründung angibt, der Versuchung jedoch widersteht, Details auszubreiten und damit ihren Kontrahenten Achtung zollt. Darüber hinaus erweist sie ausdrücklich und konkret Respekt indem sie klar benennt, wo die Zusammenarbeit ‚bestens funktioniert‘ hat.
    So wünsche ich mir den Umgang zwischen Politikern, sowohl innerhalb einer Partei als auch zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Parteien; Probleme werden ohne Floskeln und mit klaren und deutlichen Formulierungen benannt und der Ton bleibt den Personen gegenüber respektvoll.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gabriela Fischer-Rosenfeld

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