Sieben Mudauer Bildstöcke renoviert

Bildstock am neuen Standort

Bildtafel am neuen Standort. Von links nach rechts: Ortsvorsteher Klaus Erich Schork (Mudau), Bildhauer Ralf Drolshagen, Thomas Müller (VÖG), Ortsvorsteher Herbert Münkel (Schloßau), Marianne Mechler (VÖG), Hans Slama (HVV). (Foto: privat)

Mudau. (tm) Der hintere Odenwald und das Madonnenländchen sind bekannt für die vielen anzutreffenden Bildstöcke, Steinkreuze und Kapellen, entlang alter Wege oder auch mitten in weiter Natur. Auf Initiative des Mudauer Ortsvorstehers Klaus Erich Schork wurden im vergangenen Jahr in Mudau fünf und Dank der Zusammenarbeit der beiden gemeindeeigenen Heimatvereine zwei weitere Bildnisse in Schloßau renoviert. Hierzu gehört auch eine wieder entdeckte alte Bildtafel eines Schloßauer Bildstocks, die grundlegend saniert und mit einem neuen Schaft versehen wurde. Diese Tafel erlebte in der Zeit ihrer Existenz folgende Geschichte, die stellvertretend für die sieben Bildnisse aufgeführt sein soll.

Wer sich mit der Thematik der beheimateten „Zeugnisse der Volksfrömmigkeit“ näher befasst, stößt irgendwann auf 41 artgleiche Tafelbildstöcke, die vor allem vier Motive aufzeigen. Sie tragen also eindeutig die Handschrift einer einzigen Person. Der Mythos um diese Person, deren Herkunft sehr schnell mit Mudau in Verbindung gebracht wurde, war somit geboren. Der Künstler wurde von dem legendären Heimatforscher Max Walter zunächst als sog. „Mudauer Meisters“ (MM) bezeichnet und später dann als Ignatz Englert identifiziert, der in der Zeit zwischen 1790 und 1810 die bisher entdeckten 41 Bildstöcke schuf, aber auch an Renovierungen bereits vorhandener Bildnisse beteiligt war. Die Arbeiten an den Bildstöcken waren ihm wohl zu seinem Beruf als Maurermeister und Steinmetz ein willkommenes Zubrot während der kalten Wintermonate. Bis auf zwei Bildstöcke beschränkte sich Ignatz Englert auch auf die vier Motive, die der Handwerker in der näheren Umgebung Mudaus aufgegriffen hatte, denn die Reisetätigkeit der einfachen Leute beschränkte sich in jener Zeit auf die umliegenden Dörfer.

Vor einigen Jahren wurden aufmerksame Schloßauer Bürger auf einen seltsam geformten Stein im verlassenen Haus „Münkel“ in der Schloßauer Saugasse aufmerksam. Mehrfach fotografiert und nach Meinung von „Bildstockexperten“ war schnell klar, dass es sich bei dem außergewöhnlichen Mauerstein um einen Bildstock des MM handelt. Ungeachtet der Herkunft und des ideellen Wertes der Tafel, wurde diese einst als normaler Mauerstein in die Hauswand eingemauert. Zur besseren Formgebung wurde sogar das üblicherweise vorhandene Oberteil der Tafel, der sog. Einberg mit Steinkreuz, abgeschlagen und die Tafel zudem grob behauen. Danach passte sie schließlich in die Mauerlücke im Wohnhaus Münkel.

Da das Haus seit vielen Jahren unbewohnt war, wurde es baufällig. Anfang 2011 erfolgte der Abriss. Der markante Stein aus der Mauer wurde jedoch gesichert und landete schließlich beim Verein Örtliche Geschichte Schloßau-Waldauerbach (VÖG). Bildhauer Ralf Drolshagen stellte nach einer ersten Analyse eindeutig und zweifelsfrei fest, dass es sich bei dem Fragment tatsächlich um eine Tafel des Mudauer Meisters handelt.

Über die Jahrzehnte im Mauerwerk blieben die beiden Seitenmotive, „Maria mit dem Jesuskind“ und der „Hl. Wendelin“ gut erhalten, jedoch ist die Sichtseite der Motivtafel nur noch leidlich erkennbar. Dort ist die Heilige Familie dargestellt, eines der vier erwähnten Hauptmotive des MM.




Nun tat sich die Frage nach dem ursprünglichen und korrekten Standort dieses Fragments auf. Hierzu ließ sich in einer Arbeit von Max Walter zu den Bildstöcken Mudaus einiges nachlesen. Er beschreibt um 1930 einen Schaft auf Schloßauer Gemarkung unweit der Schöllenbacher Steige, welcher im Jahr 1800 zu Ehren von „Johanes und Catarina Galm“ errichtet wurde, der aber leider keine Bildstocktafel mehr trägt. Max Walter nennt als Grund der Errichtung den plötzlichen Tod des Mannes beim Laubrechen, an dieser Stelle. Der Mann hatte die „fallende Krankheit“. Die dabei gewesene Magd, lief aus Angst und Schrecken davon, als der Mann zu Boden ging. Weiter beschreibt Max Walter den Bildstock mit einer verschwundenen Tafel, die sichtseitig das Bildnis der „Heiligen Familie“ trug. Die Tafel wurde von Walter als verschollen beschrieben. Mit ziemlicher Sicherheit gehört also die Tafel aus dem Haus Münkel zu diesem Schaft, der auf einem älteren Foto auch tatsächlich keine Bildtafel trägt. Alle Schloßauer Bildstöcke des MM wären somit theoretisch wieder komplett. Wie, bzw. warum aber die Tafel in die Mauer des Wohnhauses kam, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Heute trägt der beschriebene Schaft übrigens wieder eine Bildtafel, was für zusätzliche Verwirrung sorgt. Allerdings gibt hier die neuere Literatur Auskunft, denn hierbei handelt es sich um eine exakte Kopie einer Tafel des MM, die um Original auf einem Bildstock vor dem Mudauer Rathaus zu finden ist. Das Rätsel um die Herkunft der Tafel im ehemaligen Anwesen „Münkel“ wäre somit gelöst, wenn auch der Grund für das Einmauern nach wie vor offen bleibt.

Im Dezember 2012 erfolgte schließlich die Aufstellung der Bildtafel auf einem neuen Schaft. Sie steht in Schloßau vor dem ehemaligen Forsthaus. Am vergangenen Freitag fand, trotz erheblicher Schneemassen, ein Fototermin der Beteiligten am neu errichteten Bildstock statt. In diesem Zusammenhang bedankte sich Thomas Müller (VÖG) ganz besonders beim Initiator der Renovierungsmaßnahmen, Ortsvorsteher Klaus Erich Schork, beim Heimat- und Verkehrsverein Mudau (HVV) mit dem 1. Vorsitzenden Hans Slama, für die Zusammenarbeit bei den Sanierungsarbeiten der Bildnisse, sowie bei Ortsvorsteher Herbert Münkel für die Bereitstellung des neuen Standortes der alten Bildtafel. Die Anwesenden freuten sich mit Bildhauer Ralf Drolshagen über die gelungene Ausführung der Arbeiten an den Bildnissen und stellten noch weitere Sanierungsarbeiten in Aussicht

.Bildstock am Originalstandort

Der eigentlich zugehörende Bildstockschaft der Familie Galm im Wald bei der Schöllenbacher Steige. (Foto: privat)

Für die finanzielle Unterstützung wurden von Thomas Müller das Landesdenkmalamt Karlsruhe, aber vor allem die Joachim- und Susanne- Schulz-Stiftung Mudau/Amorbach herausragend erwähnt. Dank dieser Mittel konnte der Bestand der renovierten Bildnisse wieder für viele Jahre sichergestellt werden. Die beiden Heimatvereine freuten sich zudem über den gezeigten Gemeinschaftsgeist in Zusammenhang der Arbeiten und der Abwicklung der Genehmigungsverfahren. Bleibt zu hoffen, dass die Bildnisse nun keine unliebsamen Abnehmer finden.

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