Von Herrschern gehasst, vom Publikum geliebt

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(Foto: Liane Merkle)

Schwarzach. (lm) Plagiate bei Doktorarbeiten und gekaufte Titel sind durchaus heute noch Ausdruck der menschlicher Geltungssucht, die so up to date sei dürfte wie vor rd. zweihundert Jahren, als der Autor und Theaterleiter August von Kotzebue das Stück „Die Deutschen Kleinstädter oder Tumult im Krähwinkel“ zu Papier brachte.

Die Premiere des Stück im „Theater im Birkenhof“ unter Regie von Alexander Kaffenberger wurde für das Publikum trotz Nieselregen zum Genuss und die Schwarzacher Laiengruppe stellte zweifelsfrei ihre nahezu profihafte Schauspielkunst unter Beweis, um gleichzeitig den Anwesenden nahe zu bringen, warum der Autor zu seiner Zeit vom allgemeinen Publikum geliebt, von den Herrschenden jedoch gehasst wurde. Denn er zieht in diesem Lustspiel die titelsüchtigen Kleinstädter mit ihren Eifersüchteleien und Intrigen ganz schön durch den Kakao. Und dies gelingt den Schwarzacher Amateurdarstellen verschiedensten Alters, Herkunft und sozialer Umstände wirklich grandios.

Nicht nur Regisseur Kaffenberger zeigte sich begeistert von „seiner Truppe“. Auch Bürgermeister Theo Haaf betonte noch einmal die besondere und überregionale Anerkennung des „Theater im Birkenhof“ durch die Auszeichnung mit dem hochgeschätzten Paul-Lechler-Preis.




Doch zurück zur Geschichte aus dem Jahr 1803. Als Tochter des Bürgermeisters Niklas (Ali Wütschner) soll Sabine (Diana Till) gegen ihren Willen standesgemäß mit dem Bau-, Berg- und Weginspektorsubstitut u Feierabendpoeten Sperling (Klaus Heß). Hilfe findet Sie weder bei ihrer Großmutter, der Untersteuereintreiberin Staar (Claudia Strähle) noch beim Oheim Vizekirchenvorsteher Andreas Staar (Arndt Knörzer). Während Sabine verzweifelt auf das Eintreffen ihrer großen Liebe aus der Residenzstadt (Bernd Helmreich) – vermögend, aber ohne Titel – wartet, wird der „Freudentag“ der Verlobung vorbereitet und soll durch die Verurteilung einer Diebin am Pranger noch bereichert werden. Als ein Fremder mit höchster Empfehlung des Ministers aufgrund der schlechten Straßen leicht lädiert eintrifft, schlägt die Gerüchteküche hohe Wellen, wobei die „rechtschaffenen“ Tanten (Marianne Freischlag, Sylvia Richter, Moni Fischer) sogar einen König in ihm vermuten.

Man präsentiert sich mit allen Titeln, Ämtern und Posten und kann nicht verstehen, warum der Herr Karl Olmers aus der Stadt (Sabines Liebe) so gar nicht beeindruckt ist. Dieses Unverständnis schlägt um zu Empörung, vor allem als Olmers sich erlaubt, um die Hand von Sabine anzuhalten. Nach dem Willen von Oma und Tante soll er mit einer der Tanten abgespeist werden und sich erstmal einen Titel verdienen. Diese Einstellung ändert sich schlagartig, als der Gemeindediener (Wilfried Liebig) und seine Frau (Brigitte Thede) bekannt geben, dass die Diebin entwischt ist und Olmers die peinlich Angelegenheit in die Hand nimmt.

Als Erzähler konnte „Postillion“ Paul Berger so einiges an Hintergrundwissen zu Gehör bringen und in weiteren Rollen glänzten Serap Er, Jessica Senser, Marion Helmreich, Matthias Ottenstein, Ingrid Neff, Selina Yazicioglu, Sara Plavotic, Timo Andres, Heike Richter, Marcel Singerl, Roswitha Eiermann und Matthias Ottenstein. Als Bühnenteam um Regisseur und Allrounder Alexander Kaffenberger (Licht, Ton, Bühnenbild) fungierten bewährt Helfa Hauck, Marion und Janine Helmreich (Maske), Monika Liebig (Frisuren), BärbelHodapp (Kostüme), Kurt Schultz (Ausstattung), Roland Liebig (Lichttechnik) Bernd Helmreich unter Mitwirkung des gesamten Ensembles (Bühnenbild) und Gudrun Polit (Produktionsassistenz). Weitere Vorstellungen des Lustspiels „Die deutschen Kleinstädter“ sind jeweils um 20 Uhr im „Theater im Birkenhof“ zu sehen am 24., 25., 26., 28. und 29. Mai.

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