Das „Kandidaten-Duell“ bei den UWB

Waldbrunn. Drei Kandidaten und zwei „Gewinner“ und einen „Verlierer“ erlebten die über 100 Wähler, die der Einladung der Unabhängigen Bürger Waldbrunns (UBW) nach Mülben gefolgt waren, um im Gasthaus „Drei Lilien die Bürgermeister-Kandidaten und deren Ideen kennen zu lernen.

Ein Gewinner war 30-jährige Jurist Markus Haas, der den Zuhörern glaubhaft vermittelte, dass das Amt des Gemeindeoberhaupts für ihn nicht nur ein neuer Job, sondern eine Herzensangelegenheit sei und der darüber hinaus mit herausragender Sach- und Fachkenntnis glänzte und die 14 Fragen der UBW kompetent beantwortete. Gewinnerin war auch die 55-jährige Rechercheurin und Buchautorin Dr. Brigitte Kazenwadel-Drews, die mit glänzender Rhetorik brillierte und mit außergewöhnlichen Ideen bewies, dass sie fantasievoll und ohne Denkblockaden an Sachprobleme herangehen kann.

Während sich Haas jedoch kritischen Fragen wegen seiner CDU-Mitgliedschaft ausgesetzt sah, die möglicherweise einer objektiven Politik zum Wohle der Gemeinde im Wege stehen könnten, so die Nachfrage aus dem Publikum, blieb Kazenwadel-Drews den Nachweis schuldig, dass sie trotz „toller Idee“, so eine Zuhörerin, den Bogen nicht zu Waldbrunner Themen spannen konnte. Mancher fühlte sich beim Vortrag der gebürtigen Rheinhessin auch an die derzeitige fünfte Jahreszeit erinnert, sorgte die potenzielle Bürgermeisterin aufgrund ihres lockeren Vortrag ein ums andere Mal für Heiterkeit bei den Zuhörern. Außerdem wurde kritisch angemerkt, dass sie zu häufig die feministische Karte spielte und um die „Stimmen ihrer Schwestern vom Winterhauch“ warb.

UBW Markus Haas

Markus Haas (Stehend) trat als erster Bewerber vor die Zuhörer. Gemeinderat Ulrich Schaffer (li.) stellte den Kandidaten die 14 Fragen. Fraktionsvorsitzender Reinhold Weis hatte zuvor die Interessierten zum Monatstreffen der UBW begrüßt. (Foto: Hofherr)

Großer Verlierer des Abends war der 44-jährige Bankbetriebswirt Thomas Frank, der nach einhelliger Meinung der Zuhörer nicht nur schlecht vorbereitet war, sondern darüber hinaus trotz Zugehörigkeit zum Gemeinderatsgremium wenig Gespür für die Sorgen der Bürger offenbarte.

Neben den Ausführungen der Bewerber um das Bürgermeisteramt spielten auch mögliche Amtszeiten eine Rolle bei den Gesprächen, die noch lange geführt wurden. Während sowohl Haas als auch Frank mehrere Amtszeiten zur Verfügung stehen, könnte Kazenwadel-Drews nur eine volle achtjährige Amtsperiode auf dem Chefsessel im Rathaus sitzen. Zu kurz, so die weit verbreitete Einschätzung, um die anstehenden Probleme nachhaltig zu bewältigen. 

Begrüßt hatte die zahlreichen Zuhörer zunächst der Fraktionsvorsitzende der UBW im Gemeinderat, Reinhold Weis, der kurz den Modus des Kandidaten-Duells referiert. So hatte der Bewerber zunächst zehn Minuten um sich selbst vorzustellen. Anschließend mussten die möglichen Bürgermeister 14 Fragen aus allen Themenbereichen der Gemeinde Waldbrunn beantworten. So spannte sich der Bogen von Finanz-, Wirtschafts- und Haushaltspolitik, über Bildung, Natur- und Umweltschutz, bis hin zu Windkraft. Auch die Verwaltung selbst sowie mögliche Synergien im Gemeindeverwaltungsverband wurden von Gemeinderat Ulrich Schaffer abgefragt. Auch der Demographische Wandel, Senioren, Jugend sowie die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und die Stärkung der Ortschaftsverfassung waren Bereiche, denen sehr interessante Ausführungen der Bewerber folgten. Mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen des jeweiligen Bewerbers endete der Fragenkomplex. Jedem Kandidat standen ca. zwei Minuten je Thema zur Verfügung.




Hier offenbarte Markus Haas einen großen Kompetenzvorsprung, machte er doch zu allen Bereichen fundierte Ausführungen, so die nahezu einhellige Meinung der Zuhörer. So führte er beispielsweise aus, dass man jedem Winterhauchdorf ein kleines Budget  bereitstellen könne, dass vom Ortschaftsrat eigenverantwortlich in den Ortsteilen eingesetzt würde. Im Bereich „Wirtschaftspolitik“ brachte Haas einen Unternehmer-Stammtisch ins Gespräch. Bei solchen Treffen könne man im Gespräch mit Unternehmern deren Bedürfnisse besser kennenlernen, um anschließend darauf zu reagieren. Dorfentwicklungspläne, Förderung des Nahverkehrs, Prioritätenlisten für alle Dörfer, flexible Kinderbetreuung, Ganztagsangebote für Schüler, Ratsinformationssystem, bessere Bürgerinformation, Controlling zur Vermeidung von Kostenexplosionen waren weitere Schlagworte in den Ausführungen von Markus Haas, der außerdem sein „Ja“ zur Energiewende und zur Windkraft bekundete. Allerdings müsse man im Hinblick auf Bürger und Gäste unter der Prämisse „so wenig wie möglich und soviel wie nötig“ handeln.

UBW Thomas Frank

Kandidat Thomas Frank (Mitte) musste bei einigen Fragen passen. (Foto: Hofherr)

Thomas Frank musste bei zahlreichen Fragen passen, was bei vielen Zuhörern für Unverständnis sorgte. Als Bewerber um ein solches Amt müsse man besser vorbereitet sein, zumal viele Fragen bereits vom Katzenpfad gestellt worden waren, so die Einschätzung. Insbesondere die Unkenntnis der Ortschaftsverfassung stieß auf Unverständnis. Dass es bei dieser Frage um die Stärkung der Ortschaftsräte ging und nicht um Dorfgemeinschaften in den Ortsteilen, sorgte für Kopfschütteln. Waldbrunn müsse familienfreundlicher werde, so Frank auf die Frage zum Demographischen Wandel. Um den Bedürfnissen von Senioren gerecht zu werden, solle die Kooperation mit Sozialstationen und Hilfsorganisationen gestärkt werden. Außerdem müssten gemeindliche Einrichtungen barrierefrei werden, so weitere Ausführungen. Außerdem stehe er für die Stärkung der Vereine und will mit dem Gemeinderat und der Verwaltung offen und sachorientiert zusammenarbeiten. Beim derzeit brisanten Thema Windkraft stellte Thomas Frank klar, dass „der Strom ja irgendwoher kommen muss“. Ein zentraler Windpark sei daher die bessere Lösung als viele kleine Standorte.

UBW Kazenwadel DrewsDr. Brigitte Kazenwadel-Drews glänzte rhetorisch, musste sich aber die kritische Frage gefallen lassen, ob sie auch „tolle Ideen für Waldbrunn“ habe. (Foto: Hofherr)

Unterhaltend mit spannenden Ideen präsentierte sich anschließend Dr. Brigitte Kazenwadel-Drews, die sich jedoch den Einwand gefallen lassen musste, dass viele ihrer Ideen aus ihren Erfahrungen aus der Wendezeit in Sachsen bzw. ihrer rheinhessischen Heimat herrühren und nicht auf Waldbrunn übertragbar seien. In ihrer Vorstellung hatte sie bekundet, dass sie als Auswärtige, die vor neun Jahren zugezogen sei, sowohl über den Blick von außen, aber nach fast zehn Jahren in Weisbach auch von innen verfüge. Dennoch sprach sie fortwährend von Ortsteilbürgermeistern, wenn es um Ortsvorsteher ging, kritisierten viele der Zuhörer nach der Veranstaltung. Allerdings präsentierte sie einige unkonventionelle Überlegungen. So will sie nicht unbedingt zu viele Energien für die Umkehr des Demografischen Wandels einsetzen, sondern aus der Not eine Tugend machen. Viele ältere Menschen wollen ihren Ruhestand in unverbrauchter Natur genießen. Daher sollte man die Lebensqualität für Senioren erhalten bzw. verbessern, um dadurch Neubürger zu gewinnen. Sie bekannte freimütig, viele Themen noch nicht zu kennen, ließ die Zuhörer aber wissen, dass sie durchaus in der Lage sei, komplexe Sachverhalte schnell und korrekt zu erfassen. Als Sachbuchautorin, die zuletzt technische Themen bearbeitet hatte, habe sie dies in der Vergangenheit hinreichend bewiesen, erläuterte Kazenwadel-Drews. Um dies zu belegen, hatte sie mehrere ihrer Bücher mitgebracht. Zum Themenkomplex „Natur- und Umweltschutz“ und der damit verknüpften Frage nach Christbaumplantagen ließ sie die Zuhörer wissen, dass sie aufgrund ihrer Herkunft lieber auf „Weinbau statt Christbaum setzt“. Zum kontrovers  diskutierten Windpark bei Mülben lässt die Kandidatin wissen, dass sie die frühzeitige Einbindung der Bürger für ein Muss hält. Außerdem müsse man mögliche Standorte in Waldbrunn offen diskutieren und auch Alternativen wie Blockheizkraftwerke, Verwendung von Holz usw. überlegen.

Nachdem sich alle Kandidaten vorgestellt hatten, der Fragenkatalog abgearbeitet war, standen den Zuhören je Bewerber noch zehn Minuten für Fragen, Anregungen und Kritik zur Verfügung.

Wer sich selbst ein Bild vom neuen Gemeindeoberhaupt machen will, hat dazu voraussichtlich am kommenden Mittwoch Gelegenheit. Ab 19:00 Uhr werden sich Markus Haas, Thomas Frank und Dr. Brigitte Kazenwadel-Drews den Waldbrunnern vorstellen. Die vierte Kandidatin, Toni Lehlbach von der Nein-Partei wird nicht anwesend sein.

Wer mehr zu den Positionen der jeweiligen Bewerber erfahren will, sei auf unseren Kandidaten-Check verwiesen. Wir haben den Personen im Vorfeld zehn Fragen zukommen lassen. Die Antworten veröffentlichen wir seit Freitag, den 01. Februar.

468 UBW Duell Zuhoerer

Auf großes Interesse stieß das Kandidaten-Duell, zu dem die UBW nicht nur die Kandidaten der Bürgermeisterwahl, sondern auch die Wähler eingeladen hatte. (Foto: Hofherr)

Infos im Internet:

www.gemeinsam-fuer-waldbrunn.de (Thomas Frank)

www.markus-haas-waldbrunn.de (Markus Haas)

www.nein-idee.de (Toni Lehlbach)

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