Hoffnung auf Aussöhnung im Nahen Osten

Seckach. (lm) Angeregt durch die jüngsten Bemühungen des amerikanischen Außenministers John Kerry hatten Siglinde Mack und Pfarrer Kurt Wolf das vergangene Politische Abendgebet in der Klinge-Kirche und das Motto „Neue Friedensgespräche, Hoffnung auf Aussöhnung zwischen Israel und Palästina“ gestellt und den Gottesdienst mit dem perfekt passenden Lied „Schalom chaverim“ eröffnet.

Ergänzt wurde diese Friede sei mit Euch durch ein Dankgebet für die Möglichkeit, inmitten einer Menschheit, die gespalten und zerrissen ist, den Hass zu überwinden, miteinander zu reden und Krieg und Streit zu beenden. Die geschichtliche Entwicklung des Konflikts wurde den interessierten Gottesdienstbesuchern wie folgt nachgezeichnet: Die Juden lebten in diesem Land, bis sie 70 nach Christus von den Römern vertrieben wurden. Inzwischen siedelten dort Araber, die das Gebiet ebenfalls als ihre Heimat betrachten und einen Anspruch darauf erheben. Der Völkerbund, die Vorgängerorganisation der Uno beauftragte daher mit der Balfour Deklaration aus dem Jahr 1917 die Kolonialmacht Großbritannien, einerseits für das jüdische Volk in Palästina eine Heimatstädte zu schaffen, andererseits sollten dabei aber die Rechte der dort lebenden nichtjüdischen Gemeinschaften nicht beeinträchtigt werden.

Wegen der Verfolgung der Juden durch die Deutschen während des Dritten Reichs wuchs der jüdische Anteil von 11 Prozent im Jahr 1922 auf rund 30 Prozent im Jahr 1936 an. Der daraus resultierende Landkauf der Juden für die Besiedlung rief immer wieder gewaltsame Reaktionen der arabischen Bevölkerung hervor. Schließlich machte die UNO im Jahr 1947 einen Teilungsplan, bei dem die beiden Gruppen jeweils etwa die Hälfte des Landes bekommen sollten. Der Großraum Jerusalem sollte unter internationale Kontrolle gestellt werden.

Die Juden stimmten dem Kompromiss zu, die Araber wiesen ihn als völkerrechtswidrig zurück. Auf dieser Grundlage rief Ben Gurion am 15. Mai 1948 den unabhängigen Staat Israel aus. Die arabische Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Arabische Armeen – insbesondere die Ägyptens und Jordaniens – marschierten in Palästina ein. Die Israelis schlugen die arabischen Armeen und eroberten 40 Prozent des den Palästinensern zugedachten Gebietes. Dieses Gebiet gilt auch heute noch als Kernland Israels. 600.000 Araber wurden vertrieben. 1967 besiegte Israel noch einmal in einem Präventivkrieg die arabischen Armeen. Jetzt war Israels Gebiet dreimal so groß wie vorher.




Im November 1967 beschloss der UN Sicherheitsrat die Resolution 242, die Israel aufforderte, sich auf die Gebiete von 1947 zurückzuziehen. außerdem sollte das Flüchtlingsproblem gerecht gelöst werden. Doch Israel weigert sich, diese Resolution umzusetzen. Mit seiner Siedlungspolitik, die ebenfalls von der UNO kritisiert wurde, wollte das Land Fakten schaffen und das dazugewonnene Territorium sichern. Als Folge davon kam es zu einer Radikalisierung der Palästinenser und einem gestärkten Nationalbewusstsein. In den 90-er Jahren handelten Jitzhak Rabin und Jassir Arafat in den Oslo-Verträgen einen Frieden aus, der einen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland vorsah. Endlich war der Frieden zum Greifen nah. Doch ein von einem ultrarechten Israeli verübtes Attentat auf Jitzhak Rabin machte diese Hoffnung zunichte.

Eindrücklich illustriert wurde diese geschichtliche Entwicklung durch Stimmen von Menschen, die unter diesen schwierigen Verhältnissen leben und darunter leiden. Von einem israelischen Soldat wurde berichtete, wie er nach der Zerstörung eines palästinensischen Hauses ins Nachdenken gerät. Er sagte, dass es ihn in tiefster Seele traf, dass sich diese palästinensischen Mädchen, die er da sah überhaupt nicht von seiner eigenen Tochter unterschieden. „Das war der Moment, nachdem ich nicht länger an dieser Situation teilhaben wollte, egal, welchen Preis ich dafür zahlen musste.“ Ein israelischer Vater beschrieb, was in ihm vorging als er durch einen Selbstmordattentäter seine Tochter verloren hat. Aber auch er kommt zum Schluss, dass so nicht weitergehen darf, sondern beide Seiten miteinander reden sollten, dass in Zukunft so etwas nicht wieder geschieht. Von einem palästinensischen Bauern war die Rede, wie er durch die hohe Mauer, die Israel gezogen hat, nicht mehr seine Felder bestellen kann und sich wie ein Gefangener im eigenen Land vorkommt.

Es ist schon fast Ironie, dass die Region als das Heilige Land bezeichnet wird und sich in beiden Religionen die Menschen mit „Schalom“ (Friede) begrüßen. Das Gottesdienst-Team verwies auf die kraftvolle Vision des Propheten Jesaja: „Die Völker werden dorthin ziehen. Gott wird Recht sprechen im Streit der Völker. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. Kommt lasst uns wandeln im Licht Jahwes!“ Fürbittgebete für die Menschen in dieser Region beendeten mit dem „Vater unser“ und dem Lied Herr gib uns deinen Frieden“  unter dem Symbol des Friedenslichtes mit dem Palmzweig das bewegende Politische Abendgebet der überregionalen Initiative „Fromm und Politisch“.

 

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