Schloßau macht Bildungspolitik in großem Stil

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(Foto: Liane Merkle)

Schloßau. (lm) „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen“, dieses afrikanische Sprichwort sah Schulrat Uwe Wurz in Schloßau perfekt umgesetzt, denn seiner Meinung nach werde hier Bildungspolitik im großen Stil betrieben. Die Grundschule Schloßau konnte am vergangenen Wochenende mit der Einweihung der neuen Motorikanlage, 40 Jahre Grundschule und 50 Jahre Schulgebäude (NZ berichtete) eine Fest-Trilogie begehen, und das tat dieser zweitgrößte Mudauer Ortsteil gewohnt zünftig und ausgiebig.

Wie stimmig die Aussage des Schulrats ist, machte Mudaus kommissarischer Rektor Walter Herkert deutlich, der zum einen die beispielhafte Zusammenarbeit der Schulen Mudau und Schloßau hervor hob und zum zweiten die Tatsache, dass fast alle Erwachsenen im Saal diese Schule besucht und dabei die Basis für ihren Erfolg gelegt hätten. Teamarbeit zwischen Eltern, Schülern, Lehrern, Vereinen und Ortschafts- bzw. Gemeindeverwaltung scheint diesen Zauber einer anregenden Lernumgebung in familiärer Atmosphäre auszumachen, wie in den Grußworten von Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, Ortsvorsteher Herbert Münkel, Manuela Mechler-Geier in ihrer Funktion als Elternbeirätin sowie Mike Schneider als Vorsitzender des Schul-Fördervereins deutlich wurde.

Fotoserie zum Artikel –  (Foto: Liane Merkle)

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Entsprechend persönlich waren die Geschenke. Von der Mudauer Schule einen heiß begehrten Fußball, vom Bürgermeister das Gleiche und zusätzlich Schwimmflossen und Badekappen in allen Ortsfarben der „Nachbarschaftsschule“. Außerdem war er der Meinung, dass die Schüler so gerne in diese Schule kommen, weil sie mit Spielgeräten, Turnhalle, Schwimmbad und interessantem Unterricht hier garantiert mehr als jemals zuhause haben. Diesen Vorteil von „Alles unter einem Dach“, der bereits bei der Planung vor 50 Jahren berücksichtigt worden war, nahm Herbert Münkel als Ansatz für die Aussage: „Ich glaube, dass Entscheidungsträger aus den Ballungsgebieten von Baden-Württemberg die Belange und Notwendigkeiten im ländliche Raum nicht ausreichend einschätzen können, um praktikable Lösungen für diese Gebiete vorzugeben.“

Dem vorausgegangen war die Begrüßung von Rektorin Sophie Klopsch, die neben den bereits Genannten vor allem ihren langjährigen Vorgänger im Amt, Rektor i.R. Ernst Hauk sowie die ersten Erstklässler dieser Schule aus dem Jahr 1965 zusammen mit ihrem Lehrer Kurt Bauer willkommen hieß, bevor sie in ihrer Festrede auf Details einging.




Demnach wurde die Gemeindereform zu Beginn der 70-er Jahre von einer Schulreform begleitet, in deren Zug die einklassigen Dorfgrundschulen in Reisenbach und Scheidental geschlossen und in Schloßau die Grundschule im Nachbarschaftsverband gegründet wurde. Diese wurde 1973 von Oberlehrer Franz Diemer geleitet. „Aus Reisenbach kam mit den Schülern Hauptlehrer Michael Jöst, aus Scheidental Hauptlehrer Ernst Hauk und vor Ort war schon Lehrerin Marlies Bauer. Nach dem Wegzug von Franz Diemer leitete Michael Jöst die Schule kommissarisch bis Ernst Hauk 1980 zum Schulleiter ernannt wurde und sie 30 Jahre lang in dieser Funktion maßgeblich prägte.

Sophie Klopsch machte aber auch deutlich, wie sehr sich Erziehungsstile, Unterrichtsformen, Lehr- und Bildungspläne in den letzten Jahrzehnten verändert haben vom „Unterricht hinter verschlossenen Türen“ zu geöffneten Türen für außerschulische Partnerschaften. Als einen der wichtigsten Bildungspartner sah die Rektorin den örtlichen Kindergarten und im pädagogischen Bereich lege man gesteigerten Wert auf Inklusion, individuelle Förderung und Jahrgangsübergreifendes Lernen mit Blick auf eine Aussage des Autobauers Henry Ford, demnach die Wettbewerbsfähigkeit nicht in Fabriken oder im Labors beginne, sondern in den Klassenzimmern.

Den unterhaltsamen Rahmen des offiziellen Programms gestalteten die Schülerinnen und Schüler mit frech-fröhlichen Liedern, einem nachdenkenswerten Musical sowie einem Geburtstagstortentanz und die Klarinettengruppe aus der Kooperation Schule-Musikverein mit einem kleinen Potpourri. Das Gesamtambiente des Festes wurde bereichert durch Ausstellungen aktueller Schülerprojekte, Fotos über Gebäude und Schüler in 50 Jahren und mehr Jahren Schloßauer Schulgeschichte sowie dem dazu gehörigen Schulmaterial und natürlich zahlreichen Unterhaltungs- und Spielangeboten.

 

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