Feuerwehren helfen rund um die Uhr

Floriansjünger im Neckar-Odenwald-Kreis

FFW Reportage 1

Bei einem Brand auf dem Birkhof bei Seckach arbeiteten im Oktober 2010 Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis bei einem Großbrand zusammen und konnten ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude verhindern. (Foto: Grimm)

Neckar-Odenwald-Kreis. (mag) Die Nacht liegt dunkel über der kleinen Gemeinde im Landkreis, die Bürgersteige sind längst hochgeklappt und hinter den Fenstern brennt kein Licht mehr. Die Bevölkerung schläft friedlich. Auf der nahen Bundesstraße fährt ab und zu ein Auto.

Einer will nur noch nach Hause und denkt sich, dass heute ja eh keiner mehr unterwegs ist, “da kann ich ruhig auch etwas schneller fahren”. Plötzlich erfassen seine Scheinwerfer ein Reh mitten auf der Fahrbahn. Reflexartig tritt der Fahrer auf die Bremse, will noch ausweichen. Der Wagen gerät ins Bankett, kippt zur Seite und bleibt mit langsam drehenden Reifen liegen.

Nach einigen Minuten fährt ein Auto an der Unfallstelle vorbei, fährt kurz langsamer und beschleunigt wieder. Das zweite Auto hält an. Die Fahrerin steigt aus und geht unsicher auf das Auto zu und versucht die Tür zu öffnen, nichts rührt sich, alles Rütteln und Ziehen hilft nicht. “Da muss die Feuerwehr her”, denkt sie sich, kramt ihr Handy aus der Tasche und wählt die 112.

“Rettungsleitstelle Mosbach, Sie haben den Notruf gewählt?”. Die Fahrerin schildert, was passiert ist, wo es passiert und beschreibt die Lage. Nachdem sie alle Fragen des Leitstellen-Disponenten beantwortet hat, versucht sie weiter irgendwie Zugang zum Fahrer zu bekommen, sie sieht durch die Scheibe den Fahrer. Er blutet am Kopf und hängt im Sicherheitsgurt.

In der Zwischenzeit hat die Rettungsleitstelle die Gemeindefeuerwehr, auf deren Gemarkung der Unfall geschehen ist, alarmiert. In mehr als 30 Schlafzimmern melden die Funkmelde-Empfänger den Alarm, die Sirene auf dem Rathaus heult auf. Müde und zugleich aufgeregt steigen die Männer und Frauen aus den Betten, suchen verschlafen nach irgendwas sinnvollem zum Anziehen, nach den Schuhen und dem Autoschlüssel. Kurze Zeit später treffen sie am Feuerwehrgerätehaus ein, ziehen in Windeseile ihre Schutzkleidung an und besetzen die Fahrzeuge. Um nicht mehr Bewohner als notwendig zu wecken fahren die Einsatzfahrzeuge nur mit Blaulicht.

Nach weiteren zwei Minuten haben die Feuerwehrleute die Einsatzstelle erreicht, der Rettungsdienst trifft gerade ein. Gemeinsam machen sich die Einsatzkräfte an die Arbeit, stützen das Fahrzeug ab, entfernen vorsichtig die Scheiben, schaffen dem Rettungsdienst eine erste Zugangsöffnung, öffnen die Türen und befreien langsam und vorsichtig den Fahrer aus seiner hilflosen Lage und kümmern sich um die Ersthelferin, die frierend am Straßenrand stand. Weitere Kräfte sperren auf Anweisung der zwischenzeitlich eingetroffenen Polizeistreife die Bundesstraße und leiten die spärlich auftretenden Autofahrer um.

Fotoserie zum Artikel – (Fotos: FFW/Grimm/Thier)

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Die Einsatzkräfte des DRK können den Kreislauf des Unfallopfers schnell stabilisieren und ihn ins Krankenhaus bringen. Nachdem der Abschleppdienst das Unfallauto aufgeladen hat, reinigen die Feuerwehrleute die Straße und machen sich aufgekratzt auf den Weg ins Feuerwehrgerätehaus. Müde ziehen sie ihre Einsatzkleidung aus, machen sich noch ein wenig über den Schlafanzug der anderen lustig und steigen wieder in ihre Autos, um zu Hause einige Zeit wach im Bett zu liegen und darüber nachzudenken, wie es gewesen wäre, wenn man selbst den Unfall gehabt hätte oder wenn es nicht so glimpflich ausgegangen wäre.

So oder so ähnlich laufen die meisten Feuerwehreinsätze im Neckar-Odenwald-Kreis und in ganz Deutschland ab. Die 27 Städte und Gemeinden im Neckar-Odenwald-Kreis unterhalten ihrer Größe und Gefahrenlage entsprechend jeweils eine Feuerwehr mit zumeist mehreren Abteilungen. Dazu kommen noch zwei Werkfeuerwehren in Haßmersheim und Obrigheim.

Die Gemeinden finanzieren die Gerätschaften, Uniformen, Fahrzeuge, Gerätehäuser und vieles mehr. Die Feuerwehrmänner und -frauen stecken viel Herzblut in die Sache Feuerwehr und stellen sich ehrenamtlich und unentgeltlich in den Dienst der Gemeinde und damit der Allgemeinheit. Über die örtlichen Sirenen und die Funkmeldeempfänger sind die Mitglieder der Feuerwehren 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche erreichbar. Bei der Aufnahme in die Einsatzabteilung legen die Feuerwehrmänner und -frauen einen Eid, aber sich bei Alarm immer unverzüglich am Feuerwehrgerätehaus zu melden – sofern sie schnell genug das Gerätehaus erreichen können.

3.184 freiwillige Feuerwehrleute rückten 2012 im Landkreis 1.401 mal zu Einsätzen aus – egal ob tagsüber oder nachts – um das Hab und Gut und oft auch das Leben anderer zu retten und manchmal auch das eigene zu riskieren. Für andere und ohne jede Gegenleistung.

Vor gut 150 Jahren wurden im Neckar-Odenwald-Kreis die ersten Feuerwehren gegründet, dazu gehören unter anderem die Feuerwehren aus Mosbach, Buchen, Hardheim, Adelsheim und Osterburken. Damals war die Gründung zumeist das Ergebnis eines verheerenden Brandes, der die damaligen Stadt- oder Gemeinderäte veranlasste, zukünftig besser auf solche Ereignisse vorbereitet zu sein und dadurch das Schlimmste verhindern zu können.

Die Gleichschaltung während des zweiten Weltkriegs sorgte in vielen Gemeinden dafür, dass die Kommandantur durch parteitreue aber meist unerfahrene Köpfe ausgetauscht wurden. Der Kriegsverlauf, der Mangel an Kämpfern und die Einberufung der meisten Männer an die Front Krieg sorgte dafür, dass die meisten Feuerwehren in den damaligen Landkreisen von Frauen und den verbliebenen älteren Männern aufrecht erhalten wurde, um bei Bränden schnell eingreifen zu können. Heute werden die Gemeindefeuerwehren von Kommandanten und die einzelnen Abteilungen von Abteilungskommandanten, deren Stellvertretern und einem Ausschuss geleitet.




Nach dem Krieg veränderte sich die ursprüngliche Aufgabe der Feuerwehren sehr stark. Von der reinen “Feuerwehr” wurden die Feuerwehren zu spezialisierten Einheiten, die bei Verkehrsunfällen, Ölspuren, Hochwasser, Windbruch, Bedrohungen durch atomare, biologische oder chemische Unfälle und Angriffe, Personensuchen, zur Verkehrssicherung und für vieles mehr eingesetzt werden können.

Um all diesen Aufgabe gewachsen zu sein, ist eine fundierte Ausbildung für Feuerwehrleute das Wichtigste. Mit 17 Jahren können Jugendliche in die Einsatzabteilung eintreten oder aus der Jugendfeuerwehr übernommen werden und beginnen mit der Grundausbildung “Truppmannausbildung – Teil 1”. 70 Stunden Feuerwehr-Theorie und -Praxis sowie ein Erste-Hilfe-Kurs sind der Einstieg ins aktive Feuerwehrleben.

Um wirklich einsetzbar zu sein, folgen in der Regel ein Sprechfunker-Lehrgang und die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger. Mittels umluftunabhängiger Pressluftatmer können Atemschutzgeräteträger auch in verrauchten Gebäuden Brände löschen und Personen retten. Die Ausbildung zum Maschinisten berechtigt zum Bedienen der Feuerwehrpumpen mit denen das Wasser durch die Schläuche gepresst wird, damit vorne am Strahlrohr Wasser mit genügend Druck heraus kommt. In den zwei Jahren nach der Truppmannausbildung – Teil 1 müssen die Feuerwehrleute weitere 70 Stunden Übungs- und Einsatzdienst nachweisen können, um die Truppmannausbildung – Teil 2 abschließen zu können. Diese ermöglicht die Teilnahme am Truppführerlehrgang, der Voraussetzung für alle weiteren Lehrgänge ist. Alle Lehrgänge bis zum Truppführer werden wiederum von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten im Landkreis durchgeführt. Weiterführende Lehrgänge zum Gruppen- und Zugführer, spezielle Ausbildungen im Bereich Sprechfunk, Katastrophenschutz und vieles mehr können an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal absolviert werden.

Die Vielzahl der Lehrgänge, die zunehmenden Aufgaben und die langsam sinkenden Mitgliederzahlen der Feuerwehren (3.204 in 2011, 3.212 in 2012) sorgen dafür, dass immer weniger Feuerwehrleute immer mehr Arbeit leisten müssen. Verordnungen legen die sog. Tagesstärke (wie viele Leute sind tagsüber vor Ort) und Hilfsfristen (wie lange darf die Feuerwehr benötigen, um an der Einsatzstelle einzutreffen) fest. Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren für weitere Probleme sorgen.

Wie die Jugendfeuerwehren die Mitgliederzahlen der Feuerwehren im Landkreis stärken und welche “Spezialeinheiten” es bei den Feuerwehren im Landkreis gibt, lesen Sie in einer der folgenden Reportagen.

INFO: Um die Bevölkerung über die Arbeit der Feuerwehren im Landkreis zu informieren, findet am 23.06.2013 in Mosbach der Kreisfeuerwehrtag unter dem Motto “Abenteuer in Rot” statt. In der Mosbacher Innenstadt können an diesem Tag zwischen 11 und 18 Uhr alle Besucher bei freiem Eintritt an verschiedenen Vorführungen teilnehmen, selbst einen Brand löschen, alte und aktuelle Feuerwehrautos besichtigen, eine Rettungshundestaffel in Aktion und vieles mehr erleben. Für Kinder und Jugendliche gibt es eine Spielstraße mit verschiedenen Stationen und Experimenten, einen Luftballon-Weitflug-Wettbewerb mit hochwertigen Preisen, ein Puppentheater und weitere Attraktionen.

Infos im Internet:

www.abenteuer-in-rot.de

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