Seckach investiert in Hochwasserschutz

Hochwasserschutz Seckach

Unser Bild zeigt von links: Thomas Gellner (Fa. Lintz & Hinninger), Joachim Müller (Büro Wald+Corbe), Roland Bangert (Gemeinde Seckach) sowie Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Bürgermeister Thomas Ludwig. (Foto: Liane Merkle)

Seckach. (lm) Zwar sind die Seckacher durchaus erfahren, was Hochwasser betrifft, dennoch sind die Schrecken der Hochwasserereignisse 1993 und 1995 bis heute unvergessen. Und sie hatten auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Ekkehard Brand die Gründung des Zweckverbands „Hochwasserschutz Einzugsbereich Seckach/Kirnau“ mit den Mitgliedskommunen Adelsheim, Ahorn, Buchen, Möckmühl, Osterburken, Roigheim, Rosenberg und Seckach zur Folge, um den technisch wirksamsten Schutz aufbauen zu können.

Die Aufgabe des Verbandes besteht darin, mittels entsprechender Schutzbauwerke ein rechnerisch alle 100 Jahre vorkommendes Hochwasserereignis schadensfrei durch sämtliche Ortslagen zu leiten. Das Investitionsprogramm des Verbandes sah hierfür den Bau von 15 überörtlich wirkenden Hochwasserrückhaltebecken und rd. 65 ergänzenden Maßnahme in den Ortslagen vor; 14 dieser Becken und rd. 20 örtliche Maßnahmen sind bereits voll in Betrieb bzw. errichtet. Grundlage aller Maßnahmen ist die gebietliche Schutzkonzeption, welche in den Jahren 1995 – 1997 auf der Basis einer Flussgebietsuntersuchung erstmals erstellt worden war und aufgrund der zunehmenden Starkregenereignisse von 2009 bis 2012 überarbeitet werden musste.




Hierbei und bei allen Baumaßnahmen steht dem Zweckverband und den Kommunen seit dem ersten Tag das Ingenieurbüro Wald+Corbe als äußerst kompetenter und engagierter Partner zur Seite“, lobte Bürgermeister Thomas Ludwig im Rahmen des offiziellen Spatenstichs für die ergänzenden Hochwasserschutzmaßnahmen in der Ortslage Seckach, der durch Gehölzpflegearbeiten im Februar und große Erdbewegungen seit Ende April bereits angekündigt war und im Beisein von Bürgermeister und Verbandsvorsitzendem Thomas Ludwig, Dipl.-Ing. Joachim Müller, des technischen Leiters der Baufirma Thomas Gellner sowie Bautechniker Roland Bangert von der Gemeindeverwaltung in der Industriestraße stattfand.

Im Detail erläuterte der Bürgermeister die vier Bereiche der Maßnahmen. Erstens werde im Bereich der Hinteren Gasse ein ca. 130 Meter langer Schutzdamm parallel zur Seckach mit Anbindung an die bestehende Böschung auf der vorhandenen Grünfläche geschüttet. Zweitens soll am Zufluss des Hiffelbachs in die Seckach die Bebauung durch eine rd. 90 m lange Stahlbetonmauer, eine rd. 15 m lange Blocksatzwand sowie eine Fußmauer auf der Brücke Mittelgasse geschützt werden. Zusätzlich wird das Gewässerbett des Hiffelbachs in diesem Abschnitt geringfügig nach Westen verschoben und die bereits stark erodierte östliche Gewässerböschung saniert und abgeflacht. Der Böschungsfuß wird mittels einer Steinschüttung gesichert Drittens erfolgt oberhalb der Brücke Industriestraße eine geringfügige Aufweitung des Hochwasserbetts der Seckach am linken Ufer.

Der dort von der Seckach beschriebene bogenförmige Verlauf wird genutzt, um im Hochwasserfall einen vergrößerten Fließquerschnitt bereitzustellen und gleichzeitig eine Aufwertung des Gewässers herbeizuführen. Auf rd. 200 m wird linksseitig eine Verwallung geschüttet. Und viertens wird unmittelbar unterhalb der Brücke Industriestraße am rechten Ufer der Seckach das Vorland auf einer Länge von etwa 190 m und einer Breite von rd. 15 m abgegraben. Dadurch wird der Hochwasserabflussquerschnitt vergrößert und die Wasserspiegellage reduziert. Die am Ufer stehenden Erlen werden auf den Stock gesetzt, ausgegraben und in den neuen Uferbereich versetzt. Das im Mittelwasserbereich verbleibende Seckachufer wird mit wechselnden Böschungsneigungen, lokalen Verbreiterungen und Schotterbänken abwechslungsreich gestaltet. Dies sorgt für wechselnde Fließgeschwindigkeiten und eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Fische und Amphibien. Linksseitig der Seckach wird zum Schutz der Bebauung auf einer Gesamtlänge von etwa 150 m eine Stahlbetonmauer und ein Schutzdamm errichtet.

Zusätzlich werden im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen die im innerörtlichen Seckach-Verlauf vorhandenen ca. 20 – 40 cm hohen Sohlschwellen umgebaut und angepasst, um dadurch die ökologische Durchgängigkeit der Seckach für Fische und Kleinlebewesen zu verbessern. Für diese Großmaßnahme musste nach Aussage des Bürgermeisters der Grunderwerb sichergestellt werden, was Dank der konstruktiven Mitwirkung der Anlieger auch größtenteils gelungen sei. Nur in einem Bereich war eine Umplanung erforderlich, die einen Zeitverlust von rd. einem Jahr bescherte. Doch im letzten Dezember konnte die Verbandsversammlung endlich die Vergabe der Arbeiten an die Fa. Lintz & Hinninger aus Mosbach vornehmen.


Der Auftragsumfang beläuft sich auf rd. 580.000 Euro, das gesamte Vorhaben ist mit 950.000 Euro veranschlagt, wovon die Fachförderung und der Gemeindeausgleichstock über 80 Prozent abdecken. Zusammen mit den Maßnahmen in der Ortslage Seckach hat die Verbandsversammlung in ihrer Dezembersitzung auch die Arbeiten für die ergänzenden Hochwasserschutzmaßnahmen in der Ortslage Zimmern vergeben. Da in Zimmern aufgrund der engen Tallage kein baulicher Hochwasserschutz am Gewässer selbst möglich ist, sind hier Objektschutzmaßnahmen an den einzelnen Gebäuden, sog. Dammbalkenverschlüsse, vorgesehen. Diese Dammbalken werden in senkrechten Schienen geführt und gehalten und nur im Hochwasserfall als mobile Hochwasserdämme eingesetzt. Die mit dem Auftrag betraute Fa. Konrad Bau GmbH & Co KG aus Lauda-Königshofen produziert die benötigten Teile derzeit werksseitig. Mit dem Setzen der Schienen und der Lieferung der Dammbalken kann bis zum Sommer dieses Jahres gerechnet werden. Das Vorhaben ist mit rd. 110.000 Euro veranschlagt und wird ebenfalls mit über 80 % bezuschusst. Abschließend dankte Ludwig allen, die sich in irgendeiner Weise – ob planerisch, baulich, finanziell oder als geduldige Anlieger – in die Maßnahme eingebracht hatten. 

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