Bürgermeister-Check für Zwingenberg

Update: Norman Link erhielt  97,5 Prozent der Stimmen. (Info: www.NOKZEIT.DE/eindrucksvoller-vertrauensvorschuss-fuer-norman-link)

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Norman Link will Bürgermeister von Zwingenberg werden. (Foto: privat)

Zwingenberg. Während die Kandidatenvorstellung sowie die Berichterstattung darüber schon wieder vorbei und vergessen sind, stellt NOKZEIT den einzigen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Zwingenberg anhand des Bürgermeister-Checks ausführlich vor.

Norman Link, der bereits seit über drei Jahren auf dem Chefsessel im Rathaus in Neckargerach sitzt, stellt sich am kommenden Sonntag, den Bürgern der kleinsten selbständigen Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis zur Abstimmung, um Nachfolger von Bürgermeister Peter Kirchesch zu werden.

Vonseiten der Redaktion danken wir Norman Link für seine Bereitschaft, unseren Fragenkatalog ausführlich zu beantworten. Auch wenn es an Gegenkandidaten mangelt, selbst die NEIN-Sagen treten nicht an, haben die Zwingenberger dadurch die Möglichkeit, ihr voraussichtlich neues Gemeindeoberhaupt und dessen Perspektiven und Ideen für die Festspielgemeinde am Neckar kennen zu lernen.

1. Was qualifiziert Sie dafür, Gemeindeoberhaupt von Zwingenberg zu werden? Wo sehen Sie Ihre Stärken und wo Ihre Schwächen? 

Seit nunmehr über drei Jahren bin ich mit vollem Einsatz und großer Freude Bürgermeister meiner Heimatgemeinde Neckargerach – die zugleich Sitz des gemeinsamen Verwaltungsverbandes Neckargerach-Waldbrunn ist und in direkter Nachbarschaft zur Gemeinde Zwingenberg liegt. In dieser Zeit und auch schon davor als Gemeinderat konnte ich viel kommunalpolitische Erfahrung sammeln. Das Studium der Verwaltungswissenschaften in Kehl, das ich als Dipl. Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen habe, und durch meine vorherige Berufstätigkeit bei einem Unternehmen, das Gemeinde und Landkreise berät, sah ich bereits 2010 eine gute Basis für das Amt des Bürgermeisters. Durch die vielfältigen Aufgaben, die in der Gemeinde Neckargerach für die Gemeinde Zwingenberg erledigt werden – beispielsweise im Bereich des Rechungswesens, des Standesamtes und des Grundbuchs – und durch das freundschaftliche Verhältnis zu meinem Kollegen Bürgermeister Peter Kirchesch, hatte ich immer auch Einblick in die Abläufe der Gemeinde Zwingenberg.

2. Haushaltspolitik ist auch in Zwingenberg ein wichtiges Thema, sind die Mittel doch endlich und soll doch die Konsolidierung vorangebracht werden. In welchen Bereichen wollen Sie sparen? Wofür werden Sie evtl. mehr Geld ausgeben. Müssen sich Bürger_innen/Vereine auf Einschnitte gefasst machen?

Um die Schwierigkeiten mit dem „Soll“ und dem „Haben“ kommt auch die Gemeinde Zwingenberg nicht herum – wir sollten wohl vieles, wir haben aber wenig. Daher muss mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen, sparsam, wirtschaftlich und damit vernünftig umgegangen werden.

Zwingenbergs Verschuldung ist überwiegend dem Bereich der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung zuzurechnen. Die damalige weitblickende Entscheidung, die Abwasserentsorgung über den Anschluss an das Kanalnetz der Stadt Eberbach (Lindach) abzuwickeln, musste hier investiert werden. Diese Investitionen sind durch Gebühren abgedeckt und man spricht daher von „rentierlichen Schulden“.  Übrigens eine umweltfreundliche Maßnahme, da Zwingenberg mit einer eigenen Kläranlage wesentlich schlechtere Reinigungswerte erzielt hätte.

Wie in allen Städten und Gemeinden des ländlichen Raumes und darüber hinaus, wurde schon immer und insbesondere in Zeiten der Wirtschaftskrise auch in Zwingenberg aufgabenkritisch gewirtschaftet. Das heißt, dass Ausgabenposition kritisch hinterfragt wurden und werden.

Ansonsten darf die Gemeinde Zwingenberg eine starke Wirtschaft ihr Eigen nennen, wonach es derzeit auch erfreulich gute Gewerbesteuereinnahmen gibt. Die Bürgerinnen und Bürger und die Vereine haben in den oben beschriebenen schwierigeren Zeiten ihren Beitrag geleistet. Ich sehe derzeit keinen Anlass für eine Erhöhung der Hebesätze der Grund- oder Gewerbesteuer.

3.     Welche Akzente wollen Sie im Bereich der kommunalen Wirtschaftspolitik setzen? Was unternehmen Sie, um weitere Unternehmen in Zwingenberg anzusiedeln bzw. zu halten?

Durch die hervorragende Lage Zwingenbergs, direkt an der B37, haben sich starke Unternehmen angesiedelt. Beispielhaft sei hier KSR Kuebler genannt. Schon seit jeher wird ein intensiver Austausch zwischen Verwaltung bzw. Gemeinderat und den Unternehmen im Ort gepflegt. Durch diesen Dialog konnten frühzeitig Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es den Gewerbetreibenden ermöglicht, ihr Handwerk, ihre Dienstleistung, ihren Vertrieb oder ihre Ingenieurskunst in Zwingenberg zu entfalten. Es kann als Glücksfall bezeichnet werden, dass KSR Kübler das ehemalige und in direkter Nachbarschaft liegende Mosca-Gelände erwerben konnte. Aktuell wird durch die Wika – Gruppe, der auch die weltweit operierende Zwingenberger  Firma KSR Kuebler (Mess- und Regeltechnik) mit über 100 Beschäftigten angehört, beim ehemaligen Betriebsgelände der Firma Mosca beim Bahnhof Zwingenberg eine neuen Betrieb aus Frankfurt an – bzw. übersiedeln. Eine Bereicherung mit gleichzeitiger  Schaffung weiterer Arbeitsplätze. Einen ebenso weit über die Grenzen Zwingenbergs hinaus bekannten Ruf, haben Firmen wie FSK, Haberland, Hamm Zöller und Müller.

 4.     Der demographische Wandel betrifft Zwingenberg ebenso wie andere Gemeinden im Ländlichen Raum. Laut der Prognose des Statistischen Landesamts werden 2021 – also am Ende ihrer achtjährigen Wahlperiode weniger Menschen als heute in Zwingenberg leben. Der Rückgang wird zwar weniger dramatisch sein, als in anderen Kommunen im Neckar-Odenwald-Kreis, dennoch soll es auch innerhalb der Alterspyramide Verschiebungen geben. Während weniger junge Menschen in der Neckartalgemeinde leben, steigt der Anteil älterer und alter Menschen auch absolut, sodass Zwingenberg eine Seniorengemeinde zu werden droht. Wie wollen Sie diesem Trend begegnen und damit die Prognose umkehren bzw. was werden Sie unternehmen, um den alternden Bürgern gerecht zu werden? Was tun Sie für junge Menschen? Was macht Zwingenberg überhaupt für Neubürger attraktiv

Zwingenberg ist auch eine überaus attraktive Wohngemeinde. Im  wunderschönen Neckartal gelegen, kann hier gewohnt werden, wo andere Urlaub machen. Die S-Bahn-Anbindung ist wohl eines der stärksten Argumente sich in Zwingenberg niederzulassen. Auch die eminent wichtige Versorgung mit Breitband-Internet – dies ist auch für die Unternehmen wichtig – ist in Zwingenberg gegeben. Erfreulich ist der kaum vorhandene Leerstand von Gebäuden. Eine weitere Erschließung eines Neubaugebiets „auf der grünen Wiese“ ist in Zwingenberg nicht möglich – daher wird es auch auf die Innenentwicklung und damit auf die Nachverdichtung ankommen.

Eine Trendumkehr ist bei einer insgesamt schrumpfenden Bevölkerungszahl wohl kaum machbar. Der Wettbewerb um Einwohner hat längst begonnen. Die bereits angesprochene Lage Zwingenbergs mit der S-Bahn und damit der Nähe zu Heidelberg und Mannheim und die vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten, werden immer für eine Attraktivität der Gemeinde sorgen. Für Jugendliche ist ein Jugendraum vorhanden, die halbstündige Taktung der S-Bahn ermöglicht eine hohe Mobilität für alle Altersklassen und natürlich auch für das „Party-Volk“.



5.     Welche Vision haben Sie für Zwingenberg? Wo soll die Ihre Gemeinde im Jahr 2021 stehen?

Wie für alle Gemeinden des ländlichen Raumes, sehe ich auch für Zwingenberg die Gefahr des Verlustes der Selbstständigkeit. Die politische Diskussion um eine neuerliche Kreis- und Gemeindereform flammt immer wieder auf, die Schaffung von größeren Strukturen und die Zentralisierung von Aufgaben auf höhere Ebenen prägen die Reformen der vergangenen Jahre. Umso wichtiger ist es, dass der Verwaltungsverband Neckargerach-Waldbrunn existiert. Einst geschaffen, um die Selbstständigkeit der vier Mitgliedsgemeinden zu bewahren, wird er auch zukünftig für genau diesen Zweck gebraucht. Eine Abgabe von Kompetenzen an übergeordnete Gebietskörperschaften außerhalb des Verwaltungsverbands sollte deshalb immer das letzte Mittel sein.

Für Zwingenberg sehe ich Potential im Bereich des Tourismus. Die bereits angesprochene wunderschöne Lage – S-Bahn, Neckartal-Radweg mit einer hervorragend gelungenen Neckarbrücke, eine attraktive Gastronomie und die Nähe zu neuen Angeboten (Neckarsteig, Katzensteig) sind Chancen für Zwingenberg.

2021 soll Zwingenberg weiterhin eine lebens- und liebenswerte Gemeinde sein, in der sich Bürger und Gäste wohl fühlen und – wie bisher – das Gemeinde- und Vereinsleben aktiv mitgestalten. Vorhandenes zu bewahren und Chancen, die sich ergeben nutzen, umschreiben die Aufgaben von Bürgermeister und Gemeinderat.


6.     Wie wollen Sie Ihre beiden Bürgermeisterämter unter einen Hut bekommen? Es gibt sicherlich in einigen Dingen konkurrierende Interessen zwischen Neckargerach und Zwingenberg? Was dürfen die Wähler_innen in diesem Fall erwarten.

Die direkte Nachbarschaft und die in Frage 1 angesprochene schon vielfach existierende Zusammenarbeit der Verwaltungen, ermöglichen ein unkompliziertes Arbeiten für beide Gemeinden. Die Interessen Zwingenbergs und Neckargerachs sind vielfach gleich gelagert. Viele Aufgaben werden auch gemeinsam angegangen – ich nenne hier beispielhaft die Schulentwicklung. Um die weitere Entwicklung der gemeinsamen Grundschule kümmert sich ein Gremium, dem Vertreter beider Gemeinden und natürlich auch der Schule und der Kindergärten angehören. Für mich ist es wichtig zu erkennen, dass wir nur gemeinsam bestehen können – nicht in Konkurrenz.

Als es vor zwei Jahren im Rahmen des Modellprojekts Breitbandinitiative um die Erschließung Zwingenbergs ging, konnte eine gemeinsame Trasse gefunden von der letztlich auch Neckargerach profitieren konnte. Kostenbeteiligungen werden in der Regel nach der Anzahl der Einwohner errechnet. Nicht zuletzt trifft in allen wichtigen Fragen das jeweilige Gemeinderatsgremium die Entscheidungen für seine Gemeinde. Die Aufgaben-, Planungs- und  Etathoheit sind dabei die wichtigen Elemente des Selbstverwaltungsrechts und zur Steuerung der gemeindlichen Entwicklung.

7.     Derzeit diskutiert man landauf, landab die paritätische Besetzung von Gemeinderatslisten. Dadurch soll die Kommunalpolitik „weiblicher“ werden. In Zwingenberg liegt der Frauenanteil mit 25 Prozent zwar schon weit über dem Kreisdurchschnitt (ca. 15 Prozent), dennoch ist man weit weg von paritätischer Besetzung. Was wollen Sie als Bürgermeister dazu beitragen, damit 2014 mehr Frauen ins Gremium gewählt werden?

Grundsätzlich sollte die ernsthafte Bereitschaft zur Kandidatur und zur Arbeit im Gemeinderatsgremium ausschlaggebend sein. Eine „erzwungene“ paritätische Besetzung halte ich nicht für zielführend. Zwingenberg hat nach dem berufsbedingten Ausscheiden von Prinz Bertold von Baden und dem Nachrücken von Frau Ute Haberland drei Frauen und fünf Männer im Gemeinderat. Die 50%-Quote hatte Zwingenberg vor Jahren mit vier Frauen und vier Männern im Gemeinderatsgremium bereits erfüllt und dürfte mit der jetzigen Quote den Spitzenplatz der Kreisgemeinden einnehmen.

8.     Eine Frage zum Schluss. Nach Fukushima und dem Regierungswechsel in Baden- Württemberg sind alle Parteien auf den Zug der „Energiewende“ aufgesprungen. Daher sind derzeit im ganzen Land mögliche Standorte für Windkraftanlagen im Gespräch. Wie ist Ihre Position zu Windkraftstandorten in der Region? Im Zusammenhang mit dem Verwaltungsverband soll in Waldbrunn ein großer Windpark entstehen, wogegen sich derzeit Widerstand formiert. Wie kann Zwingenberg die Situation in der Nachbargemeinde entschärfen? Warum soll die Winterhauchgemeinde die „Lasten des Neckartals mittragen? Gibt es mögliche eigene Standorte in der Gemeinde? Was tun Sie als neues Gemeindeoberhaupt, um Erneuerbare Energien zu fördern bzw. Energie erst gar nicht zu verbrauchen?

Das Neckartal hat aufgrund der fehlenden Windhöfigkeit und einer Vielzahl von Schutzgebieten insgesamt keine bzw. kaum nutzbare Flächen, die einen wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen ermöglichen. Es ist aus meiner Sicht bedauerlich, dass aufgrund der Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene und der darauf resultierenden Aufgaben, die wiederum auf die Kommunen abgewälzt werden, in vielen Fällen politischer und auch persönlicher Streit entbrannt ist. Wirtschaftliche Erwägungen spielen zudem oftmals eine weit wichtigere Rolle als tatsächlich das Streben nach regenerativen Energien.

Grundsätzlich kann jeder Akteur nur den Beitrag zur Energiegewinnung leisten, den die jeweilige Topografie ermöglicht. In Höhenlagen ist es die Windkraft, bei uns im Neckartal die Wasserkraft. Allein das Wasserkraftwerk der Schleuse Neckargerach – Guttenbach hat mit seinen zwei Turbinen eine installierte Leistung von 6,8 MW. Die Erweiterung des Kraftwerkes 1992 im Hochsommer führte zu erheblichen Beeinträchtigungen für Guttenbach – täglich rumpelten duzende schwer beladene LKW durch den idyllischen Ortsteil und belasteten die Bürger enorm. Auch die Krebsbachbrücke, die zwischenzeitlich aufwendig saniert werden musste, wurde während der langen Bauphase stark in Mitleidenschaft gezogen. Ganz aktuell gibt es massive Probleme bei der Wasserversorgung der ehemaligen Betriebs- und heutigen Wohnhäusern der Schleusensiedlung.

Das Neckartal hat zudem in anderen Bereichen große Aufgaben zu bewältigen. Beispielhaft sei hier das Thema Hochwasser angesprochen von dem wir auch derzeit einmal mehr heimgesucht werden.

Im Bereich der Energieeinsparung wird in diesem Jahr in Neckargerach beispielsweise die Straßenbeleuchtung auf die neue LED-Technik umgestellt. Dadurch wird der Stromverbrauch enorm reduziert, ein positiver Nebeneffekt ist die günstige Wartung und die lange Haltbarkeit der LED-Leuchten im Vergleich zu den bisher eingesetzten Natriumdampflampen, die mit zunehmender Lebensdauer auch schwächer werden. Ein solches Projekt, das auch durch Landes- und Bundesmittel gefördert werden kann, kann ich mir auch gut für Zwingenberg vorstellen. Die Abwasserbeseitigung Zwingenbergs habe ich bereits erwähnt, ebenfalls eine energiesparende Einrichtung durch das pneumatische Pumpen des Abwassers nach Eberbach und der Verzicht auf eine eigne Kläranlage.

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