TSV Mudau feiert besonderes Jubiläum

Heinz Janalik: „Verdummung der Menschen“ entgegen wirken

500 150 Jahre TSV Mudau Ehrenmitglieder

Die neuen Ehrenmitglieder des TSV Mudau. (Foto: Liane Merkle)

Mudau. (lm) „Ganz schön alt ist er geworden mit seinen 150 Jahren, und doch präsentiert er sich unglaublich jung und dynamisch“, das war dem Grußwort von MdL Georg Nelius zu entnehmen und es beschrieb die bunte, kurzweilige und angemessene Jubiläumsfeier des Vereins in der Odenwaldhalle. Musikalisch umrahmt von der Odenwälder Trachtenkapelle mit Dirigent Ralph Müller sowie von einem eigens dafür gegründeten Projektchor, bestehend aus Juniorenmannschaften und AH, die neben dem Vereinslied „Rot und Weiß“ auch einige bekannte Fußballlieder zu Gehör brachten. Visuell bereichert durch die temperamentvollen Einlagen der „Mudauer Tanzfabrik“ unter Choreografie von Jasmin Mechler, die damit gleichzeitig auf die Jubiläumsveranstaltung „Mudau tanzt“ am 28. Juni einstimmten und kabarettistisch aufgewertet durch Timo Huberty und Michael Volk, alias Timer und Nudel, die mit Auszügen aus dem schon mental vorliegenden Jahrbuch zum 200. Jubiläum begeisterten.

Dem Anlass entsprechend waren zu der Feier zahlreiche Ehrengäste erschienen und so konnte 1. Vorsitzender Ralf Hauk in der mit Freunden, Mitgliedern und Gönnern voll besetzten Odenwaldhalle u.a. Heinz Janalik als Präsident des Badischen Sportbunds und Festredner des Abends, Buchens Sportkreisvorsitzenden Manfred Jehle, Karl-Josef Schäfer als Vizepräsident des Badischen Fußballverbands, Fußballkreisvorsitzenden Klaus Zimmermann, MdB Alois Gerig, MdL Georg Nelius, Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger und die Ehrenmitglieder Erwin Volk und Franz Gieswein begrüßen bevor Reiner Kistner und Rolf Mechler die humorvolle Vorstellung des TSV Mudau und seines druckfrischen Festbuchs zum 150-jährigen Bestehen übernahmen.

Dabei wurde deutlich, dass beim TSV zwar Feste gefeiert, aber auch unheimlich feste gearbeitet wird. Denn in der jüngeren Vergangenheit ist es der Vorstandschaft mit ihren vielen aktiven Mitgliedern gelungen, gleichzeitig den Spielbetrieb und die Jugendarbeit aufrecht zu erhalten und in weitgehender Eigenleistung das in die Jahre gekommene Sportheim grundlegend zu sanieren und zu erweitern und auch noch unter Redaktion von Manfred Grimm, Ralf Hauk und Scheiwein Mediengestaltung ein über 150 Seiten umfassendes und attraktives Jubiläumsbuch zu erstellen.




In Auszügen berichteten sie von den schwierigen Anfängen, als 19 Sportbegeisterte 1863 den „TV Jahn“ gründeten und schon drei Jahre später zur Feuerwehr „zwangsintegriert“ wurden, bevor sie sich wieder auflösten. Die Gründungsgeschichte scheint große Ähnlichkeit zu haben mit den sportlichen Erfolgen in den späteren Jahren nach Gründung der Fußballabteilung. Ein ständiges Auf- und Ab, wobei man es zeitweise und zum letzten Mal 2003 in die Landesliga schaffte, sich dort aber nie lange halten konnte. Doch stolz konnten die beiden Moderatoren die Mudauer Fußballgrößen erwähnen, die weit über die Region hinaus bekannt waren und dass rüpelhaftes Benehmen kein Privileg der heutigen Zeit ist, zeigte die Überlieferung eines Medienberichtes: „Es geht nicht an, dass Gastspieler und Schiedsrichter als Freiwild behandelt werden“.

Das Buch zeigt aber auch wie wichtig im TSV von je her die Jugendarbeit war durch die unglaublichen Erfolgsserien der A-Jugend in der Badenliga. Allein 1966 schaffte die A-Jugend 130 Tore und die Hälfte davon schoss der heutige Ortsvorsteher Klaus Erich Schork. Und mit seinem jahrelang ausgetragenen Pfingstturnier holte des TSV Mudau nicht nur rd. 400 Jugendspieler, sondern auch Europa in den Odenwald. Die Verbindungen daraus sind noch heute spürbar. Als weitere Event-Highlights des Vereins sind der Odenwälder Herbstlauf und die vergnüglichen „Stadtmeisterschaften“ mit zahlreichen Fotos in dem Buch aufgeführt.

Ein wichtiges Kapitel beschäftigt sich mit den kürzlich abgeschlossenen umfangreichen Sanierungsarbeiten am Sportheim, das sich Dank tausender ehrenamtlich geleisteter Stunden nun absolut zeitgemäß und einladend präsentiert.

Abschließend dankten die Moderatoren allen, die zum erhältlich sein wird. Doch vergnüglich setzte sich der Abend fort mit der temperamentvollen Festrede von Heinz Janalik, der das Selbstbewusstsein der TSVler aus „Mudau, der Perle des Odenwalds im Dreiländereck“ hervorhob und den Verein als 150 Jahre alten Diamanten bezeichnete, an dem unzählige Menschen gestaltet, geschliffen und gearbeitet hätten. Wie die Grußwortredner dankte auch er den Gründungsvätern und allen nachfolgenden Funktionären für ihre wertvolle und weitsichtige Arbeit bevor er kurz, aber lebhaft auf die Vereinschronik mit allen Höhen und Tiefen einging. Doch das Hauptaugenmerk legte er auf die anstehenden Probleme aller Sportvereine wie z.B. der partielle Mitgliederschwund in den Altersgruppen 14 bis 15 und ab 47 Jahre, weniger finanzielle Mittel, zu schnelle Trainer- und Spielerwechsel, Bevorzugung selbst organisierter Sportmöglichkeiten, Rekrutierung des ehrenamtlichen Nachwuchses, auswachsende Bürokratisierung, in die Jahre kommende Sportstätten, Anpassung an die ständig wechselnde Schullandschaft und ein unverhältnismäßiges Anspruchsdenken der Menschen. „Wir verdummen, wenn wir nicht aufpassen“ machte Janilek deutlich und erläuterte, dass nur die Konsumenten selbst – und die Vereine in Vorbildfunktion – das Ruder herumreißen, den Werteverlust  und die Verdummung aufhalten können. „Kommerz vernichtet Herz“ war seine Devise und er empfahl dringend, dass das Positive von den Menschen geschaffen werden sollte, die den Sport ausüben und repräsentieren, denn gerade der Massensport Fußball könne hier vieles bewirken.

Bilderstrecke zum Artikel – (Fotos: Liane Merkle)

[nggallery id=24]

Zu diesem Ergebnis kamen auch die Grußwortredner neben ihren Glückwünschen und dem Lob für den engagierten Verein. Selbstverständlich nutzten der 1. Vorsitzende Ralf Hauk und sein Stellvertreter Ralf Ebert den feierlichen Rahmen, um langjährige und verdiente Mitglieder auszuzeichnen. Für 15 Jahre Mitgliedschaft erhielten die silberne Ehrennadel Carlo di Lenarda, Hubert Damm, Matthias Hemberger, Matthias Henrich, Klemens Herkert, David Lehmann, Andreas Unseld und Steffen Weinlein. Die Ehrennadel in Gold wurde für 30jährige Mitgliedschaft überreicht an Michael Maier, Joachim Knapp, Manfred Kolb, Siegfried Meixner, Jürgen Noe, Ralf Schäfer, Stefan Schäfer, Ralf Schröpfer und Edgar Späth. Mit einem Weinpräsent samt entsprechender Urkunde dankte die Vorsitzenden Rainer Bönig, Siegfried Bürkle, Harald Grimm, Georg Häfner, Werner Sämann, Manfred Schell, Klemens Schork und Wolfgang Weidner für 40 treue Mitgliedsjahre. Für 50 Jahre treue Verbundenheit fiel das Präsent ein wenig größer aus und wurde übergeben an Josef Friedel, Manfred Grimm, Kurt Henn, Bernhard Müller und Alfred Plattek. Mit Sekt wurde Walter Lorenz, Bernhard Mai und Karl Schlär für 60 treue Jahre im TSV Mudau gedankt, was Kurt Müller mit 65 engagierten und interessierten Jahren der Verbundenheit noch toppte. 112 Jahre Ehrenamt und fast 150 Jahre Mitgliedschaft hatte die Mitgliederversammlung mit dem Wunsch nach Ernennung von Helmut Klutz, Gerald Hemberger und Harald Grimm zu Ehrenmitgliedern des Vereins zum Ausdruck gebracht.

Und Fußballkreisvorsitzender Klaus Zimmermann würdigte die Verdienste von Gerald Hemberger in 30 Jahren aktiver Fußballkarriere mit der Spielerehrennadel in Gold, die 20 Jahre von Wolfgang Seitz mit der Spielerehrennadel in Silber. Mit einem Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass sich der TSV Mudau heute so aktiv und attraktiv präsentieren kann und der Abend als voller Erfolg zu werten sei, schlossen Ralf Hauk und Ralf Ebert den offiziellen Teil des Abends. 

500 150 Jahre TSV Mudau Rahmenprogramm

Auch das Rahmenprogramm passt zum Anlass. (Foto: Liane Merkle) 

Infos im Jubiläum:

www.tsv150.de  

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de



Artikel empfehlen: