Landwirtschaft in die Energiewende einbinden

Sinsheim. (pm) Energieholz – das ist auch ein Thema für die Landwirte im Kraichgau. Zu einer ersten Informationsveranstaltung in den Räumlichkeiten der Abfallverwertungsgesellschaft des Rhein-Neckar-Kreises (AVR) in Sinsheim waren am vergangenen Montag über 50 Interessierte gekommen. Vorgestellt wurden unter anderem Konzepte für den Anbau von Energiehölzern in der Region. „Unser Ziel ist es, zusammen mit der örtlichen Land- und Forstwirtschaft eine nachhaltige und ökologische Rohstoffversorgung aufzubauen“, so der Geschäftsführer der AVR Alfred Ehrhard bei seiner Begrüßung. So könne beispielsweise auch das Biomasseheizkraftwerk in Sinsheim versorgt werden, das mittlerweile schon ca. 250 Haushalte und mehrere Großabnehmer (Kreiskrankenhaus Sinsheim, Stift Sunnisheim, Berufsschulzentrum und das Verwaltungsgebäude des Landratsamts) mit erneuerbarer Wärme versorgt und somit etwa 1,4 Millionen Liter Heizöl im Jahr ersetzt. 

Die Initiative zum Anbau von Energiehölzern gehört zur Kooperation der Metropolregion Rhein-Neckar mit der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T). Zur Bioenergie-Region H-O-T gehören die Landkreise Hohenlohe, Neckar-Odenwald und Main-Tauber. Die drei Landkreise im Norden von Baden-Württemberg sind seit 2009 eine bundesweite Modellregion für Erneuerbare Energien. Die Erfolgsbilanz ist bestechend, seit 2009 konnten mit bürgerschaftlichem Engagement bereits mehrere Millionen Liter Heizöl pro Jahr durch den Ausbau der erneuerbaren Wärmeversorgung eingespart werden. Auch mittelständische Unternehmen profitieren von dem Erfolg.

Und von diesen bisherigen Erfolgen sollen jetzt auch die Bürgerinnen und Bürger im Kraichgau profitieren. Christian Eifler, der bei der Bioenergie-Region H-O-T als Referent für Bioenergie und Naturschutz tätig ist, berichtete in Sinsheim von den Praxisversuchen mit Energiehölzern im Neckar-Odenwald-Kreis. Dort wurden in den letzten Jahren bereits rund 50 Hektar Energiehölzer angelegt. Dabei seien laut Eifler auch ökologische Vorteile entstanden. Laufende Praxisforschungen belegen, dass Energiewälder die Bodenqualität verbessern und heimischen Tieren Rückzugsraum bieten.




Bei Energiehölzern handele es sich um schnellwachsende Baumarten wie Pappel, Weiden und Robinien, die im drei bis fünf Jahres Rhythmus mit spezieller Erntetechnik gehäckselt werden könnten, so Eifler. Die auf dem Feld verbliebenen Wurzelstöcke treiben erneut aus, so dass insgesamt eine Bewirtschaftung von weit über 20 Jahren möglich sei. Die im mehrjährigen Rhythmus gewonnenen Holzhackschnitzel können dann beispielsweise in Biomasseheizkraftwerken verbrannt werden. So entsteht Wärme, mit der über ein Fernwärmenetz öffentliche Einrichtungen und privaten Haushalten versorgen werden können.

Persönliche Erfahrungen von Landwirten die bereits Agrarholzflächen angelegt haben, wie Roland Feil aus Schefflenz, fanden in der anschließenden Diskussionsrunde Gehör. Drängende Fragen der Teilnehmer zu den Themen: Erträge, Wirtschaftlichkeit, Genehmigungsverfahren und viele andere wurden konstruktiv diskutiert.

 „Wir haben großes Interesse gemeinsam eine nachhaltige regionale Energieversorgung zu gestalten“, unterstrich der AVR-Geschäftsführer Alfred Erhard. Als nächsten Schritt sollen jetzt Landwirte im Kraichgau für praktische Anbauversuche gewonnen werden. Dabei geht es auch darum, ökologische Belange zu berücksichtigen und wirtschaftliche Konzepte für die Region zu entwickeln.

Abschließend bedankte sich Bernd Kappenstein, Leiter des Fachbereichs Energie und Umwelt der Metropolregion Rhein-Neckar, bei den Teilnehmern der Auftaktveranstaltung. „Die Energiewende können wir nur gemeinsam schaffen. Dazu gehört auch, die Einbindung der land- und forstwirtschaftlichen Strukturen“. Deshalb hatte Kappenstein auch gleich drei der neuen Bioenergie-Botschafter der Metropolregion nach Sinsheim mitgebracht, nämlich die Alt- Bürgermeister Erich Mick (Mauer), Roland Schilling (Schönbrunn) und Hans Wolfgang Riedel (Waibstadt), die als ehrenamtliche Ansprechpartner das Thema mit entwickeln wollen.

Interessenten können sich jederzeit bei der Geschäftsstelle der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T) oder bei der AVR Energie GmbH melden:

Infos im Internet:

www.bioenergie-hot.de

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