Bauernpräsident sieht „Öko als Lifestyle“

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Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied (4.v.li.) und MdB Alois Gerig (3.v.li.) präsentiert die Odenwälder Schlemmerkiste. (Foto: Liane Merkle)

Neckar-Odenwald-Kreis. (lm) Das Thema „Voraussetzungen für eine erfolgreiche Landwirtschaft“ und sein Referent Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, entpuppten sich auf der Mitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes Neckar-Odenwald in der Oberschefflenzer Roedderhalle als wahre Publikumsmagneten. Vor nahezu voll besetztem Haus berichtete Rukwied von seiner Arbeit, von den Zielrichtungen auf europäischer und deutscher Ebene.

Unter anderem sah er die Aussage seines französischen Kollegen, nach der die deutsche Landwirtschaft Frankreich überholt und nun die erfolgreichste ihrer Branche in Europa sei, eher skeptisch. Zwar seien die Exportzahlen tatsächlich sehr angestiegen, doch könne die Wertschöpfung nicht wirklich zufrieden stellen. Was die Erfolgsfrage betreffe, so sah der Präsident des Deutschen Bauernverbandes die Entwicklung seiner Sparte als durchaus richtig und sinnvoll an. Schließlich seien in der Deutschen Land- und Ernährungswirtschaft direkt 700.000 Arbeitsplätze belegt und in der vor- und nachgelagerten Industrie weitere 4 Mio. gegenüber insgesamt 3,5 Mio. in Frankreich. „Landwirtschaft ist nicht nur unverzichtbarer Teil dieses Landes und der Ernährungsbranche, sie ist auch unverzichtbarer Teil unserer Volkswirtschaft und einer jeden Gesellschaft“, hob er deren Bedeutung hervor und wünschte sich eine größere Sensibilisierung gegen Experimente und Ideologen, die die Bauern in ihrer großen jetzigen Form verteufeln. Denn ganz sicher sei kein verantwortungsbewusster Landwirt – und dazu muss er nicht Bio-Bauer sein – so kurzsichtig, dass er die Nachhaltigkeit seiner Arbeit vergisst oder Gefahr läuft, irgend einen Lebensmittelskandal zu verursachen. Das schaffen meist nur Außenseiter, die dann aus den Bauern echte Opfer machen. Denn die rackern sich ab und können doch wegen eines Skandals ebenso schnell wie unschuldig finanziell am Ende sein. Seine Haltung gegenüber „Falsch-Deklarierern“ war eindeutig und fordert Konsequenzen.




Sein Erfolgsrezept in Sachen Landwirtschaft basiert auf der Akzeptanz der Gesellschaft und damit auf dem Vertrauen der Verbraucher, dem fast zwangsläufig die richtigen politischen Rahmenbedingungen folgen würden. Als weitere Erfolgspunkte nannte er den Ehrgeiz der Bauern, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die Entwicklung ihrer Betriebe zu fördern. Letzen Punkt sah er als besonders gefährdet an. Weiter erkannte Rukwied, dass „Öko“ heutzutage in bestimmten Gesellschaftsschichten Lifestyle geworden sei, ganz einfach bedingt durch die steigende Zahl von Akademikern mit politischem Interesse. Er selbst sieht viele Probleme aufkommen durch immer mehr Einschränkungen und Forderungen in Sachen Natur- und Umweltschutz innerhalb der EG gegenüber den Deutschen.

Dabei gab er zu, dass man mit dem derzeit in Brüssel ausgehandelten stabilen Budget leben könne, „nicht mehr und nicht weniger“, und er lobte Kanzlerin Merkel für ihren Rückhalt bezüglich der Möglichkeit, die deutsche Bauern brauchen, um ihr Land wirtschaftlich bewirtschaften zu können. Vor allem regte er sich darüber auf, dass einige Länder das europäische Zusammenwirken ausschließlich finanziell ausnutzen. Dagegen sei das verlässliche politische Wirken von Alois Gerig eine echte Wohltat.

„Die Wertschöpfung muss fair verteilt sein, was unser aller enges Zusammenwirken erfordert,“ war sein Maßstab, nach dem erfolgreiche Landwirtschaft nur gelingen könne, wenn der Landwirt selbst eine positive Grundeinstellung zu und echte Freude an seinem Beruf zeige.

MdB Alois Gerig bestätigte die Aussagen seines Vorredners, auch wenn sie beide nicht immer einer Meinung seien, so zögen sie doch mit aller Kraft an einem gemeinsamen Strang, und seien meist unglücklich über die hart erkämpften Ergebnisse ihrer Bemühungen, für die sie meist ein anderes Level geplant hätten. Er beglückwünschte Rukwied zu seiner Wahl und die deutschen Bauern zu einem Präsidenten aus eigenen Reihen.

In der anschließenden Diskussion war so mancher der zahlreichen Fragesteller nicht ganz glücklich über die Antworten von Joachim Rukwied, der nichts wusste von heimlichem Landaufkauf in den neuen Bundesländern durch einen hochrangigen Kollegen, der die Aufgabe der Quotenregelung in der Milchwirtschaft mangels politischer Mehrheiten als nachvollziehbar schilderte und dem das „zweierlei Maß“ bei Untersuchungen von Produkten aus konventioneller und biologischer Erzeugung zugunsten der Bioprodukte unbekannt war. Allerdings überzeugte er in seinem Appell, an der Akzeptanz durch die Verbraucher zu arbeiten ebenso wie an der Tatsache, dass er sich mit ganzer Kraft für seine Berufskollegen in der Landwirtschaft einsetzt, wobei er die Grußwortredner voll auf seiner Seite hatte.

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2 Kommentare

  1. Der Wunsch der Verbraucher nach Gemüse ohne Pestizide und Kunstdünger sowie Fleisch ohne Antibiotika und aus artgerechter Haltung ist also nur Lifestyle? Da haben wohl einige zuviel Gülle inhaliert?

  2. „Weiter erkannte Rukwied, dass „Öko“ heutzutage in bestimmten Gesellschaftsschichten Lifestyle geworden sei, ganz einfach bedingt durch die steigende Zahl von Akademikern mit politischem Interesse.“

    ein wirrer verschwörungstheoretiker hat es bis zum bauernpräsidenten gebracht?

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