Mudau setzt auf Windkraft durch Applaus

 Buergermeister Rippberger kaempft gegen Windmuehlen

Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger kämpft als Don Quichotte gegen Windmühlen. Überhaupt beherrschte das Thema Wind und Windkraft die diesjährige Kampagne der Mudauer Wassersucher. (Foto: Liane Merkle)

Mudau. (lm) „Seit 60 Johr doun mir uf Wasser stehn, do kann die Windkraft nix dra drehn!“ Dieses Geburtstagsmotto der Karnevalsgesellschaft Mudemer Wassersucher, das die charmanten Sitzungsleiter Carlo Götz und Ralf Späth erläuterten, beherrschte die beiden Prunk- und Fremdensitzungen in der örtlichen Odenwaldhalle mit einer Intensität, wie es noch nie zuvor ein Motto geschafft hatte. Es bleibt also weiter stürmisch im Odenwald.

Als äußeres Zeichen bestimmten zwei 100 Prozent ökologische Windräder das Bühnenbild, ergänzt durch neckische Windrädchen und –spiralen an der Decke. Aber auch das Stimmungsbarometer stand auf Sturm, denn im Narrentempel tobte von Anfang an im positivsten Sinn der Bär. Und zur Erleichterung der KaGeMuWa waren auch die entsprechenden Orden dieses Mal rechtzeitig eingetroffen, die nicht nur die zahlreich erschienenen Abordnungen aus Amorbach, Hainstadt, Hettigenbeuern, Hettingen, Glashofen, Kirchzell, Limbach, Waldstetten, Walldürn, Zwingenberg und sämtlichen Mudauer Ortsteilen als Gastgeschenk erwarteten.

Motto getreu fiel auch das Regierungsversprechen von ihrer Lieblichkeit Prinzessin Christine II. Scharmann und seiner Tollität Prinz Christian II. Münkel aus. Die beiden setzten auf „Windkraft durch Applaus“ und demonstrierten gleichzeitig, dass das prima funktioniert. Er machte aber auch deutlich, dass Christine II. für ihn 1. Wahl sei. Und sie fand ihren Fregger lecker. Also ein Prinzenpaar, das nicht nur Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger begeisterte und dem er zusammen mit den anderen „Windbeuteln“ die Schlüsselgewalt nur zu gerne für die nächsten drei Wochen übergab. Schließlich seien diese Windgeschäfte wirklich kein reines Vergnügen. Optimistisch wünschten ihm die Fastnachter, dass sein „Don Quijotte-Kampf“ gegen Windmühlen bzw. Gegenwind kein ewiger werde.




Ausgenommen vom Windthema waren neben den immer wieder kehrenden „Leben pur“-Beiträgen von „Hausmeister Mompfred“ (Andi Klump aus Zimmern) nach Art des Bülent Ceylan vor allem die grandiosen Tanzvorführungen. Eröffnet wurde dieser Augenschmaus durch Junioren Tanzmariechen Cara Bianco, die als charmanter kleiner Wirbelwind im Turbogang die Herzen der Zuschauer gewann. Absolut top gestaltete sich der schon professionelle Schautanz „Helden aus dem Norden“, mit dem der TSC Walldürn dank Trainerpaar Tanja Hamsig und Bodo Horn begeisterte.

Und mit der „Schnapsbrenner-Airline“ landeten die verdienten Schautanz-Narrenringmeister aus Höpfingen einen für die Mudauer unvergeßlichen „Männerurlaub“ mit hübschen Stuardessen, relaxten Urlaubern und vielen Strandschönheiten (Trainerin Ellen Böhrer). Mini- und Prinzengarde der KaGeMuWa bewiesen ebenso wie Tanzmariechen Melissa Schell zu ihren schmissigen Gardetänzen Trainingsfleiß, Kondition, Akrobatik, Können und unglaublichen Charme. Und schließlich verband die Wassersuchergarde mit ihrem Schautanz „Rock me Amadeus“ gekonnt Menuett und Disziplin mit Rock und Temperament.

Fotostrecke von der Prunksitzung der KaGeMuWa. (Fotos: Liane Merkle)

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Wenig mit Windkraft, dafür aber mit den Stürmen des Lebens beschäftigte sich „De Dödl vom Ort“, alias Holger Löffler aus Waldstetten. Wenn er in der Schule mal was wusste, dann war gerade Pause. Er präsentierte seine Pechsträhnen so überzeugend, dass die Halle vor Lachsalven bebte. Aus den beiden Vorjahren bekannt und mit großer Spannung erwartet waren die „Zwee Mudemer Rotzlöffel“ Yannick Mechler und Elias Noe. Und sie sorgten für wahre Lachtränenströme mit ihren Klagen, weil die C-Jugend nun in und Schloßau spielen müsse. „Keiner nimmt mehr Rücksicht auf Gefühle und Kultur“. Es war ihnen zwar erklärt worden, dass Europa zusammenwächst und Schloßau auch irgendwie dazu gehört, aber dennoch seien die dort einfach nicht zu verstehen. Doch sprachbegabt, wie die Rotzlöffel nun mal sind, konnten sie den urigen Dialekt perfekt imitieren, und auch das Ortsgeschehen mit Wind, Gegenwind, dunklen Strassenlampen, unerschrockenen Einbrechern und jeder Menge Polizei glossieren, was den Lachtränenfluß noch weiter anschwellen ließ.

Als Windrad mit dem Wunschstandort „Neuhof“ erlebte Hubert Sämann von den Dumbocher Turmspatzen dann strengsten Gegenwind in Mudau, Donebach, Mörschenhard und Schloßau. Und dabei war ihm eingeredet worden, er sei begehrt. Doch den sauberen Strom von „Ein Windrad steht im Walde ganz still und stumm“ will eben keiner vor der eigenen Haustür. Bleibe nur noch die Hoffnung, irgendwann als E-Bike-Ladestation im Ünglert eine Heimat zu finden. Lachtränen flossen auch beim Gespräch der „zwee halbe Ganzherrn, die zamme en ganze Halbherr senn“ (Timo Huberty und Michael Volk). Gekonnt glossierten sie wie zwei alte Hasen das Ortsgeschehen mit Ordensfest ohne Orden oder Umgestaltung der Langenelzer Strasse zur kurvenreichen Grünanlage. Zur „Hütte Davids“ hatten sie einen ebenso humorvollen Kommentar wie zur neuen Halle des „Putt“, zum sanierten Sportheim oder zu „Herta“ als Frührentner wider Willen. Und dann natürlich „de Borchemeeschder un de Gechewind“ – das war ihnen mit Gitarrenunterstützung von Jürgen Kieser sogar ein Lied wert.

Musikalisch ausgiebig und humorvoll wurde das Thema auch beleuchtet von X-men André Mechler, Jürgen Kieser, Uwe Lenz und Markus Wellm zusammen mit dem X-angverein und Co. Diese fröhliche Truppe äußerte sich nicht zum Skandal um Rosie, sondern zum „Skandal um Windkraft“ und empfahl jedem, dem das nicht gefällt, Norberts Nummer unter 78 2 8 zu wählen. Sie meinten aber auch weise, dass es besser sei, eine Brücke statt sich mit dem Brückengut zu schlagen. Hervorragend schlug sich auch die Mudauer Trachtenkapelle unter Vorstand Norbert Banschbach und Dirigent Ralph Müller. Von allen Seiten war Lob zu hören über die ebenso kurzweilige wie abwechslungsreiche musikalische Ausgestaltung der Sitzung selbst sowie der immer wiederkehrenden Schunkelrunden und La Olas.

Wieder einmal erhielt ein unverzichtbares Fastnachter-Urgestein den begehrten Jahresverdienstorden der KaGeMuWa im Rahmen der Prunk- und Fremdensitzung überreicht. Harald Lorenz ist Mitglied bei den Wassersuchern von Kindesbeinen an, vornehmlich arbeitet er im Hintergrund wie z. B. in der großen Schneeräumaktion vor zwei Jahren. Aber auch als Elferrat oder in der Fastnachtskapelle ist er überaus engagiert. Aufgrund seiner unzähligen Verdienste um die Wahrung der Mudemer Fastnacht erhielt er nun aus den Händen des Vorjahres-Verdienstordensträgers Helmut Korger jr. den überdimensionalen Orden verliehen und von 1. Vorsitzenden Erich Maier die dazu gehörige Urkunde. 

Infos im Internet: www.KaGeMuWa.de

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