Teilhabe auch bei schwersten Behinderungen

Tagung der Fachschule für Sozialwesen am 18. und 19. April sucht nach Möglichkeiten

Mosbach. Seit Jahren werden in der Behindertenhilfe vehement die Leitziele der Selbstbestimmung, Teilhabe und Inklusion proklamiert und deren Umsetzung gefordert. Dabei wird von allen Fachwissenschaften einhellig betont, dass der Anspruch auf Selbstbestimmung, Teilhabe und Inklusion für alle Menschen gelte und damit selbstverständlich auch für Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen. Verbandsfunktionäre, Einrichtungsleiter und Verantwortliche aus der Politik wiederholen unisono die Forderungen nach „Teilhabe für alle Menschen, unabhängig von Art und Umfang des individuellen Hilfebedarfs“, nach „passgenauen Hilfen für jeden“ und den Grundsatz, dass „niemand ausgegrenzt werden darf“.

Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Nehmen Menschen mit hohem Hilfebedarf tatsächlich teil am gesellschaftlichen Leben oder leben sie eher außerhalb und immer noch abseits in Sonderwelten? Haben Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen in der Praxis wirklich ein Recht auf Selbstbestimmung und können sie dieses tatsächlich einfordern und umsetzen? Wie ist dieser Personenkreis in den Gremien, an denen Menschen mit Assistenzbedarf beteiligt sind, vertreten? Können diese Menschen sich überhaupt selbst vertreten und wer vertritt dann ihre Anliegen tatsächlich in ihrem Sinne?

Antworten will die diesjährige Fachtagung der Fachschule für Sozialwesen der Johannes-Diakonie Mosbach geben. „Teilhabe für Menschen mit schwerer Behinderung: Anspruch, Wirklichkeit und … Möglichkeiten!“ – heißt es am 18. und 19. April in der Johanneskirche. Gemeinsam mit den Referenten sollen Möglichkeiten entdeckt, Impulse gegeben und Erfahrungen ausgetauscht werden.




Zu den Referenten zählen u.a.:

Prof. Dr. em. Andreas Fröhlich, ein wegweisender Vordenker auf dem Gebiet der Arbeit mit schwer behinderten Menschen. Er wird das Eröffnungsreferat halten und sich mit den Fragen beschäftigen, was Teilhabe bedeutet und wie Teilhabe gedeutet werden kann.

Jens Ehler, ein junger Mann mit schwerer Tetraspastik, der sich nicht lautsprachlich ausdrücken kann, aber per Talker, den er mit einem Joystick und einem Knieschalter bedient. Er wird über die Bedeutung sprechen, sich mitteilen zu können, über Methoden der Gestützten Kommunikation und wie er sie erlernt hat.

Elisabeth Westhoff, Lehrerin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Buchautorin und selbst Mutter von Kindern mit Behinderung, stellt auf der Grundlage persönlicher Erfahrungen, vieler Gespräche mit Fachkräften und Angehörigen und vor ihrem fachlichen Hintergrund sie Menschen mit schweren Behinderungen und z.T. herausfordernden Verhaltensweisen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen, um sie in ihrer ganz individuellen Art zu würdigen und Wege zu zeigen, ihnen Teilhabe zu ermöglichen.

Prof. Dr. Ute Fischer hat in ihrer praktischen Arbeit als Psychologin und Supervisorin über viele Jahre Erfahrungen in Wohneinrichtungen für Menschen mit schweren Behinderungen gesammelt. Auch ihr Forschungsschwerpunkt sind Menschen mit schwerer geistiger und mehrfacher Behinderung. Sie wird über Bindung und Ablösung sprechen, wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Teilhabe.

In weiteren Referaten wird es darum gehen, wie das Wohnen und Leben von erwachsenen Menschen mit schweren Behinderungen gestaltet werden kann, um Teilhabe tatsächlich zu ermöglichen. In den Workshops sind Angebote geplant wie Basale Stimulation, Gestalttherapie nach Besems/van Vugt, Musiktherapie, Snoezelen, Tiergestützte Therapien, Bewegungsangebote bei schwerer Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten und einige weitere.

Anmeldung (bis 11. März) und Rückfragen:

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