Keiner fällt durchs Netz

Limbach. „Mitten drin im Odenwald“ tagte der Jugendhilfeausschuss. So jedenfalls lokalisierte Bürgermeister Bruno Stipp seine gastgebende Gemeinde Limbach bei der Begrüßung der Ausschussmitglieder. Nachdem er kurz auf die Situation der Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Limbach – „wir glauben an die Zukunft, deshalb investieren wir in unsere Kindergärten und Schulen“ – eingegangen war, eröffnete Landrat Dr. Achim Brötel die eigentliche Sitzung.
Ein „guter, wichtiger Beschluss“ stand am Ende des ersten Tagesordnungspunktes: die Überführung des zunächst zeitlich befristeten Projekts „Keiner fällt durchs Netz“ in ein künftig regelhaftes Angebot. Im Rahmen dieses Projektes werden Mütter mit Kleinkindern im ersten Lebensjahr betreut, um so jugendhilferelevante Problemlagen erst gar nicht entstehen zu lassen. Ziel ist die Identifikation und der frühe Zugang zu belasteten Familien. „Mit diesem bewusst frühen Zugang und der Vernetzung aller Professionen und Organisationen, die in irgendeiner Form mit Schwangerschaft und junger Familie zu tun haben, haben wir ausgesprochen positive Erfahrungen gemacht“, erklärte der Landrat. Dazu kommt aktuell die Möglichkeit einer Kofinanzierung durch den Bund. Dass das Projekt ein „unverzichtbarer Teil aktiver Jugendhilfepolitik“ ist, sahen auch die Ausschussmitglieder so; die Umwandlung in ein Regelangebot wurde einstimmig beschlossen.


Die Aufstellung der Vorschlagsliste zur Wahl der Jugendschöffen für die Jugendkammer beim Landgericht Mosbach und für das Jugendschöffengericht Mosbach ist eine Aufgabe des Jugendhilfeausschusses. Die eigentliche Entscheidung trifft allerdings der Schöffenwahlausschuss. Die vorliegende Vorschlagsliste enthält regelmäßig von den Gemeinden benannte „geeignete Personen“; sie wurde von den Ausschussmitgliedern ohne Änderungs- oder Ergänzungswünsche übernommen und wird dem Schöffenwahlausschuss zur Entscheidung vorgelegt.

„Wir biegen auf die Zielgerade ein und es ist an der Zeit, ein Zwischenbilanz zu ziehen“, erklärte Dr. Brötel im Hinblick auf den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, den alle Eltern von unter 3-jährigen Kindern in Deutschland ab dem 1. August 2013 haben. Das Ergebnis nahm der Landrat gleich vorweg: „Wir dürfen ein uneingeschränkt positives Resümee ziehen, wenngleich natürlich immer Luft nach oben ist.“ Damit nahm er Bezug auf die „gewaltige Leistung“ von Städten und Gemeinden, sowie Kirchen und freien Trägern hinsichtlich der ganz allgemeinen Bereitstellung von flexibel ausgestalteten Kinderbetreuungsplätzen: „Hier hat sich das Bild komplett gewandelt.“ Als Beispiel nannte er die Anzahl der Plätze für unter Dreijährige, die von 121 in 2005 auf 822 gestiegen sind. Auch wenn es noch „Baustellen“ gerade im Randzeitenbereich, in der Ferienbetreuung oder bei der Tagespflege gäbe, so dürfe man sich über das Erreichte freuen. Ein Lob ging diesbezüglich auch an Bund und Land, die viel Geld in das System gegeben hätten. „Die Entwicklung wird weiter gehen, denn die Vereinbarung von Familie und Beruf ist zu einem zentralen Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Städten und Gemeinden geworden. Allerdings ist immer auch die individuelle Bedarfslage mitentscheidend. Es macht keinen Sinn, mit viel öffentlichem Geld starre Quoten zu erfüllen, wenn das Angebot vor Ort gar nicht nachgefragt wird,“ erklärte der Landrat. Peter Maurus, Geschäftsführer der AWO Neckar-Odenwald, sah hier noch Defizite und appellierte an einen weiteren Ausbau vor allem flexibler Betreuungsplätze: „Frauen in bestimmten Berufen wie in der Pflege und damit auch ihre Arbeitgeber sind dringend darauf angewiesen.“
In der Folge informierte der Landrat die Ausschussmitglieder über die Organisationsuntersuchung durch die Gemeindeprüfungsanstalt Baden-Württemberg im Geschäftsbereich Jugend des Landratsamtes, die einen Mehrbedarf an Personal ergeben hat. „Nach dem Untersuchungsergebnis ist unserer Arbeitsorganisation gut, aber ständig steigende und immer komplexer werdende Fälle im Bereich der Jugendhilfe haben schon in der Vergangenheit zu einer angespannten personellen Situation geführt, wegen der wir die Untersuchung letztlich in Auftrag gegeben haben.“ Das Ergebnis würde jetzt schrittweise umgesetzt – mit dem zusätzlichen Problem, dass qualifiziertes Personal derzeit schwer zu bekommen sei.

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