Kleinwindkraftanlagen brauchen genügend Wind

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(Foto: Archiv)

Buchen. (lra) Im Sommer wird zur Stromerzeugung die Sonne durch eine Photovoltaikanlage genutzt, im Winter der Wind, der eine Kleinwindkraftanlage auf dem Dach oder im Garten antreibt: Ganz so einfach lassen sich die Vorstellungen von manchen Verbrauchern dann doch nicht verwirklichen. Das wurde beim 16. Energieberatertreffen der Energieagentur Neckar-Odenwald (EAN) in Buchen deutlich, bei dem Geschäftsführer Uwe Ristl mit dem Thema „Kleinwindkraftanlagen“ den Nerv getroffen hatte: Rund 100 Besucher – so viele wie noch nie – waren zum Vortrag des Experten Patrick Jüttemann aus Bochum in den „Prinz Carl“ gekommen.

Ristl freute sich über das große Interesse und erklärte auch, warum: „Informationen sind hier ganz wichtig, denn nur so können wir vermeiden, dass Privatleute sich einfach so eine Anlage in den Garten stellen, die dann nicht funktioniert“.




Der Referent stieg in die Materie ein und erklärte, dass es viele Hersteller und Anbieter auf dem noch jungen Markt gebe, der für Laien schwer durchschaubar sei: „Da tummeln sich etliche schwarze Schafe, die mit schlechter Qualität hohe Ertragszahlen versprechen. Schwierig ist auch, dass die meisten der in Deutschland angebotenen Kleinwindkraftanlagen – auch gute und erprobte Windräder –  keine Zertifizierung vorweisen können.“

Für Einfamilienhäuser und kleine Gewerbebetriebe seien grundsätzlich Anlagen mit eineinhalb bis fünf Kilowatt Leistung geeignet. Für Gewerbegebiete und in der Landwirtschaft würden Anlagen mit fünf bis 30 Kilowatt eingesetzt. Pro Kilowatt Nenn-Leistung einer Anlage müsse man mit einem Preis von 3000 bis 7000 Euro rechnen, je nach Qualität und Ausführung. Damit sich eine Anlage wirtschaftlich lohne, so Jütttemann, sollte am Aufstellungsort in der Höhe der Rotoren eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von mindestens dreieinhalb bis vier Meter pro Sekunde gemessen werden: „Messen sie die Windstärke also unbedingt, bevor sie eine Anlage errichten.“ Denn gerade im Innenstadtbereich könne es schwierig sein, diese Werte zu erreichen. Ideale Standorte für Windkraftanlagen seien freie Flächen mit langsam ansteigenden Hängen, weil es da kaum „Windverwirbelungen“ gebe. „Je bebauter das Gelände ist, desto höher muss der Rotor sein, um die gleichmäßigen Windströmungen nutzen zu können“, erklärte der Referent. Ein „Flattertest“, bei dem ein Trassierband am Ende einer Stange in Höhe der geplanten Anlage festgebunden werde, gebe einen ersten Aufschluss über Verwirbelungen, die zwar als Wind spürbar, für eine Stromproduktion mittels Windrad aber kaum nutzbar seien.

Um die Wirtschaftlichkeit einer Anlage beurteilen zu können, sollte man vorab auch die sogenannten „Stromgestehungskosten“ berechnen. Dabei, so Jüttemann,  legt man die Investitionskosten der Anlage über  eine Laufzeit von 20 Jahren auf die Stromkosten um und erhält auf diese Weise einen Kilowattstundenpreis.

Wirtschaftlich sei vor allem der Eigenverbrauch des selbst produzierten Stroms. Für die Einspeisung ins Stromnetz dagegen bekomme man für Windenergieanlagen, die noch 2013 in Betrieb gehen, in den nächsten 20 Jahren eine staatliche Vergütung von nur  8,8 Cent je Kilowattstunde erzeugten Stroms – was sich nicht rechne.

Unabhängig von den technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen könne auch eine Baugenehmigung fällig werden. Anlagen bis zu einer Höhe von zehn Meter sind zwar grundsätzlich genehmigungsfrei, dennoch müssen öffentlich-rechtliche Belange berücksichtigt werden. Dazu zählen auch Beschwerden aus der Nachbarschaft, zum Beispiel, wenn die Anlage zu laut ist.

Keine einfache Materie also, was nicht zuletzt an der regen Fragerunde im Anschluss deutlich wurde. Aufgrund des großen Interesses am Thema wird es einen Folgetermin geben. Ort und Zeit werden über die Tagespresse bekannt gemacht. Grundsätzliche Infos gibt es unter www.klein-windkraftanlagen.com oder bei der EAN, Uwe Ristl, Telefon 06281 / 906-880.

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