Starker Impuls für mehr Naturschutz

Vertragsnaturschutz beinhaltet auch Chancen für die Landwirtschaft

Neckar-Odenwald-Kreis. Der Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamtes und der neu gegründete Landschaftserhaltungsverband (LEV) wollen gemeinsam mit den Landwirten im Kreis dem Naturschutz und der Landschaftspflege neuen Schwung geben. Ideen und Fördermöglichkeiten vor allem über die Landschaftspflegerichtlinie (LPR) gibt es reichlich; in zunächst drei Informationsveranstaltungen in Osterburken, Diedesheim und Buchen gingen Bernhard Heim vom Fachdienst Landwirtschaft und Matthias Jurgovsky vom LEV vor einem sehr interessierten und fleißig mitdiskutierendem Publikum darauf ein.

Heim geht ganz grundsätzlich davon aus, dass für Naturschutz und  Landschaftspflege in Zukunft noch mehr finanzielle Mittel vom Land und der EU zur Verfügung gestellt werden. „Davon kann und soll neben dem Naturschutz auch die Landwirtschaft im Neckar-Odenwald-Kreis profitieren, ein klassisches Beispiel für eine win-win-Situation“, so Heim. Gerade in weniger arbeitsintensiven Zeiten könnten Landwirte, schon von Berufswegen Fachleute im Hinblick auf die Natur und ihre Pflege, ihr Wissen und ihre Maschinen nutzen, um sich ein zweites Standbein zu sichern.   Matthias Jurgovsky, seit Januar Geschäftsführer beim LEV, ging kurz auf Sinn, Zweck und Ziele  eines LEV ein: „Wir sind ein gemeinnütziger, eingetragener Verein. Sowohl die Landwirtschaft als auch alle Städte und Gemeinden samt Landkreis und der Naturschutz sind mit im Boot.“ Der LEV setze beim Erhalt und der Pflege der Kultur- und Naturlandschaft vor allem dort an, wo es nass, trocken oder steil ist. Das sind Flächen, die für die Landwirtschaft ohnehin eher uninteressant sind.




„Ich denke da an die Nasswiesen in den Odenwaldtälern oder an die Magerrasen- und Wacholderheiden im Bauland. Auch die arbeitsintensiven Streuobstwiesen und magere, ertragsarme Wiesen sind für uns ein wichtiges Thema“, erklärte Jurgovsky, der gleich auch praktische Beispiele brachte: „Wir brauchen Leute, die gegen Bezahlung als Dienstleister tätig sind. Da kann es um einmalige Erstpflegemaßnahmen gehen wie das Entbuschen eines alten Weinberges. Wir streben aber auch 5-Jahres-Verträge an, in deren Rahmen die Vertragspartner die umfassende Pflege und/oder Nutzung dieser Flächen betreiben. Ebenfalls sehr interessiert sind wir an Dienstleistungen wie dem qualifizierten Baumschnitt alter Streuobstbäume, wie man das in der ebenfalls vom Landratsamt angebotenen Fachwartausbildung für Obst- und Gartenbau lernen kann, oder am Angebot bestimmter Arbeiten mit einer Motorsense oder einem Balkenmäher.“ Bernhard Heim hatte zuvor schon die „Neuanlage von Biotopstrukturen“ auf eigenen Flächen angesprochen, um unter anderem eine „ökologische Aufwertung“ zu erreichen.

Damit alles seine Richtigkeit hat, bereitet der LEV bzw. Matthias Jurgovsky Projekte und entsprechende LPR-Verträge vor. Landespfleger Thomas Fichtner und Renate Roth vom Fachdienst Landwirtschaft übernehmen dann, prüfen und bearbeiten bis zur Auszahlung.

„Jetzt kann es wirklich losgehen“, so Bernhard Heim „Wir haben die Fachleute, LPR-Mittel stehen zur Verfügung und wir sind überzeugt vom Nutzen entsprechender Projekte. Der Landwirtschaft bleiben die „guten“ Flächen für die Produktion und gleichzeitig können die für den Naturschutz wichtigen Potentialflächen so gepflegt werden, dass sich die geschützten Lebensräume gut entwickeln. Mit einem Nebenverdienst für die Landwirte.“

Folgerichtig reagierten die Landwirte aufgeschlossen und positiv. Etliche haben ohnehin bereits gute Erfahrungen mit LPR-Verträgen gemacht und wollen dabei bleiben. „Nur gemeinsam können wir gute und nachhaltige  Ergebnisse erzielen“, gaben Heim und Jurgovsky den Gästen mit auf den Weg.

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