6. Nordbadischen Spinntreffen in Eberstadt

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(Foto: Liane Merkle)

Eberstadt. (lm) Strahlender Sonnenschein umstreichelte das emsige Wirken von rund 50 Spinnfrauen beim 6. Nordbadischen Spinntreffen, dem „die Häfners“ Wolfgang und Annerose auf ihrem Eberstadter Werkhof als Geopark-ab-Hof-Kooperationspartner den perfekten äußeren Rahmen verliehen. Christa Haas aus Friedrichsdorf ist die Urheberin dieser ganz besonderen Veranstaltung, die maßgeblich dazu beiträgt, dass altes Wissen um die textile Verarbeitung am Leben gehalten und weiter gegeben wird.

Obwohl ursprünglich solche Treffen – wie in früheren Zeiten auch – normalerweise nur in der Winterhalbzeit stattfinden, genossen die fleißigen Handarbeiterinnen ihr ungewöhnliches Hobby gerne unter freiem Himmel und warmen Sonnenstrahlen. Und dem Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Spinngruppen tat das keinerlei Abbruch. War es schon früher sinnvoll und notwendig, dass sich die jungen Frauen über Winter zum sogenannten „Versetz“ trafen, um gemeinsam die notwenigen Handarbeiten zu verrichten und sich über neue Techniken auszutauschen, so ist es heute umso wichtiger, das Wissen um die Wollverarbeitung „von der Pike auf“ weiter zu geben.




So funktionieren die einzelnen Spinnstuben oder –zirkel im Kleinen und das Nordbadische Spinntreffen im Größeren auch heute noch. Bereits zum Mittagessen trafen sich die Spinnstuben Eberstadt und des Heimatvereins Höpfingen sowie der Spinnzirkel Eberbach und als „Youngsters“ auch erstmals die Spinngruppe Weinsberg, die Spinnen in der Schule anbieten und unglaublichen Zulauf haben. Die Eberstädter unter Leitung von Irene Prokosch sind nach den Eberbachern, die seit 1981 bestehen und derzeit auf rd. 25 Mitglieder stolz sein können, der zweitälteste Verein. Gegründet wurde diese Spinnstube 1984 von der damaligen Pfarrehefrau Inge Schwab im Rahmen des Frauenkreises.

Und noch heute treffen sich etwa 13 Frauen einmal wöchentlich von Oktober bis nach Ostern, die Tradition der „Versetz“ beizubehalten. Elf Jahre jünger ist die Stube mit den 20 Höpfinger Spinnfrauen, die 1995 von Edeltrud Hauck gegründet und fünf Jahre später von Maria Böhrer übernommen wurde, die den Führungsstab dann vor etwa einem Jahr an Birgid Ott weiter gab. Eins haben alle Spinnfrauen gemein, sie sind total vernarrt in den Werkstoff „Wolle“ und überzeugt von seinen wirklich wunderbaren Eigenschaften – auch im medizinischen Bereich.

Immer wieder bildeten sich Grüppchen, in denen der Wert der Wolle bei Hals- oder Ohrenschmerzen, aber auch die Unterschiede zwischen normaler Schaf- und Alpaka-Wolle, Verarbeitung und Veredelung oder die unterschiedlichsten Spinntechniken, Färbemethoden oder weitere Verarbeitungen durchdiskutiert wurden. Und die Kunstwerke, die die Damen schlussendlich herstellten, sind einfach unbezahlbar wertvoll und nur durch entsprechende Wertschätzung erhältlich.

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