Krankenstand im Neckar-Odenwald-Kreis gesunken

Ausfalltage über Landesniveau – Verbreitung von Burnout durch Job-Belastung wird überschätzt 

Mosbach. Der Krankenstand im Neckar-Odenwald-Kreis ist 2012 gesunken. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen um 0,5 Prozentpunkte ab, während sie in Baden-Württemberg insgesamt gleich blieben. Mit 3,4 Prozent hatte die Region allerdings weiterhin einen etwas höheren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (3,2 Prozent). Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1.000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 34 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Baden-Württemberg wurde mit 3,5 Prozent in  Baden-Baden und im Landkreis Rastatt verzeichnet, der niedrigste mit 2,7 Prozent in Heidelberg.

Wie aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport für den Neckar-Odenwald-Kreis hervorgeht, nahmen im Vergleich zum Vorjahr bei zahlreichen Diagnosen die Ausfalltage ab. Die meisten Krankschreibungen erfolgten aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen wie Rückenleiden. Hier gab es einen Rückgang von 16 Prozent. Auf dem zweiten Rang folgten Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis, die ebenfalls im Vergleich zu 2011 um sechs Prozent zurück gingen. Die Ausfalltage bei Verletzungen und Vergiftungen stiegen dagegen um 45 Prozent und liegen nun deutlich über dem Landesdurchschnitt.

„Der sinkende Krankenstand in der Region ein positives Signal“, kommentierte Ludger Geier von der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. „Damit sich die Entwicklung fortsetzt, sind Arbeitnehmer und Betriebe gefragt. Zu einem gesunden Leben gehört auch der wichtige Bereich der Arbeit. Durch ein gezieltes Gesundheitsmanagement können Unternehmen selbst dazu beitragen, dass der Krankenstand bei ihren Beschäftigten sinkt. Ansätze bieten zum Beispiel die Themen Ernährung, Entspannung und Bewegung. Hierzu beraten wir gerne.“

Aufklärung über Auswirkungen von Stress im Job

Einen Schwerpunkt setzt die Krankenkasse 2013 mit einer neuen Aufklärungskampagne über die Auswirkungen von Stress im Job: Eine aktuelle Langzeitanalyse für Baden-Württemberg zeigt, dass in den vergangenen zwölf Jahren die Fehltage bei psychischen Erkrankungen um 67 Prozent gestiegen sind. Gleichzeitig gingen die Krankschreibungen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen deutlich zurück.

Sind heute wirklich immer mehr Menschen psychisch krank? Oder haben sich nur die öffentliche Wahrnehmung und der Umgang mit Belastungen geändert. Nach Einschätzung von Experten nehmen die Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen vor allem zu, weil Betroffene und Ärzte inzwischen anders mit seelischen Leiden umgehen. „Viele Arbeitnehmer werden heute mit einem psychischen Problem krankgeschrieben, während sie früher zum Beispiel mit der Diagnose chronische Rückenschmerzen arbeitsunfähig gewesen wären“, erklärt «Name» von der DAK-Gesundheit.




Burnout ist kein Massenphänomen

Vor zehn Jahren spielte auch das „Burnout“ bei Krankschreibungen kaum eine Rolle. Die aktuelle Diskussion über einen steilen Anstieg der Erkrankung in jüngster Zeit muss relativiert werden. So tritt bei Fehltagen zum Beispiel die Diagnose Depression mehr als acht Mal häufiger auf. 2012 haben die Ärzte in Baden-Württemberg nur bei jedem 700. Mann und jeder 450. Frau ein „Ausbrennen“ auf der Krankschreibung vermerkt. „Burnout ist offensichtlich kein Massenphänomen“, betont Geier. „Es ist eine Art Risikozustand und keine Krankheit.“ Der Begriff sei aber durch viele Medienberichte positiver besetzt und sozial akzeptierter als eine Depression.

Ständige Erreichbarkeit führt zu Depressionen

Laut Studie der DAK-Gesundheit sind auch berufliche Telefonate außerhalb der Arbeitszeit sehr viel weniger verbreitet, als die öffentliche Debatte vermuten lässt. In Baden-Württemberg geben zum Beispiel 61 Prozent der Beschäftigten an, dass sie noch nie außerhalb der Arbeitszeit von Kollegen angerufen wurden. Fast 70 Prozent der Befragten bekommen nach Feierabend auch keine E-Mails. Allerdings steigt mit dem Ausmaß an Erreichbarkeit auch das Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken. Jeder vierte Beschäftigte, der ständig erreichbar ist, leidet unter einer Depression. «Name»: „Für diese kleine Gruppe hat der Wegfall der Grenze zwischen Beruf und Privatleben einen hohen Preis.“

Obwohl psychische Erkrankungen meist zu sehr langen Ausfallzeiten führen, ist die Diagnose aus Sicht der Beschäftigten in vielen Unternehmen weiterhin eine Art Stigma. Ein Vergleich der DAK-Gesundheitsreporte für die Jahre 2004 und 2012 zeigt, dass aktuell das Verständnis von Mitarbeitern und Kollegen eher pessimistischer eingeschätzt wird. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf für Betriebe und betroffene Mitarbeiter, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen“, fordert  Ludger Geier von der DAK-Gesundheit. Neue Daten zeigen: Fast jeder zweite Beschäftigte in Baden-Württemberg würde möglichst niemanden sagen, wenn er an einer psychischen Erkrankung leidet.

Ärzte sehen mehrere Gründe für Anstieg

Die in die Studie einbezogenen Ärzte sehen in Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und langen Arbeitszeiten eine Ursache für mehr Krankschreibungen mit psychischen Diagnosen. Aus Sicht der Mediziner gibt es für nicht so leistungsfähige Mitarbeiter immer weniger Platz in der Arbeitswelt. Ferner führe fehlender sozialer Rückhalt außerhalb der Arbeitswelt zu mangelnder Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Beschwerden.

Die DAK-Gesundheit hat rund 800.000 Versicherte in Baden-Württemberg, davon rund 11000 im Neckar-Odenwald-Kreis.

 

 

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