„Dauerläufer“ Wasserkraft früher und heute

BürgerEnergieGenossenschaft unterstützt Wasser-Müller

Wassermuehle

An der Erfelder Mühle in Hardheim-Erfeld, Mühlenbesitzer Josef Beichert und Christine Denz vom Vorstand der BürgerEnergieGenossenschaft Neckar-Odenwald. (Foto: Valentin Schnitzer)

Erfeld. (pm) Früher sorgten die Müller mit dem gemahlenen Mehl für die Grundlage der Ernährung. Hinzu kam in der Moderne, mit Wasser „Strom zu machen“. Beides unterstreicht die hohe Bedeutsamkeit des Berufsstandes der „Müller“, der bezeichnenderweise der häufigste deutsche Familienname ist. Im Neckar-Odenwald-Kreis gibt es knapp 50 Kleinwasserkraftwerke, die zum Teil außer Betrieb, aber oft noch mit den Wasserrechten ausgestattet sind. Die BürgerEnergieGenossenschaft Neckar-Odenwald eG iG will die hiesigen Erneuerbaren Energien in Gestalt von Sonne, Wind und Wasser weiter ausbauen. Vor wenigen Tagen besichtigte Vorstandsfrau Christine Denz, Mosbach,  zusammen mit dem Wasserbau-Ingenieur Valentin Schnitzer, Bammental, – beide in ehrenamtlicher Mission – mehrere aktive und stillliegende Kleinwasserkraftwerke in Hardheim und Mosbach.




Zunächst ging es um gegenseitige Information und Aufklärung darüber, dass bis zum 1. März 2013 die Alt-Wasserrechte beim Landratsamt ins Wasserbuch zur Eintragung gemeldet werden müssen. Es ist egal, ob die Anlage in Betrieb ist oder nicht. Sonst drohen die Rechte zu verfallen. Viele „Müller“ wussten das nicht und nahmen die Beratung mit Dankbarkeit auf. In den 1960er Jahren begann das große Mühlensterben. Die Großkraftwerke und die Groß-Müller setzten auf die zentrale Stromproduktion. Sie boten den Betreibern der kleinen Wasserkraftwerke das Geld für ungefähr eine einzige Jahresproduktion, wenn sie ihre Mühle stilllegten, und schafften sich so eine unerwünschte Konkurrenz im Grundlaststrom vom Hals. Auch die Wasserbehörden fanden sie ab, weil die vielen Mühlgräben vielfach dem Ausbau der Infrastruktur im Wege waren. Rund 50.000 Anlagen wurden vom Netz genommen. „Damit setzte ein Niedergang dieser wertvollen ländlichen Kultur ein“, bedauerte der kenntnisreiche Valentin Schnitzer. Er ebenso wie Christine Denz zeigten sich berührt von dem spürbaren Stolz der „Müller“ auf die Erhaltung der Familientradition.

Das Umweltministerium Baden-Württemberg hat Anfang Februar 2013 neue Fördergrundsätze herausgegeben. Ziel ist es, die technische und ökologische Modernisierung der Kleinen Wasserkraft bis 1.000 kW zu fördern und die vorhandenen Potentiale effizient zu nutzen. Unter anderem werden innovative Techniken an Pilotstandorten gefördert. Das Umweltministerium stellt insgesamt 6,9 Millionen Euro bis zum Jahr 2015 zur Verfügung.  

Die BürgerEnergieGenossenschaft Neckar-Odenwald will das nutzbar machen, was vor Ort vorhanden ist, und unterstützt gerne auch die Reaktivierung von Kleinwasserkraftwerken. In einer öffentlichen Veranstaltung am Dienstag, den 5. März, stellt sie ab 19 Uhr im Hotel „Lamm“ in Mosbach ihre Zielsetzungen und Projekte vor. Auf ihrer Webseite www.buergerenergie-neckar-odenwald.de findet man weitere Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten, die neuen Fördergrundsätze und ebenso Hilfen zur Eintragung der Altrechte ins amtliche Wasserbuch.

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