Extrembiker feiert Deutsche Meisterschaft

Waldbrunn/Billigheim. Am vergangenen Wochenende startete der Extrembiker Michael Kochendörfer (Team Storck Bicyle Team) in die 24-Stunden-Saison, nachdem er zuvor bereits einige MTB-Marathons zu Trainingszwecken gefahren war. Los ging es für den Billigheimer am Alfsee in Niedersachsen, wo gleich zur Premiere die Deutschen Meisterschaften der Langstrecken-Mountainbiker im Rennkalender standen.

Neben den bereits genannten Rennen, darunter auch das Heimrennen am Katzenbuckel, hatte Kochendörfer seine Saisonvorbereitung in diesem Jahr anders gestaltet. Statt Grundlagenausdauer auf Mallorca ging es mit Langlaufski auf die Loipe, Skitouren und Schneeschuhwanderungen rundeten das Winterprogramm ab. Hinzu kam das Heimtraining im ausgebauten Keller im Eigenheim des Athleten.

Die „24 Stunden am Alfsee“ erlebten in diesem Jahr ihre dritte Auflage, erstmals ging es jedoch um nationale Titel. Die Strecke auf einem 10 Kilometer langen Rundkurs, der 100 Höhenmeter aufwies, führte über Deiche, Single-Trails und Brücken. Außerdem mussten einige kurze und steile Rampfen bewältigt und nassen Wiesenstücke durchfahren werden, was für alle Fahrer sehr kräftezehrend war. Die klimatischen Bedingungen – wen verwundert es 2013 – waren von Kälte und Nässe geprägt. Da die Muskulatur schnell auskühlte, war für eine zusätzliche Schwierigkeit gesorgt.

Los ging es am Samstag um 14 Uhr. Michael Kochendörfer setzte sich direkt vom Start weg an die Spitze um dadurch das Tempo vorgeben zu können. Die bereits erwähnten Wiesenpassagen verwandelten sich mit zunehmender Renndauer in Schlammlöcher, sodass kontrolliertes Fahren nicht immer möglich war. Dies machte sich auch auf nassem Kopfsteinpflaster bemerkbar, rutschte der Extrembiker vom Katzenbuckel unglücklich weg, stürzte und beschädigte dabei sein Schaltwerk, das anschließend nur noch bedingt funktionierte.

Dank seiner Erfahrung aus unzähligen 24-Stunden-Rennen rettete sich der Billigheimer in die Dunkelheit und damit auf sein zweites Bike, auf das sein hervorragende aufeinander eingespieltes Betreuerinnenteam aus Ehefrau Anja und Tochter Madlen bereits die bewährten Waridi-Leuchten montiert hatte. Da das Wetter auch in der Nacht nicht besser wurde, war höchste Konzentration gefragt, um weitere Stürze zu vermeiden. So ging es kontrolliert und zügig in die Dunkelheit. Auf seine Konkurrenz hatte Michael Kochendörfer zu diesem Zeitpunkt bereits einen Vorsprung von 10 Kilometer herausgefahren.




Aber das Rennen war noch nicht gelaufen, machten Regen, Kälte, Dunkel, die schlammigen Wiesenstücke und die glitschigen Kopfsteinpflasterpassagen jeden Meter zu einer besonderen Herausforderung an Biker und Material. Aufgrund seiner Erfahrung ließ sich der Odenwälder Ausdauerfahrer aber nicht beirren, sondern fokussierte sich ganze auf seinen eigenen Rhythmus. Die Monotonie wurde dann nachts um 3:00 Uhr von der Rennleitung unterbrochen, die sich entschieden hatte, den Rundkurs aufgrund der schlechten Witterung umzubauen.

Für Kochendörfer und die anderen Rennfahrer galt es nun, die Zwangspause sinnvoll zu nutzen. Zunächste schlüpfte der Sportler vom Winterhauch in trockene Kleider, befreite anschließend die Rennmaschine von Schlamm, Laub und Gras, um danach alles gut zu ölen. Nun wurden die Kohlehydratspeicher aufgefüllt und regeneriert.

Mit Tagesanbruch wurde das Rennen wieder gestartet. Die Organisatoren hatten den Rundkurs so verändert, dass alle Streckenabschnitte wieder gut zu fahren waren. Da auch die Regenfälle nachgelassen hatten, konnte der Storck-Biker seinen 20 Kilometer großen Vorsprung konservieren und die restlichen sechs Rennstunden kontrolliert zu Ende fahren. Da die Gegner nichts mehr zuzusetzen hatten, überfuhr Michael Kochendörfer die Ziellinie als Deutscher Meister der 24-Stunden-Biker.

Durch die Rennunterbrechung saßen die Teilnehmer zwar weniger als 24 Stunden im Sattel, die äußeren Umstände waren dafür verantwortlich, dass die Sportler gefühlt ein sehr viel längeres Rennen gefahren sind, berichtete der Deutsche Meister 2013 im Ziel. Die Nässe und der kalte Wind zehrten an Körper und Geist. Durch die hervorragende Betreuung durch seine Familie, die aufgrund jahrelanger Routine perfekt auf alle Gegebenheiten reagierte und warme Getränke ebenso parat hatte, wie trockene Wechselkleider und ein stets gereinigtes Ersatzfahrrad, war dieser Erfolg erst möglich, betonte der Extrembiker die Bedeutung des Teams am Streckenrand.

Nach diesem mehr als gelungenen Einstand in die Saison 2013 muss Michael Kochendörfer nun neue Kraft tanken, um für kommende Aufgaben wie Welt- und Europameisterschaften gewappnet zu sein. 

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