Neues Instrument für Denkmalpflege und Stadtplanung

Zielgruppe auch stadt- und landesgeschichtlich Interessierte

Mosbach. Regierungspräsidentin Nicolette Kressl und Abteilungspräsident Prof. Dr. Claus Wolf vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart haben am Montag im historischen Rathaus Mosbach vor zahlreichen Gästen den neu erschienenen Archäologischen Stadtkataster für die Stadt Mosbach an Oberbürgermeister Michael Jann übergeben. Auf 160 Textseiten mit über 60 Abbildungen sowie auf fünf farbigen Fachplänen fasst das Werk die bisherige archäologische und stadtgeschichtliche Forschung in all ihren Facetten zusammen und bewertet auf dieser Grundlage die archäologisch relevanten Bereiche innerhalb der Mosbacher Altstadt. Somit ermöglicht der Stadtkataster künftig eine qualifizierte Abstimmung zwischen den Belangen der archäologischen Denkmalpflege und der Stadtentwicklungsplanung. Darüber hinaus dürfte dieser Band auch zu weiteren historischen Forschungen anregen.

„Das bis heute überlieferte reiche, aber bisher nur sporadisch erfasste Bodenarchiv der Stadt Mosbach kann so bei Bauvorhaben, die in den Boden eingreifen, rechtzeitig bei den Planungen berücksichtigt werden und den seiner historischen Bedeutung entsprechenden Schutz durch die Denkmalpflege erhalten“, erläuterte Regierungspräsidentin Nicolette Kressl die Funktion des Stadtkatasters als überaus nützliches Instrument der Denkmalpflege. Sie verwies gleichzeitig darauf, dass der Stadtkataster ein Beleg sei für die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Stadt Mosbach und der Denkmalpflege, die auf diesem Fundament erfolgreich fortgesetzt werden könne. Die geplante Bebauung am „Käfertörle“ werde das sicher ebenfalls unter Beweis stellen. Prof. Dr. Claus Wolf, Abteilungspräsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Esslingen, erläuterte das Projekt Archäologischer Stadtkataster, das in enger Zusammenarbeit zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege, den Denkmalreferaten der einzelnen Regierungspräsidien und den jeweiligen Städten landesweit durchgeführt wird. Er betonte: „Der Archäologische Stadtkataster will notwendige städtebauliche Veränderungen nicht blockieren. Er möchte vielmehr aufzeigen, welche Chancen es in einem tief im Mittelalter wurzelnden Siedlungsgefüge gibt, das jeweils einmalige und Identität stiftende Ensemble aus alter Bausubstanz und geschichtlicher Überlieferung im Boden als Erbe unserer Nachwelt weiter zu geben.“




Der Band Mosbach erscheint als Nr. 37 in der vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart herausgegebenen Schriftenreihe Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg und kann bei der Stadt Mosbach, beim örtlichen Buchhandel oder beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen zu einem Preis von 9,60 Euro erworben werden. Verfasst wurde der Band von Dr. Wolfgang Seidenspinner vom Referat Denkmalpflege im Regierungspräsidium Karlsruhe unter der Mitarbeit seiner Kollegin Dr. Antje Gillich. Die Druckkosten für die 400 Bände der Auflage werden von der Stadt Mosbach und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart gemeinsam getragen. Nachdem für die anderen mittelalterlichen Städte im Neckar-Odenwald-Kreis schon in den Jahren zuvor ein Stadtkataster erstellt wurde, bildet die Große Kreisstadt selbst den Schlusspunkt in dieser Reihe.

Dr. Wolfgang Seidenspinner erinnerte bei der Vorstellung des Bandes daran, dass bereits im 19. Jahrhundert als früheste Spuren des Menschen auf Mosbacher Gemarkung jungsteinzeitliche Siedlungsreste zu Tage kamen. Seit den 1950er-Jahren erfuhr die archäologische Forschung durch das Engagement heimatgeschichtlich ambitionierter Bürger einen neuen Schub. Aufgrund dieser Aktivitäten, aber auch durch punktuelle Untersuchungen der Archäologischen Denkmalpflege in der Altstadt, sind es inzwischen etwa 40 Fundstellen, die Dr. Antje Gillich im Untersuchungsgebiet erfassen und kartieren konnte. In einem zweiten ausführlichen Katalog sind in dem Band unter der Überschrift Historische Topographie fast 90 Objekte beschrieben, die im Kontext der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Stadt neben der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung eine herrschaftliche, administrative, kirchliche oder wirtschaftliche Rolle gespielt haben. Auch diese Objekte sind, nach ihren Funktionen unterschieden, kartiert. Unter den Kartenbeilagen finden sich auch eine Überlagerung der Bebauung zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der heutigen Katasterkarte sowie eine nach unterschiedlichen Tiefenstufen gegliederte Kartierung der Keller und Tiefgaragen.

In seinem Vortrag skizzierte der Autor auch die den Katalogen vorausgehenden Textkapitel, von denen sich das erste, eingeleitet von einem Überblick über die Vor- und Frühgeschichte, mit den Grundzügen der Mosbacher Stadtgeschichte vom frühen Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert beschäftigt. Nachfolgend beschreibt der Band Stationen der Siedlungsentwicklung Mosbachs: Vom Klosterort des 8. Jahrhunderts über die Stadtgründung in spätstaufischer Zeit, sein bauliches Wachstum als Residenzstadt im Fürstentum Pfalz-Mosbach während des 15. Jahrhunderts, seine danach eher verhaltene Entwicklung als kurpfälzische Amtsstadt in der frühen Neuzeit bis hin zu den ersten deutlichen Eingriffen in die tradierten Strukturen des Siedlungsgefüges im 19. Jahrhundert. Auch nach der seit 1974 durchgeführten Stadtsanierung, die abschließend noch knapp umrissen wird, ist in den betroffenen Quartieren trotz einiger Verluste Vieles an historischer Substanz erhalten geblieben.

Das Kapitel Stadtbewertung unter archäologischen Gesichtspunkten stellt das Ergebnis der Untersuchung dar. Charakterisiert sind die archäologisch relevanten Zonen für die künftige denkmalpflegerische Betreuung in der Altstadt Mosbachs und bis hinaus zur Anlage des Gutleuthauses samt dem Friedhof. Die einzelnen Bereiche sind auf einem eigenen Plan deutlich signiert. Trotz aller modernen Veränderungen hat die alte Fachwerkstadt Mosbach, so das Resümee von Dr. Wolfgang Seidenspinner, noch großenteils seine im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit grundgelegte Straßen- und Quartiersstruktur, zahlreiche Dokumente seiner nach einem angeblichen Brand von 1723 neu aufgeführten Bebauung sowie auf den Grundstücken der Altstadt insgesamt ein dichtes archäologisches Erbe bewahren können.

Alle drei Redner zeigten sich daher überzeugt: „Auch dieser Archäologische Stadtkataster wird für die künftige fachliche Diskussion bei dem Bemühen, den historischen Quellenwert der innerstädtischen Flächen zu würdigen und die sichtbaren wie auch die im Boden tradierten Geschichtsdokumente an die Nachwelt zu vererben, qualifizierte Wegweisungen geben.“ Überdies werde der Band in den Händen der heimat-, aber auch der landeskundlichen Forschung ein Forum für die weitere Beschäftigung mit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte von Mosbach bilden.

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