Karnevalfreunde Haidebow im (Anhänger)-glück

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Links: Der Dachstuhlwagen nach der Ankunft in Scheidental
Rechts: Wagenumbau nach der Demontage der Rungen

Odenwald. Karnevalfreunde Haidebow, der jüngste unter den vier Eberbacher Faschingsvereinen, ist seit kurzem stolzer Besitzer eines eigenen (Faschings)wagens, ein ehemaliger Dachstuhlwagen der Schaustellerfamilie Haas aus Karlsruhe.
„Es ging auf einmal schneller als gedacht…“ so der 1. Vorsitzende von KfH Joachim Banschbach, der sich über diesen (neuen) fahrbaren Untersatz riesig freut.
Seit zwei Jahren war man schon auf der Suche nach einem größeren Anhänger, denn die 4,50m Plattformlänge des jetzigen und das immer mehr werdende Equipment auf dem Wagen, führten zunehmend zu Platzprobleme und der Wunsch nach etwas Größerem wurde immer stärker.
Das Problem, welches das Kaufvorhaben jedoch vorerst eintrübte, war die erforderliche Unterstellmöglichkeit zwischen den Kampagnen. Denn unter dem Aufbau des aktuellen Faschingswagens, verbirgt sich ein herkömmlicher landwirtschaftlicher Anhänger, welcher im Besitz des Fahrerduos Schmitt ist und unterm Jahr entsprechend genutzt wird und somit auch seinen festen Platz in Weisbach hat.
Der Scheidentaler Hof- und Scheunenbesitzer Willi Trunk, bei dem jedes Jahr die sagenhaften Motivwagen von Haidebow entstehen, signalisierte jedoch „für einen eigenen Wagen werden wir auch noch einen Platz finden“ und somit stand dem Kauf von was Eigenem nichts mehr im Weg. In einschlägigen Fachzeitschriften und diversen Internetportalen wurde nun nach einem geeigneten Anhänger Ausschau gehalten. Jedoch waren diese Angebote entweder Schrott, zu teuer oder standen viel zu weit weg und eine Überführung wäre nochmal mit großen Kosten verbunden gewesen.
Ein Landwirt aus Scheidental hätte zwar dem Verein leihweise seinen 11m langen Tieflader zur Verfügung gestellt, aber diese Abmaße waren einfach zu groß für die enge Hirschhorner-Altstadt und für das 10m lange Scheidentaler Feuerwehrhaus, welches immer zum streichen des Wagen genutzt wird, eindeutig zu lang.
Zu diesem jetzigen Schmuckstück kamen die Karnevalfreunde eher durch einen Zufall.




Die Schaustellerfamilie Haas, welche bis vor zwei Jahren mit ihrem Autoskooter number 1 fester Bestandteil des Eberbacher-Kuckucksmarkt waren, sind mit dem 1. Vorsitzendem schon jahrelange befreundet. Ende Juni besuchte dieser die Autoskooter Betreiber auf dem Bad-Wimpfener Talmarkt und während des sonntäglichen Plauschs, kam die Anhängersuche von Haidebow auf den Tisch. „Wir hätten da vielleicht was…“ meinte die Chefin Hannelore Haas, jedoch kam man wieder vom Thema ab. Einige Tage später folgte dann ein Anruf „…wir könnten den Dachstuhlwagen haben und die Firma Haas würde KfH den Wagen schenken…“ Von diesem Angebot total überrumpelt, einigte man sich erst mal auf einen Besichtigungstermin im Lager der Schausteller, denn unter dem Begriff Dachstuhlwagen konnte sich der 1. Vorsitzende nichts vorstellen. Mitte Juli wurde dann der vermeintliche Anhänger in Bruchsal besichtigt und nach Rücksprache mit der Vorstandschaft, wurde einstimmig der Deal beschlossen.
Am Kuckucksmarktdienstag erfolgte dann der Transport, des nur auf 25 km/h zugelassenen Anhängers von Bruchsal ins über 90 Kilometer entfernte Scheidental. Auch dieser wurde kostenlos von der Firma Haas durchgeführt, welches deren Fahrer eine mehrstündige Tortur durch Rhein-, Neckartal und Odenwald bescherte.
Heuer steht der Dachstuhlwagen, welcher 1963 von der legendären Wagenfabrik Heinrich Mack aus Waldkirch gebaut wurde, noch im Freien hinter der Scheune. Ein Unterstand ist noch in Planung.
Mit seiner Zwillingsbereifung, einen für Schaustellerwagen typischen ausziehbaren Kellerkasten und der Plattformgröße von 7m Länge und 2,40m Breite entspricht er voll den Wunschvorstellungen des Vereins. Ideal ist auch die abnehmbare Schere, somit kann diese bei eventuellen Platzproblemen im Feuerwehrhaus oder Stellplatz abgenommen werden. Nun erfolgen umfangreiche und zeitintensive Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen, wobei der ursprüngliche Bauzustand dieser fünfzigjährigen Rarität weitestgehend erhalten bleiben soll. Die vorhandene Rungen und Streben werden abgetrennt, die Bodenbretter erneuert und vollständig zugeplankt. Die Einleitungs- Druckluftbremsanlage wird auf Zweileitung umgerüstet und die Fahrzeugverkabelung erneuert. Das komplette Fahrgestell soll neu lackiert werden.
Aus den abgetrennten Metallstreben und Profile, sollen wieder neue abnehmbare Rungen und Halter für die zukünftigen Verkleidungselemente entstehen. Ziel ist es, durch die abnehmbaren Teile, den Faschingswagen auch unterm Jahr als reinen Plattformanhänger nutzen zu können. Denn durch die große und niedrige Plattformfläche und einer Zuladung von 11 Tonnen ist er auch ideal zum Transport von Heu, Stroh und Brennholz geeignet und somit für Landwirte mit Transportengpässe nicht ganz uninteressant.
Eine Prämiere bis zur kommenden Saison wird es jedoch noch nicht geben, denn dafür reicht einfach die Zeit nicht mehr aus.
Weiter Ausbaustufen wie z.B. eine Toilette mit Frisch- und Abwassertank sowie eine Art Teeküche sind auch schon in Planung und werden nach und nach hinzukommen. Über den aktuellen Stand der Umbaumaßnahmen informiert ein (Anhänger-)Blog auf der Homepage der Karnevalisten, welcher extra für diesen Anlass eingerichtet wurde.
Die Karnevalfreunde Haidebow bedanken sich recht herzlich für diese sehr, sehr großzügige Spende bei der Schaustellerfamilie welche sich sehr freut, dass den Wagen nicht irgendjemand bekommen hat und somit zumindest noch der ehemalige Dachstuhlwagen, in Eberbach an den Autoskooter-Haas erinnert.
KfH-Blog: www.kf-haidebow.de/html/motivwagen

INFO: Die Bezeichnung Dachstuhlwagen kommt daher, dass auf diesem früher der komplette Dachstuhl eines 8-Säulen-Autoskooter verladen wurde. Heute ist der größte Teil eines üblichen 2-Säulen-Skooters incl. Dachstuhl, zusammengeklappt auf einem Mittelbauwagen verstaut.

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