Kriminalstatistik Neckar-Odenwald-Kreis 2012

Straftatenaufkommen auf niederem Niveau – immer weniger Jugendliche werden kriminell

 

Kriminalstatistik

(Grafik: Polizei)

Neckar-Odenwald-Kreis. Erneut auf einem niederen Niveau bewegt sich die Zahl der für den Neckar-Odenwald-Kreis im Jahr 2012 registrierten Straftaten. 4.644 Straftaten wurden bei der Polizei erfasst, dies sind 279 Straftaten mehr (+6,4 Prozent) als im Jahr zuvor, in welchem diese einen historischen Tiefststand erreicht hatten. Einen leichten Anstieg hat demzufolge die Kriminalitätsbelastung erfahren, die bei 3.177 Straftaten pro 100.000 Einwohner liegt (Vorjahr: 2.969). Die Kriminalitätsbelastung im Land Baden-Württemberg liegt bei 5.317 Straftaten pro 100.000 Einwohner. „Trotz des leichten Mehraufkommens bei den Straftaten belegt der Neckar-Odenwald-Kreis was die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger anbetrifft im Landesvergleich traditionell einen der vorderen Plätze. So steht der Landkreis in einem landesweiten Ranking im Jahr 2012 an vierter Stelle,“ sagt der Leiter der Polizeidirektion Mosbach, Kriminaldirektor Martin Simon bei der Bekanntgabe der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2012.

2.758 der erfassten Straftaten konnten geklärt werden, so dass von der Polizeidirektion Mosbach eine Aufklärungsquote von 59,4 Prozent (Vorjahr: 64,0 Prozent) erzielt werden konnte. Im Landesdurchschnitt  liegt die Aufklärungsquote bei 57,7 Prozent. „Dieser Rückgang ist unter anderem auf sinkende Zahlen bei Delikten mit regelmäßig hoher Aufklärungsquote wie den Vermögens- und Fälschungsdelikten und auf einen Anstieg bei den Sachbeschädigungen und Einbrüchen zurückzuführen“, erläutert Martin Simon.

Weiter geschrumpft ist im Jahr 2012 die Zahl der Tatverdächtigen sowie die Tatverdächtigenbelastungszahl. Mit 2.142 Tatverdächtigen (Vorjahr: 2.245) liegt die Tatverdächtigenbelastungszahl, d. h. die Anzahl der Tatverdächtigen pro 100.000 Einwohner bei 1.566 (Vorjahr: 1.633). Im Land liegt diese bei 2.280. „Äußerst positiv ist, dass immer weniger Kinder und Jugendliche kriminell werden. 76 Kinder und 253 Jugendliche sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik als Tatverdächtige ausgewiesen, das sind die geringsten Zahlen seit mehr als 10 Jahren,“ freut sich Simon. Dass dieser Rückgang nicht auf den demografischen Wandel unserer Gesellschaft zurückzuführen ist, wird bei der Betrachtung der Tatverdächtigenbelastungszahl deutlich: Im Jahr 2012  lag diese bei den tatverdächtigen Kindern bei 829 (Vorjahr: 1.037), bei den tatverdächtigen Jugendlichen bei 3.788 (Vorjahr: 3.848).

Um 2,5 Prozentpunkte erhöht hat sich der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen, der bei 20,7 Prozent liegt. Im Vorjahr lag deren Anteil noch bei 18,2 Prozent.

Ein Tötungsdelikt war zu bearbeiten

Lediglich ein Tötungsdelikt wurde im Jahr 2012 statistisch erfasst. Bei diesem handelt es sich um den Mord an Sabine Jauch, die am 23.12.11 tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden war, und umfangreiche und lang andauernde Ermittlungen der zur Klärung des Falles eingerichteten Sonderkommission Mühlwiese zur Folge hatte. Im Spätjahr 2012 konnte in diesem Zusammenhang ein Tatverdächtiger ermittelt werden, der sich derzeit noch in Untersuchungshaft befindet. Im Vorjahr musste die Kriminalpolizei wegen drei Straftaten gegen das Leben Ermittlungen durchführen.




Weniger Sexualstraftaten

Mit 29 Straftaten hat sich im Jahr 2012 die Zahl der zur Anzeige gebrachten Sexualdelikte im Vergleich zum Vorjahr (55 Straftaten) nahezu halbiert. Bei sechs dieser Fälle wurden Ermittlungen wegen Vergewaltigung/sexueller Nötigung (Vorjahr: 13) durchgeführt, bei sieben Taten handelte es sich um den sexuellen Missbrauch von Kindern (Vorjahr: 17). Ebenfalls rückläufig war mit fünf Fällen die Zahl des Besitzes bzw. des Verschaffens von Kinderpornografie (Vorjahr: 11).

Anstieg bei der Diebstahlskriminaliät – Mehr Wohnungs- und Firmeneinbrüche

Nachdem die Diebstahlskriminalität im Jahr 2011 in einem Zehnjahresvergleich mit 1.359 Straftaten einen Tiefststand erreicht hatte,  war im Jahr 2012 mit 1.580 Straftaten wieder ein Anstieg (+16,3 Prozent) festzustellen. Während dieser beim einfachen Diebstahl bei 1.080 erfassten Fällen mit 11,1 Prozent zu Buche schlägt, ist beim schweren Diebstahl mit 500 erfassten Taten eine Zunahme von 29,2 Prozent zu verzeichnen.

Deutlich zugenommen haben die unter den schweren Diebstahl fallenden Einbrüche in Firmengebäude, deren Zahl sich mit 96 erfassten Fällen im Vergleich zum Vorjahr (48 erfasste Fälle) nahezu verdoppelt hat. So war es im Zeitraum von April bis Mai im Landkreis zu einer Einbruchsserie in mittelständische Unternehmen gekommen, bei denen Wertschränke aufgeflext worden waren. In diesem Zusammenhang konnte ein kroatischer Tatverdächtiger ermittelt werden, der bereits verurteilt worden ist und sich in Haft befindet. Zu einer weiteren Einbruchsserie war es in den Monaten August und September gekommen. Zielobjekte waren hierbei Verkaufsräume und Handwerksbetriebe. Auch in diesem Zusammenhang konnten vier Personen ermittelt werden, die in Verdacht stehen für die Einbrüche verantwortlich zu sein.

Ebenfalls erhöht hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche. 69 Wohnungseinbrüche wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst – dies sind 11 Einbrüche mehr als im Jahr zuvor.  Bei 23 dieser Taten handelte es sich um sogenannte Tageswohnungseinbrüche (Vorjahr: 12). „Bedeutend hierbei ist, dass wir bei den Wohnungseinbrüchen, bei denen es äußerst schwierig ist, Tatverdächtige zu ermitteln, eine Aufklärungsquote von 24,6 Prozent erzielen konnten und somit weit über dem Landesdurchschnitt von 12,7 Prozent liegen,“ erläutert Martin Simon. „In diesem Zusammenhang möchte ich auf unsere Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle hinweisen, wo sich die Bürgerinnen und Bürger kostenfrei zum Thema Einbruchsschutz informieren können. Dabei sind nach entsprechender Terminvereinbarung auch Beratungsgespräche direkt vor Ort möglich, bei welchen den Interessenten die Schwachstellen ihrer Gebäude aufgezeigt und die Möglichkeiten eines verbesserten Einbruchschutzes aufgezeigt werden,“ so Simon weiter.

Wenig Veränderung bei der Gewaltkriminalität

Wenig Veränderung gab es bei der Gewaltkriminalität. Zur Gewaltkriminalität zählen Delikte wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung etc. In diesem Deliktsbereich wurden 2012 153 Straftaten registriert (Vorjahr: 146). Bei 110 dieser Straftaten handelt es sich um den Straftatbestand der gefährlichen bzw. schweren Körperverletzung, die im Vorjahr mit 97 Fällen im Zehnjahresvergleich einen Tiefstand erreicht hatten.

Mit 35 Fällen und somit drei mehr als im Vorjahr schlagen bei der Gewaltkriminalität Raubtaten zu Buche. Jeweils ein schwerer Raub ereignete sich im Juni 2012, als ein unbekannter Täter eine Bäckereifiliale in Unterschwarzach überfallen und Bargeld erbeutet hat, und im November 2012 in Walldürn, wo der Fahrer eines Paketdienstes von zwei Unbekannten überfallen worden war. Beide Taten konnten bislang nicht geklärt werden.

Wegen einer räuberischen Erpressung auf ein Geldinstitut musste in einem Fall ermittelt werden. Es handelte sich hierbei um den Überfall auf eine Bankfiliale in Aglasterhausen. Bereits kurz nach der Tat konnte der Täter im Rahmen der Fahndung festgenommen werden.

Nicht unter den Begriff der „Gewaltkriminalität“ fällt in der polizeilichen Kriminalstatistik die vorsätzliche leichte Körperverletzung. Bei diesem Straftatbestand wurden im Jahr 2012 insgesamt 411 Fälle registriert, 10 weniger als im Vorjahr. „Positiv ist es zu bewerten, dass sich bei einer Gesamtbetrachtung der leichten sowie der schweren und gefährlichen Körperverletzung – im Jahr 2012 wurden hier 546 Straftaten (Vorjahr: 540) registriert – die sich ab dem Jahr 2010 einstellende Trendwende fortgesetzt hat. Im Jahr 2009 hatten wir bei der Körperverletzung noch 100 Fälle mehr,“ teilt Kriminaldirektor Simon mit und verweist dabei auf eine mögliche Wirkung der im Rahmen der Kommunalen Kriminalprävention initiierten Projekte insbesondere gegen den Alkoholmissbrauch, der gerade bei Straftaten wie der Körperverletzung häufig eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Deutlicher Anstieg bei der Straßenkriminalität

Wenig erfreulich hat sich im Jahr 2012 die Straßenkriminalität entwickelt. Unter Straßenkriminalität zählen all jene Straftaten, die im öffentlichen Raum begangen werden. Während im Vorjahr 709 hierunter fallende Delikte zur Anzeige gelangten, steigerte sich diese Zahl auf 885 Delikte (+24,8 Prozent) im Jahr 2012. Ursächlich hierfür ist in erster Linie eine Zunahme bei den Sachbeschädigungen. „Es ist erschreckend, wenn man feststellen muss, dass fremdes Eigentum von vielen nicht geachtet wird. Nur zum „Spaß“ oder um Frust abzubauen werden fremde Sachen sinnlos beschädigt oder gar zerstört. Dass hierbei auf Andere bzw. die Allgemeinheit oft hohe Kosten zukommen, scheint den Tätern gleichgültig zu sein. Leider gelingt es diesen häufig unerkannt zu entkommen,“ sagt Simon.

Vermögens- und Fälschungsdelikte weiterhin rückläufig

Wie bereits im Vorjahr waren die Vermögens- und Fälschungsdelikte auch im Jahr 2012 weiter rückläufig. 753 Straftaten wurden in diesem Deliktsbereich registriert, im Jahr 2011 waren es noch 784. Allerdings mussten 2012 im Landkreis vermehrt sogenannte „Schockanrufe“ verzeichnet werden, die meist von bandenmäßig agierenden russischen und litauischen Tätergruppierungen erfolgen und bei denen die Angerufenen um ihr Bargeld gebracht werden. In diesem Zusammenhang konnten nach aktuellen Taten im Juni ein Tatverdächtiger und im Juli drei Tatverdächtige vorläufig festgenommen werden. 

Auch das Verbreiten von Falschgeld war im Jahr 2012 ein polizeiliches Thema. So waren zwischen Anfang Juni und Ende Juli überwiegend im Raum Buchen/Walldürn/Hardheim mehrere falsche 50.- und 100.- Euro-Scheine von einer zunächst unbekannten Person in Umlauf gebracht worden. Nach umfangreichen Ermittlungen konnte  ein Tatverdächtiger  ermittelt werden, der mittlerweile bereits verurteilt worden ist.

Mehr Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz

Mehr Straftaten im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln wurden im Jahr 2012 von der Polizei bearbeitet. Während bei der Rauschgiftkriminalität im Vorjahr 177 Fälle zur Anzeige gelangten, waren es im Jahr 2012 226 Fälle (+27,7 Prozent). Sowohl im Bereich des illegalen Handels und Schmuggels als auch bei einfachen Verstößen waren die Ermittler erfolgreich, so dass vermehrt Verstöße gegen das BtMG aufgedeckt werden konnten. Keine Rolle spielte im Landkreis die Beschaffungskriminalität.

Anstieg bei der Internetkriminalität

Mit 192 erfassten Straftaten (Vorjahr: 132) hat die Internetkriminalität eine Steigerung von 45,5 Prozent  erfahren. Die Internetkriminalität umfasst alle Straftaten, bei denen das Internet als Tatmittel eine Rolle spielte. Überwiegend handelte es sich hierbei um Betrugstaten.

Präventionsaktivitäten

Über die Jahre hinweg spielt die Kriminalprävention eine wichtige Rolle im Landkreis. Auch im Jahr 2012 wurden daher die bereits in den Vorjahren gemeinsam mit den Kooperationspartnern initiierten Projekte fortgeführt bzw. modifiziert.



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Dem Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche entgegenwirken

Einen Schwerpunkt bildet nach wie vor das Thema Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Suchtprophylaxe“ wurden wie bereits in den Vorjahren sogenannte „Alterskontrollscheiben“ an Tankstellen, Supermärkte und den Getränkehandel verteilt um dem Verkaufspersonal ein Hilfsmittel für die Altersberechnung der Alkoholkäufer zur Verfügung zu stellen.

Um die Einhaltung der gesetzlichen  Bestimmungen im Hinblick auf den Verkauf von Alkohol an Kinder und Jugendliche zu überprüfen wurden gemeinsam mit dem Landratsamt des NOK zum wiederholten Male Alkoholtestkäufe durchgeführt. Bei 37 Verkaufsstellen wurden Alkoholtestkäufe getätigt. Hierbei kam es zu einer Beanstandungsquote von 27 Prozent, was sowohl für das Kassenpersonal als auch für die Betreiber mit teils empfindlichen Bußgeldern verbunden war.

Ebenfalls dem Thema Alkoholmissbrauch widmete sich die Kampagne „bunt statt blau“, die in Kooperation mit der DAK Mosbach durchgeführt wurde und an der sich zahlreiche Schulen im NOK beteiligt hatten.

Zur Erleichterung der Alterskontrolle bei öffentlichen Festen und Veranstaltungen wurden im Rahmen des Projekts der Kommunalen Kriminalprävention „Feste feiern – aber richtig“ durch das Landratsamt des NOK mittlerweile 400.000 Armbändchen an die Verantwortlichen solcher Veranstaltungen verkauft.

Handlungsstrategien für eine gewaltfreie Konfliktlösung werden aufgezeigt

Wie man bedrohliche Situationen frühzeitig erkennt und Konflikte gewaltfrei lösen kann, vermitteln „Gewaltschutztrainer“ bei ihren Selbstbehauptungskursen an Schulen, bei Vereinen oder interessierten Berufsgruppen. Hierzu wurden die Gewaltschutztrainer  bei der Polizeidirektion Mosbach geschult und weiter fortgebildet. Nahezu 800 Personen – darunter 700 Kinder – nahmen mittlerweile an diesen Selbstbehauptungskursen teil. 

Medienkompetenz wird vermittelt

Fortgeführt wurde auch im Jahr 2012 das Teilprojekt „Neue Medien – Fluch oder Segen“, bei dem die erforderlich Medienkompetenz vermittelt werden soll. Seit dem Projektstart im Jahr 2009 nahmen bislang ca. 3.500 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche Eltern und Lehrkräfte an den angebotenen Veranstaltungen teil.

 

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